Wiggers wundersame Welt Irgendwann Orang-Utan

Pop ist unfair. Viele moderne Klassiker verdanken wir genialischen Vorläufern, die kaum noch einer kennt. Für eine kleine Serie taucht Jan Wigger ab in diese wundersame Welt der Vergessenen und entreißt ihr obskure oder rare Meisterwerke. Dieses Mal: Paul Williams' "Someday Man".

Corbis

Auf gar keinen Fall sah Paul Hamilton Williams, Jr. aus wie ein Star (eher wie das genaue Gegenteil), und folglich redete er auch nicht wie einer: "I don't want to be a star. I don't care if anybody knows who I am. It's just not in my bones."

Als Teil einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wurde die mit Roger Nichols (der gemeinsam mit Williams nicht nur Three Dog Night belieferte, sondern auch "Rainy Days and Mondays" und "We've Only Just Begun" für die Carpenters schrieb) aufgenommene LP "Someday Man" weder vom damaligen Label Reprise beworben, noch von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Dabei konnten es wundervoll komponierte und arrangierte Stücke wie "So Many People" ("So busy judging the heads that they're turning / So busy fighting, there's no time for learning / Turning their backs on the people they might like to know"), "Trust" und "Roan Pony" mit den Größten der Großen aufnehmen.

"When I write honestly about what I feel, and other people respond to it, I'm not alone." Und Williams war nicht allein: David Bowie, R.E.M. und der Knallkopf Tiny Tim coverten seine Songs, während Paul als Schauspieler in Brian de Palmas "Phantom of the Paradise", "Smokey and the Bandit" oder "Battle for the Planet of the Apes" (wo der stille Amerikaner einen genialischen Orang-Utan spielte) reüssierte. Heute wissen wir um die Wichtigkeit von Paul Williams' schönster Platte, die man damals nolens volens in der Sunshine-Pop-Schublade platzierte. Zuletzt gruben ihn Daft Punk für "Random Access Memories" wieder aus. Mögen sie damit glücklich werden. (8.6)

Wertung: Von "0" (absolutes Desaster) bis "10" (absoluter Klassiker)

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
josh67 15.08.2013
1.
Zitat von sysopCorbisPop ist unfair. Viele moderne Klassiker verdanken wir genialischen Vorläufern, die kaum noch einer kennt. Für eine kleine Serie taucht Jan Wigger ab in diese wundersame Welt der Vergessenen und entreißt ihr obskure oder rare Meisterwerke. Dieses Mal: "Paul Williams". http://www.spiegel.de/kultur/musik/obskures-aus-der-musikgeschichte-paul-williams-someday-man-a-912934.html
Was ist genialisch?
grashalm 15.08.2013
2. von ihnen zu uns,
Zitat von josh67Was ist genialisch?
von uns zu euch, von dir zu ihnen, von ihnen zu euch, von euch zu mir
roman87 18.08.2013
3. tatsächlich...
eine fantastische Platte. Hab mich spontan durch den Text von Herrn Wigger zum Kauf überreden lassen und ich muss sagen: er hat's drauf.
ColonelCurt 20.08.2013
4. Verstehe das Prinzip hier nicht
Welche modernen Klassiker verdanken wir jetzt diesem genialischen Vorläufer? Ich finde, der ganze Text ist zu tiefenscharf, nur skizzenhaft angedeutet, ein Fünftel besteht dann auch aus Zitaten. Eine solche pophistorische Thematik hätte es verdient, sorgfältiger ausgearbeitet zu werden, wenn man dafür schon den Raum erhält.
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