Abgehört - neue Musik Unterschwelliges Irritationspotenzial

Globaler Rhythmus, femininer Blues: Das Debüt von Lafawndah öffnet unerhörte Räume. Ex Hex sind die neuen Roxette, Jenny Lewis ist die neue Troubadour-Queen - und Beth Gibbons geht auf einen Górecki-Trip.

Von , und


Lafawndah - "Ancestor Boy"
(!K7/Indigo, seit 22. März)

Alles an diesem aufregenden Debüt ist ein Statement. Auf dem Cover ihres ersten Albums posiert die Musikerin Lafawndah im Hafen von Marseille, dem Ort, an dem über Jahrhunderte hinweg Einwanderer aus Nordafrika in den Westen migriert sind. Das folkloristisch wirkende Gewand, das sie trägt, wurde von dem New Yorker Hip-Designer Neil Patrick Grotzinger angefertigt, der mit seinem Label NIHL demonstrativ effeminierte Menswear entwirft. Ihre bronze leuchtende Haarpracht ist zu einer Krone getürmt, die Ursprünglichkeit und Barock zugleich symbolisiert. Es ist ein Kulturclash im allerbesten Sinne.

Lafawndah selbst ist iranische-ägyptischer Abstammung, für sie war westliche Popmusik exotisch, als sie aufwuchs. Vielleicht klingt ihr eklektisch-experimenteller Elektronik-Pop auch deswegen so neu. Man hat diesen Sound auf Lafawndahs Debüt-EP "Tan" vor drei Jahren bereits erahnen können, jetzt hat sie ihn weit geöffnet und gleichzeitig vollendet.

Dabei ist nichts perfekt auf "Ancestor Boy", die Musik ist voller Brüche und Leerstellen, sie tastet in musikalischen und kulturellen Traditionen, vor allem aus dem mittleren und nahen Osten, nach einem Futurismus im Klang und im Lebensstil. Die Kultur, aus der sie stammt, sagt die Künstlerin, habe für Frauen vor allem die Rolle der Versorgerin vorbehalten, sie muss dafür sorgen, dass es der Familie gut geht, vor allem den Männern. Songs wie "Daddy", "Joseph" und das Titelstück beschäftigen sich in Form von Liebesliedern mit dieser Rollenzuteilung, von der sich Lafawndah mit scharfkantigen musikalischen Geräuschen, perkussivem Klirren, Knirschen und Klopfen zu lösen versucht - ohne dabei Zärtlichkeit und Sinnlichkeit zu verbannen.

Es entstanden sanfte R&B-Balladen, die in einen weiten Raum der Möglichkeiten getragen werden, wo sie durchlüftet, dekonstruiert und rekonfiguriert werden. Das Album wurde ebenfalls im beständigen Transit zwischen Los Angeles, Mexico City, New York, London und Paris erschaffen, das passt zum Nomadischen, Suchenden, Rastlosen dieser Tracks.

Das klingt viel anstrengender, als es ist: Eine schönere Ballade als "Daddy" hat es dieses Jahr noch nicht gegeben, nicht umsonst nennt Lafawndah als Inspirationen neben Grace Jones und Scritti Politti auch die britische Sängerin Sade, mit ihr teilt sie die sehnsüchtige Erotik, ein laszives Entspannungsmoment. Einflüsse von Björk und ihrem Produzenten-Partner Arca hört man in "Oasis" und im Bolero-haft tribalen "Parallel", das zum Ende in einer kuriosen "Star Wars" -Orchestrierung mündet.

Man kann sich den Arthouse-Kinofan Lafawndah vorstellen, wie sie durch die Wüstenei von Tattooine schreitet, erst zu einer Andacht im Freiluft-Tempel, dann zu einem Auftritt in Mos Eisleys Cantina. "Storm Chaser" verschmilzt den klassischen Achtziger-R&B-Sound von Jimmy Jam und Terry Lewis mit Hans Zimmers fernöstlich inspiriertem "Black Rain"-Soundtrack.

