"Ne Saevias" Finnischer Prof singt Elvis auf Latein

Latein ist keine tote Sprache. Und Elvis sowieso unsterblich. Was liegt näher, als die Songs des King mit einem klassischen Idiom zu veredeln? "Nune aeternitatis!", ruft der Bildungsbürger - und schwingt die Hüften.

Helsinki - Dass Elvis auch 30 Jahre nach seinem Tod am 16. August 1977 weiter lebt, ist für seine glühendsten Verehrer keine Frage. Was läge da näher, als seine Hits in der "ewigen Sprache" Latein zu singen? Das dachte sich zumindest der finnische Literatur-Professor Jukka Ammondt und erwies damit dem "King of Rock'n'Roll" eine ganz spezielle Hommage: "I surrender" lautet bei Ammondt "Nunc aeternitatis", "It's now or never" wird zu "Nunc hic aut numquam" und "Don't be cruel" zu "Ne Saevias".

Seine erste Platte mit lateinischen Elvis-Hits nahm "Doctor Ammondt" - so sein Künstlername - bereits 1995 auf. Der Titel allerdings ist auf Englisch: "The Legend Lives Forever in Latin" ("Die Legende lebt für immer auf Latein"). Seitdem sind zahlreiche neue Klassiker hinzugekommen - wobei sich Ammondt bei den Übersetzungen extra von einem Latein-Professor helfen lässt.

Der finnische Elvis-Fan sang schon in jungen Jahren Elvis-Lieder. Zunächst begnügte er sich mit den Originaltexten, doch dann dachte er sich nach eigenen Angaben: "Elvis muss auch in einer ewigen Sprache dokumentiert werden." Seine "Berufung" zum Latein-Interpreten des King nimmt Ammondt sehr ernst. Sobald Semesterferien sind, gibt er Konzerte. Er trat schon in mehreren europäischen Ländern auf - und selbstverständlich auch schon in Memphis, dem "Mekka" aller Elvis-Fans.

Seine musikalische Karriere begann der Brecht-Experte Anfang der neunziger Jahre mit finnischem Tango auf Latein. 2001 nahm er eine Platte auf Sumerisch auf, der seit langem nicht mehr gesprochenen Sprache Mesopotamiens. Und auch hier durfte Elvis nicht fehlen: "Blue Suede Shoes" auf Sumerisch klingt noch hinreißender als auf Latein.

Der King ist nicht der erste, dem Klassizität im bildungsbürgerlichen Sinn zuteil wird: Wie der Journalist Dennis Bow in seinem Buch "Die Beatles kommen!" berichtet, latinisierten Studenten Mitte der sechziger Jahre einige Stücke der Pilzköpfe.

Und 2001 erstellte das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium, Gelsenkirchen-Buer, eine lateinische Ausgabe der Bravo. Ein Artikel daraus - "Beatles mundum mutaverunt" - Die Beatles verändern die Welt - wurde sogar als Lehrtext verwendet.

dan/AFP