Nachfolgestreit in Bayreuth Walkürenritt zu dritt

Vorwürfe, Intrigen und Versöhnungen: Der Streit um die Nachfolge der Leitung der Bayreuther Festspiele scheint trotz der Ankündigung eines möglichen Rücktritts Wolfgang Wagners nicht beigelegt: Die drei Urenkelinnen des Komponisten Richard Wagner kämpfen verbissen um den Posten.


Berlin - Aufregung auf dem Grünen Hügel: Kaum hatte der greise Festspielleiter Wolfgang Wagner (88) vergangene Woche durchblicken lassen, er sei unter Umständen bereit, seinen Chefposten aufzugeben, treten die drei Urenkelinnen des Komponisten Richard Wagners, Katharina Wagner, Eva Wagner-Pasquier und Nike Wagner wieder in den Ring.

Bayreuth-Walküren Katharina Wagner, Eva Wagner-Pasquier und Nike Wagner (v.l.): "Auseinandersetzungen ohne Ende"
DPA

Bayreuth-Walküren Katharina Wagner, Eva Wagner-Pasquier und Nike Wagner (v.l.): "Auseinandersetzungen ohne Ende"

Die Situation ist verworren. Denn Wolfgang Wagner hatte überraschend angekündigt, die Leitung der Bayreuther Festspiele nicht, wie bisher geplant, allein seiner jüngsten Tochter Katharina (die das Amt zusammen mit dem Dirigenten Christian Thielemann und dem Theatermanager Peter Ruzicka ausüben wollte), sondern auch Eva, seiner Tochter aus erster Ehe, zu übertragen. Die Verliererin dieser neuen Konstellation ist seine Nichte Nike Wagner, die Tochter Wieland Wagners und derzeitige Festivalleiterin in Weimar.

Prompt wirft Nike Wagner nun dem Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele vor, ihre Cousine Eva Wagner-Pasquier "zum Vertragsbruch anzustiften", denn dem Stiftungsrat liege eine gemeinsame Bewerbung von ihnen beiden vor. In der vergangenen Woche war Eva Wagner-Pasquier aber vom bayerischen Staatsminister Thomas Goppel aufgefordert worden, gemeinsam mit Katharina Wagner ein Konzept für die künftige Leitung der Bayreuther Festspiele vorzulegen.

Von Staats wegen ist man froh über die neu angestoßene Diskussion: "Den Schwestern gebührt ein leises Lob dafür, dass sie mit ihrem Vater gesprochen haben und jetzt Bewegung in die Angelegenheit gekommen ist", sagte Goppel am Montag in Augsburg.

Familienintern sieht die Lage anders aus: "Sie hofft wohl, die Liebe ihres Vaters wiederzugewinnen", meinte die 62-jährige Nike Wagner am Sonntagabend im Deutschlandradio Kultur über die 63-jährige Eva, die Tochter aus erster Ehe Wagners, deren Verhältnis zu ihrem Vater lange als zerstritten galt.

"Schön ist das nicht, wir waren eine Mannschaft, die von vielen Kulturmenschen als Dreamteam empfunden wurde", meinte Nike Wagner über ihre gemeinsame Bewerbung mit Eva. Der sei wohl jetzt nahegelegt worden, die Seiten zu wechseln, "weil das wohl die einzige Möglichkeit wäre, den Vater zum Rücktritt zu bewegen". Juristische Schritte werde sie dagegen nicht unternehmen, betonte Nike Wagner, "ich halte das aber für moralisch unschön". Eine alleinige Bewerbung schloss sie aus. Sie stehe zurzeit in E-Mail-Kontakt mit Eva.

Nach Ansicht Nike Wagners hat sich der Stiftungsrat selbst in eine Klemme hineinmanövriert, als er Wolfgang Wagner einen Vertrag auf Lebenszeit bewilligt habe, "und den hält er eisern ein", meinte die Tochter des 1966 gestorbenen Festspielleiters Wieland Wagner. "Sie können ihm entweder den Amtsarzt auf den Hals schicken, was sie nicht tun wollen, oder sie können warten, bis sich die Sache biologisch auflöst oder sie gehen in die Knie als Wolfgangs Vollstrecker und erfüllen ihm seine Wünsche, nur weil sie die Sache schnell durchziehen wollen."

Eine gemeinsame Festspielleitung von Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier hält Nike Wagner für eine "Papierlösung". Eva sei "eine seriöse Person, ich weiß nicht, wie sich die beiden zusammenraufen sollen". Wohin der Weg der Bayreuther Festspiele mit Katharina Wagner gehen würde, "haben wir ja alle gesehen, das geht in Richtung Kinderkram, Pop, Boulevardisierung".

Ginge es hingegen nach der so gescholtenen Katharina Wagner, würde eine Tandemlösung mit ihrer Halbschwester Eva nicht scheitern: Sie hielte das für eine "sehr gute Lösung", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Es gibt eine schwesterliche Affinität."

Vollkommen unmöglich scheint indes eine Dreierlösung mit Eva, Katharina und Nike. "Das gäbe Auseinandersetzungen ohne Ende und keine Linie für ein neues Bayreuth", sagte Nike Wagner der dpa.

hoc/dpa



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