"Ancestor Boy", so souverän, emanzipiert und visionär es wirkt, ist dennoch im kollaborativen Prozess entstanden, es entspricht der Philosophie der musikalisch, visuell und performativ ausdrucksstarken Künstlerin, die zuletzt mit der japanischen Avantgarde-Legende Midori Takada an deren EP "Le Renard Bleu" arbeitete. Als Produzenten und Programmierer standen Lafawndah bei ihrem eigenen Album nun DJs und Clubmusik-Experten wie Nick Weiss, Aaron David Ross und L-Vis 1990 zur Seite - man kann auch tanzen zu diesem globalen Soul. (9.0) Andreas Borcholte

Preisabfragezeitpunkt:
06.06.2019, 13:33 Uhr
Ohne Gewähr

ANZEIGE

Ancestor Boy

Label:
!K7 / Indigo
Preis:
EUR 9,79

Beth Gibbons: Henryk Górecki: "Symphony No. 3 (Symphony of Sorrowful Songs)"
(Domino/Goodtogo, ab 29. März)

Die 3. Sinfonie des polnischen Komponisten Henryk Górecki wurde Anfang der Neunzigerjahre zu einem unwahrscheinlichen Erfolg. Sie beginnt mit minimalistischen Streichern, statisch und wellenförmig zugleich, die den Zuhörer dann plötzlich mitreißen. Ein sakraler Raum entsteht, in dem drei Texte aus unterschiedlichen Jahrhunderten sich entfalten. Die Einspielung mit der Sopranistin Dawn Upshaw verkaufte sich über eine Million Mal.

2014 hat die Portishead-Sängerin Beth Gibbons diese "Symphony of Sorrowful Songs" mit dem Polish National Radio Symphony Orchestra live aufgeführt. Gibbons hat eine Alt-Stimme, keinen Sopran. Dass es trotzdem geglückt ist, ist ein kleines Wunder. Dirigiert hat der polnische Komponist Krzysztof Penderecki, der nach Kooperationen mit Aphex Twin und Jonny Greenwood (Radiohead) auch jenseits des Klassik-Universums präsent ist. Man kann davon ausgehen, dass die Symphony No. 3 nun vollends Pop wird.

Andreas Borcholtes Playlist KW 13
SPIEGEL ONLINE

Playlist auf Spotify

1. Scott Walker: Dealer

2. Lafawndah: Daddy

3. Ebow: Butterflies

4. Jenny Lewis: Little White Dove

5. Ex Hex: Want It To Be True

6. Filthy Friends: November Man

7. Orville Peck: Turn To Hate

8. Vampire Weekend: Sunflower (feat. Steve Lacy)

9. Connie Constance: Bloody British Me

10. Marina: Superstar

Das Interessanteste an dieser Musik ist ihr unterschwelliges Irritationspotenzial: Verschiedene Geschwindigkeiten laufen gegeneinander. Schwer zu sagen, ob der erste Satz schnell oder langsam gespielt ist. Und wenn Gibbons' Stimme nach und nach die Spannung löst und sich in die Höhe schraubt, hat das zwar nicht die körperliche Wucht und die Virtuosität, die auf der Aufnahme mit Dawn Upshaw vorgeführt werden, aber den Charme des Nicht-Perfekten. Das Kitschpotenzial des Ganzen lässt sich trotzdem nicht abstreiten. Góreckis Musik klingt auch auf dieser Aufnahme wieder arg schön. Sie handelt vom Zerschlagenen - und lässt sich vom Hörer genießen, ergriffen von der eigenen Ergriffenheit.

Interessant wiederum ist, wie weitreichend der Kontext das Hören mitbestimmen kann. Man hätte es gern anders, aber für die Musik ist es nicht egal, was die Künstler ansonsten tun und lassen. Der Text des zweiten Satzes der Sinfonie ist ein Gebet, das ein Mädchen im September 1944 an die Wand einer Gestapo-Zelle geschrieben hat. Gibbons' Interpretation berührt einen seltsam, denn Portishead unterstützen den BDS, eine Boykottbewegung, die implizit auf die Zerstörung Israels zielt. Nun leben wir in einer Demokratie, und alle können boykottieren, was sie wollen. Ernüchternd aber ist, wie hier ein politischer Konflikt zu einem ästhetischen Problem wird: Die Klage über die Opfer der Nazis wird eingefärbt vom Wissen um die Unterstützung einer antisemitischen Kampagne gegen den Zufluchtsort der Juden. Hörer, denen dieser Punkt egal ist, können mit dieser Aufnahme bestimmt einige Epiphanien erleben. (7.0) Benjamin Moldenhauer

Preisabfragezeitpunkt:
06.06.2019, 13:33 Uhr
Ohne Gewähr

ANZEIGE

Henryk Górecki: Sinfonie 3 (Jewel Case CD)

