Nordkorea Mozart statt Militärmusik

Tagaus, tagein wird die nordkoreanische Bevölkerung mit scheppernder Marschmusik beschallt - vermutlich zur politischen Erbauung. Jetzt machte die Regierung eine sensationelle Ausnahme: Die Musiker stimmten sanfte Mozartklänge an.


Seoul - Im nordkoreanischen Pjöngjang konnte die Bevölkerung in dieser Woche einem besonderen Kunstgenuss beiwohnen: Ausnahmsweise wurde die ständige Beschallung mit kommunistischen Revolutionsmärschen durch klassische Musik unterbrochen. Bei einem Konzert stimmten die Staatsmusiker Mozart an. Unter anderem sei die Ouvertüre aus "Die Hochzeit des Figaro" gespielt worden, teilte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA mit.

Nordkoreanischer Führer Kim Jong-il: Hält sich für ein musikalisches Wunderkind und liebt Mozart
REUTERS

Nordkoreanischer Führer Kim Jong-il: Hält sich für ein musikalisches Wunderkind und liebt Mozart

Die Regierung habe sich aus Anlass des 250. Geburtstags von Wolfgang Amadeus Mozart zu diesem außergewöhnlichen Schritt entschlossen. Normalerweise beinhalten Konzerte in Nordkorea Titel wie "Lasst uns unseren obersten Kommandeur mit Waffen unterstützen" und "Lied der Küstenartillerie". Musik aus dem Westen wird als staatsfeindlich betrachtet. Auf den Besitz von Aufnahmen steht Gefängnis.

Über die Beweggründe für die ungewöhnlich melodiöse Ausnahme kann man nur spekulieren. So könnte Staatschef Kim Jong-iI seine Entscheidung für Mozart wegen persönlicher Verbindungen gemacht haben: Der offiziellen Biografie zufolge ist Jong-il ein musikalisches Wunderkind - genau wie der österreichische Komponist. Im zarten Alter von zehn Jahren soll Kim das Stück "Die Umarmung meines Mutterlands" verfasst haben. Wolferl, wie Mozart als Kind oft genannt wurde, soll sein erstes Werk bekanntlich schon mit fünf Jahren komponiert haben.

hoc/ Reuters



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