Als Transsexuelle aus Ost-Berlin Neil Patrick Harris sorgt für Broadway-Rekord

Neun Staffeln lang war Neil Patrick Harris der Schwerenöter in der Sitcom "How I Met Your Mother". Inzwischen tanzt und singt er am New Yorker Broadway - und bricht in seiner Rolle als transsexuelle Rockerin aus Ost-Berlin Rekorde.

AP

New York - Goldene Plateau-Heels, eine blonde Lockenpracht, knallroter Lippenstift, ein zerfranster Jeans-Minirock: Es ist nur eines der Kostüme, in die Schauspieler Neil Patrick Harris schlüpft, wenn er für das Musical "Hedwig and the Angry Inch" auf die Bühne geht. Ein anderes Mal trägt er nur mit Nieten besetzte Turnschuhe und eine knappe Leder-Hotpants.

Harris ist der Star des Rock-Musicals, das seit Ende April am New Yorker Broadway aufgeführt wird. Er spielt die Transsexuelle Hedwig, die als Hansel in Ost-Berlin geboren wurde, sich einer eher wenig erfolgreichen Geschlechtsoperation unterzieht und in den USA zur gefeierten Rocksängerin wird.

Nun mag es daran liegen, dass Harris die Rolle wunderbar ausfüllt - sein Talent zum Singen und Tanzen hat er bereits mehrfach unter Beweis gestellt, unter anderem als Moderator der Tony- und Emmy-Awards sowie als Darsteller im Musical "Company". Vielleicht liegt es aber auch schlicht an seiner Bekanntheit, schließlich übernahm Harris neun Staffeln lang eine der Hauptrollen in der erfolgreichen Sitcom "How I Met Your Mother".

Nun steht offiziell fest: Das Musical feiert einen Rekord. 993.474 US-Dollar habe "Hedwig and the Angry Inch" eingenommen, berichtet die "New York Times" (NYT). Im Vergleich zur Vorwoche habe es ein Plus von 30 Prozent gegeben - und damit einen Kassenrekord am Belasco Theater, wo das Musical aufgeführt wird. Auch die Kritiker haben die Produktion wohlwollend im Blick, "Hedwig and the Angry Inch" wurde vergangene Woche für insgesamt acht Tony-Awards nominiert, darunter einen für Hauptdarsteller Harris. Die NYT bescheinigt dem Schauspieler: "Das ist ein echter Broadway-Star, jemand, der das Publikum nur mit dem Schlag eines paillettenbesetzten Augenlids beherrscht."

Stars aus TV und Kino am Broadway

Die Tony-Awards, die Oscars der Musical-Branche, werden am 8. Juni zum 68. Mal vergeben, moderiert wird die Veranstaltung von Hugh Jackman. Und die Nominierungen haben nicht nur bei der Harris-Produktion für Mehreinnahmen an den Ticketkassen gesorgt.

"A Gentleman's Guide to Love and Murder" ist mit zehn Tony-Nominierungen Spitzenreiter - und setzte in der vergangenen Woche 580.279 Dollar um, das waren 23 Prozent mehr als noch in der Vorwoche. Das Musical "After Midnight" durfte sich über sieben Nominierungen freuen - und über Ticketerlöse in Höhe von 523.053 Dollar, ein Plus von 35.000 Dollar. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche am Broadway 29,2 Millionen Dollar umgesetzt. Im Vorjahreszeitraum war es mit 24,6 Millionen Dollar noch deutlich weniger gewesen.

Neil Patrick Harris ist übrigens nicht der einzige TV- oder Film-Star, der derzeit am Broadway zu sehen ist. Bryan Cranston ("Breaking Bad"), Daniel Radcliffe ("Harry Potter"), Michelle Williams ("My Week with Marilyn") oder Denzel Washington ("The Book of Eli") gehören ebenfalls dazu. Eine Übersicht gibt's in unserer Bildergalerie, klicken Sie sich durch.

aar/AP

insgesamt 4 Beiträge
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christian simons 06.05.2014
1.
Zitat von sysopAPNeun Staffeln lang war Neil Patrick Harris der Schwerenöter in der Sitcom "How I Met Your Mother". Inzwischen tanzt und singt er am New Yorker Broadway - und bricht in seiner Rolle als transsexuelle Rockerin aus Ost-Berlin Rekorde. http://www.spiegel.de/kultur/musik/new-york-broadway-neil-patrick-harris-musical-fuer-tony-nominiert-a-967740.html
Passend dazu ist hier noch einmal NPHs legendäre Eröffnungsnummer der Tony-Awards 2011 ("Come in and be inspired, there's no sodomy required.") https://www.youtube.com/watch?v=-6S5caRGpK4
el_jefe 06.05.2014
2. Kein Broadway-Rekord...
... sondern ein Theater-Rekord. The Book of Mormon z.B. nimmt regelmäßig mehr ein.
VolkerBausch 06.05.2014
3. Bona fide
Netter Artikel, danke! Ich würde "bona fide" allerdings nicht als "gutgläubig", sondern als "echt, wahrhaftig, oder authentisch" übersetzen.
ike2 06.05.2014
4. Bona fide 2
Das Musical ist wirklich herrlich anzuschauen und Harris großartig in der Rolle. Aber was den Artikel angeht: Ließt denn bei SPON niemand Korrektur und hat der Autor hier ungeprüft mit Google translate übersetzt? VolkerBausch hat absolut recht. Die NYT schrieb: "That's a bona fide Broadway star, the kind who can rule an audience with the blink of a sequined eyelid." Natürlich meint bona fide hier nicht gutgläubig.
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