Label:
Domino Records (Goodtogo)
Preis:
EUR 8,50

Jenny Lewis - "On The Line"
(Warner Bros., seit 22. März)

Es gibt sie noch, die klassischen Troubadour-Alben, die nach warmen, sonnendunstigen Studios in Kalifornien klingen und nach den Partyresten der vergangenen Nacht schmecken und riechen: ein bisschen sauer, ein bisschen schal, aber voller süßer Erinnerungen an Lachen und Lust. In so einem Studio, stellt man sich vor, saß Jenny Lewis an jenem Piano, an dem Carole King einst die Songs für "Tapestry" spielte. Gleich der erste Track ihres vierten - und besten - Solo-Albums, "Heads Will Roll", klingt wie eine moderne, schwer verkaterte Neufassung von Carly Simons "You're so Vain". Und um die Aufnahme ins Pantheon weiblicher Rock und Pop-Heldinnen komplett zu machen, bezeichnete das US-Magazin Pitchfork die 1976 geborene Lewis unlängst als "skeptische Stevie Nicks für Millennials".

Tatsächlich hat man lange kein so klassisches Songwriter-Album gehört. Die frühere Hollywood-Kinderschauspielerin und Sängerin der Indie-Popband Rilo Kiley ist bestens vernetzt in der Rock-Szene, an die Drums setzten sich Ringo Starr und Jim Keltner (u.a. "Imagine"), Orgel und Keyboards bediente Ex-Heartbreaker Benmont Tench, den Bass spielte Don Was, bei der Produktion (und an der Gitarre) halfen Ryan Adams (vor seinem Skandal) und Beck. Viele Spezialisten für diesen weichen, luxuriösen Whisky-, Lederpolster- und Tresenholz-Sound also.

Abgehört im Radio
Mittwochs um 23 Uhr gibt es beim Hamburger Web-Radio ByteFM ein Abgehört-Mixtape mit vielen Songs aus den besprochenen Platten und Highlights aus der persönlichen Playlist von Andreas Borcholte.

Doch sie alle sind nur kompetente Gehilfen, um die Geschichten von Jenny Lewis zu illustrieren, die mit sarkastischer Detailfülle von ihrer nach über zehn Jahren gescheiterten Beziehung zu Musiker Johnathan Rice erzählen ("Heads Will Roll", "Dogwood", "Party Clown") oder sich, wie schon auf "Voyager", ihrem letzten Album, noch einmal tief in ihre Kindheit mit einer drogensüchtigen Mutter wühlen, die vor wenigen Jahren starb ("Wasted Youth"). "I'm the heroine", singt sie doppeldeutig in "Little White Dove", dem Höhepunkt der zweiten Albumhälfte über einen Besuch am elterlichen Krankenbett, an dem sie Stärke zeigen muss, aber zugleich auch viel Sucht bedienen muss, vor allem nach Liebe.

Es sind lebenstrunkene, mit trockenem Humor um Haltung kämpfende Texte, die sich in zupackende Hooks und Refrains fallen lassen, darunter straighte Rocksongs wie "Red Bull & Hennessy" und Lennon-hafte Balladen wie "Taffy", die auf Piano und Streichern durch ihre Melancholie schlendern. Es gibt Marlboros und Candy Crush in diesen Songs, Jeff Goldblum und Meryl Streep kommen vor, die Beatles und die Stones, ein narkoleptischer Poet aus Duluth und ein Mädchen von der Eastside namens Caroline, das in "On The Line" über süßestem Bangles-Pop mit Hass beflötet wird. "Listen to my heart" beating", singt Jenny Lewis in ihrem Titelstück. Nichts lieber als das. (8.5) Andreas Borcholte

Preisabfragezeitpunkt:
06.06.2019, 13:22 Uhr
Ohne Gewähr

ANZEIGE

On the Line

Label:
Warner Bros. Records (Warner)
Preis:
EUR 8,50

Ex Hex - "It's Real"
(Merge/Cargo, seit 22. März)

Es gibt kein Paralleluniversum, in dem das schwedische Popduo Roxette beim US-Indielabel Merge unterschrieben hätte. Oder doch? Im Jahr 1989, als Merge gerade von einem (romantisch verbändelten) Musikerpärchen gegründet worden war, das später Bands wie Arcade Fire und Neutral Milk Hotel entdecken sollte, gelang dem (rein platonischen) Musikerpärchen Roxette mit der Single "The Look" ein Hit in beinahe allen Ländern des globalen Nordens. Und heute, 30 Jahre danach, bringt die größte noch verbliebene Gitarrenband im Merge-Programm ein Album heraus, das dem universell erfolgreichen, aber doch hochspezifischen Sound des Roxette-Komponisten Per Gessle ein Denkmal zu setzen scheint.

