Nobelpreisträger lobt Eminem Poetisch wie John Lennon

Aus dem Mund von Eminem strömt verbale Energie - behauptet zumindest der irische Literaturnobelpreisträger Seamus Heaney. Der erfolgreiche US-Rapper stehe lyrisch auf einer Stufe mit John Lennon und Bob Dylan.


Eminem als Ghetto-Kid Jimmy Smith Jr. im HipHop-Film "8 Mile"
DDP

Eminem als Ghetto-Kid Jimmy Smith Jr. im HipHop-Film "8 Mile"

London - "Hi Kids! Do you like violence" - Mögt ihr Gewalt? Der US-Rapper Eminem, derzeit weltweit erfolgreichster HipHop-Künstler, brachte nicht nur Moralapostel und Elternverbände, sondern mit Macho-Texten und Chauvisprüchen auch Frauen- und Schwulengruppen auf die Barrikaden. "Ich weiß nicht, welches Spice Girl ich zu erst schwängern soll", sang er unter anderem und davon, wie er seine Ex-Frau Kim Mathers brutal ermordet.

Jetzt erhielt der Skandalmusiker allerdings unerwartetes Lob für seine lyrischen Ausfälle, dazu noch von einem der bekanntesten Poeten des angelsächsischen Sprachraums. Seamus Heaney, 64, ehemaliger Professor für Lyrik an der Oxford University und Träger des Literaturnobelpreises (1995), hielt am Montag im englischen Norwich eine Rede zur Eröffnung der Summer School des Prince of Wales. Dabei wurde er von einem Journalisten gefragt, ob es seiner Ansicht nach in der heutigen Popkultur eine Figur gibt, die in ihrem Interesse für Poesie den Legenden Bob Dylan und John Lennon das Wasser reichen kann.

"Da ist dieser Kerl, Eminem", antwortete Heaney überraschend. "Er hat eine ganze Generation unter Strom gesetzt." Nicht nur die subversive Anti-Haltung des Rappers würde ihn faszinieren, sondern auch die verbale Energie, die er aussende.

Der 30-jährige Eminem, Ziehsohn von Rap-Altstar Dr. Dre, begann seine Musikerkarriere schon im Alter von 14. Sein endgültiger Durchbruch gelang ihm mit der "Slim Shady LP" 1999.

In den vergangenen zwölf Monaten eroberte Eminem, der eigentlich Marshall Mathers III heißt, die Kino- und Album-Charts der gesamten westlichen Welt und gewann mehrfach die wichtigsten Musikpreise. Für den Titelsong "Lose Yourself" zu dem HipHop-Drama "8 Mile" heimste er im März sogar einen Oscar ein. Der Rapper spielt in dem Film, dessen Handlung stark an seine eigene, von Armut im Detroiter Ghetto gezeichnete Lebensgeschichte angelehnt ist, selbst die Hauptrolle.



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