Das könnte kosmische Fügung sein oder überhaupt nichts bedeuten. Ex Hex jedenfalls sind diese Band, sie stammen aus Washington, D.C., und auf ihrer zweiten Platte "It's Real" klingen die Gitarren vor allem nach ihrer eigenen Plastikverkleidung. Das ist nicht der einzige Roxette-Trick der Songwriterin Mary Timony: Kein Weg zum Refrain ist kurz genug für ihre Songs, kein Riff zu verbraucht, kein Textbaustein zu abgenutzt für ihre Geschichten über Menschen auf der Suche nach Liebe und Ärger. "It's Real" ist ein dermaßen geradliniges, noch dazu sauber aufgenommenes Album, dass man sich fragen möchte, wen Ex Hex damit eigentlich verscheißern wollen.

Niemanden, glücklicherweise. Nach harten Jahrzehnten in kurzlebigen oder zu kurz gekommenen Projekten wie Autoclave, Helium und Wild Flag ist es vielmehr so, dass Timony doch noch ihre Paraderolle gefunden hat. Mit Ex Hex wird sie zum Captain Obvious des Rock'n'Roll - und schüttelt ihre Hits so mühelos vom Baum, wie es seit den besten Tagen der Ramones nur noch wenigen Bands gelungen ist.

Dass "It's Real" dann gerade nicht mit hingeschluderter Rumpelproduktion ankommt, mag zunächst irritieren, entpuppt sich jedoch als größter Clou von Ex Hex. Die Welt weiß jetzt, wie eine Indie-Version von Roxette klingen könnte. Wer das gar nicht wissen wollte, erwartet eindeutig zu wenig vom Leben und seiner Rockmusik. (7.6) Daniel Gerhardt

Preisabfragezeitpunkt:
06.06.2019, 13:41 Uhr
Ohne Gewähr

ANZEIGE

It'S Real

Label:
Merge / Cargo
Preis:
EUR 9,49

Wertung: Von "0" (absolutes Desaster) bis "10" (absoluter Klassiker)

Mehr zum Thema
Newsletter
Abgehört: Die wichtigste Musik der Woche


insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
freddykruger 26.03.2019
1. Es geht doch
Hat A. Borcholte es satt mit unserer meckerei (lach)? Mit Beth Gibbons und Jenny Lewis werden zwei Alben vorgestellt die es wert sind, sich intensiver damit zu beschäftigen. Ist doch auch was.
popeypope 26.03.2019
2. #1 Lafawndah
#1 Lafawndah. Nach etwas mehr Beschäftigung mit dem Album (via bandcamp).. aufregend, irritierend, unterschwellig.. das mag für jemanden gelten, der schon so gut wie alles gehört hat... Alles in allem wirkt das etwas aufgesetzt tribalistische, aber dennoch sparsam Gehaltene in ihrer Musik bisweilen arg bemüht und von einer völlig unnötigen Ernsthaftigkeit durchzogen, wie es bei Produktionen, die von Leuten, die Kunst und/oder Musik studiert haben, eben so gemacht wird. Daß ganze nun als "sanfte R&B Balladen" zu bezeichnen, erscheint mir weit hergeholt. Wie man bei "Storm Chaser" auf Jimmy Jam und Terry Lewis kommt, weiß wohl auch nur der Autor. Bei der Gelegenheit hab ich gleich mal überprüft, ob mich nur die Erinnerung täuscht.. oder.. aber es stimmt: Jam/Lewis haben in etlichen Spät-80er und 90er R&B-Produktionen ihre Hände im Spiel gehabt, nicht nur bei Janet und Michael Jackson und der SOS Band, sondern u.a. auch bei Pia Zadora, New Edition, Boyz II Men und und und. Evtl wäre eine Liste kürzer, wo sie nicht dran beteiligt waren. Aber, da wir schon beim Referenzen droppen sind: Ich höre neben dem typisch björkischen Erscheinungsbild u.a. auch Laurie Anderson's "Excellent Birds" heraus, manchmal Anklänge an Jon Hassell's "Dream Theory In Malaya"; und die Frisur erinnert mich nicht nur an die B-52's, sondern auch an Caron Wheeler (deren Album "UK Blak" -obwohl es nun nicht gerade überragend, dennoch völlig untergegangen war; siehe Video: "Livin In The Light"). Das Anstrengende in dieser Musik vermag ich eher nach Diamanda Galas verorten.. obwohl das auch schon arg hinkt. Nicht uninteressant, könnte u.U. ein Grower sein, aber eigentlich ist mir das zu anstrengend, das Ganze. 6.0
popeypope 26.03.2019
3. #2- Beth Gibbons, #3 Jenny Lewis, #4
#2 Beth Gibbons: Ehrlich.. mich interessiert das überhaupt nicht. Klassische Musik nervt mich nur. Weil ich ein Ignorant bin, gebe ich mal 2.0. #3 Jenny Lewis: Erst hatte ich Jerry Lewis gelesen. Keine Ahnung, wen so was noch interessiert. Klingt zwar anständig rustikal.. am Ende ist es doch nur die seit gefühlt Jahrtausenden wiederkehrende gleiche mittelmäßig aufmüpfige Rock-Musik, die schon in den 80ern angesichts der Konkurrenz aus dem Post-Punk/Wave-Sektor ranzig gerochen hat bzw wie gesetzte Altherrenmusik herüber kam. Also, ich brauch das null. 3.0 #4 Ex Hex: Roxette hab ich nie gemocht. Und das hier ist doch auch nur absolut Retro, und zeugt allenfalls davon, wie wenig eigentlich in der Rockmusik noch passiert - oder vielleicht auch gar nicht mehr möglich ist. Ich frag mich echt, wer das eigentlich kaufen soll. Oder ist es auch nur "The Great Roxette'n'Roll Swindle"? 2.5
popeypope 26.03.2019
4.
Nun, es wurde ja immer mal wieder nach Reviews von vergangenen Alben verlangt. Da keiner der Forumsteilnehmer sich daran versuchen mag, tu ich es mal. Mimi - Soak (Luaka Bop, 1998) Wieso grad dies? Weil ich mich aus irgendeinem Grund (Lafawndah) daran erinnert fühlte. Produziert von David Byrne. Auch hier haben wir gelegentlich ein wenig björkisches, dies immer wieder auftauchende ein-wenig-over-the-top-Sein, während die Musik meist eher verhalten im Hintergrund agiert.. "Soak" ist im Grunde eine Art verkapptes Rock-Album, oder R&B -Album, oder Ambient-Album oder Drum'n'Bass-Album, die ganz klare Linie gibt es nicht. Und dann passiert auch schon mal das komplette Gegenteil, von dem, was man erwarten würde: "Black Hole Sun" (Soundgarden) mutiert zu einem ambient beunruhigendem Track, dem man eine Rock-Verwandtheit bestenfalls noch über ein paar verzerrte Gitarren anhören mag. Mit fortlaufender Abspieldauer treten übertriebende Gesten sowieso ab in eine empfindsamere Gefühlswelt, so daß sich die DnB- Beats (möglicherweise eh nur als modisches Accessoire gedacht) am Anfang (und auch mittendrin) fast wie ein Fremdkörper ausnehmen. Erster Höhepunkt ist "Clues Of You", das ein wenig an Minnie Riperton's "Lovin You" zu reminiszieren scheint. Mimi Goese singt schön und verhalten -das im Vorhinein björkisch gedachte wirkt im Nachhinein wie eine völlig falsche Fährte. Und am Ende heißt es "Time To Go Home Now" im CD-Bonus-Track. Sehr schön. Alles in allem ist mir das Album aber zu eklektizistisch, hat hier und da zuviel etwas schräge Rock-Elemente, die den ambienten, zaghaften Stücken als gegenüberliegend keinen allzu großen Gefallen getan haben. Schon ein wenig schade. 6.5
freddykruger 26.03.2019
5. @popeypope
Ganz so unrecht hast du nicht. In der Rockmusik ist alles gesagt was gesagt worden ist. Viel inovatives ist wohl nicht mehr zu erwarten. Ist doch klar das wenn man keinen Bezug zur Klassik hat, einen Beth Gibbons nicht gefält. Ich beschäftige mich seit ein paar Jahren mit Klasik. Einiges (Grieg, einige russische Komponisten) gefällt mir sehr gut, einiges nervt. Bin aber in Sachen Klassik auch nur ein Laie.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.