Operndirigent verlängert Vertrag nicht Kent Nagano wird München verlassen

Die Münchner Kulturszene kommt nicht zur Ruhe: Nach den Philharmonikern verliert nun auch die Bayerische Staatsoper einen führenden Dirigenten. Kent Nagano kündigt an, seinen Vertrag als Generalmusikdirektor nicht zu verlängern. Es wird über einen Machtkampf mit dem Intendanten spekuliert.
Will "kulturpolitische Spekulationen verhindern": Generalmusikdirektor Kent Nagano

Will "kulturpolitische Spekulationen verhindern": Generalmusikdirektor Kent Nagano

Foto: Peter Litvai/ dpa

Kent Nagano

München/Hamburg - Der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, , will nicht mehr in München bleiben. Er stehe für eine Vertragsverlängerung über den Sommer 2013 hinaus nicht zur Verfügung, schrieb der Amerikaner in einem Brief, den seine Agentur am Dienstag veröffentlichte. "Angesichts der kulturpolitischen Entwicklungen der letzten Monate in München - am Staatstheater am Gärtnerplatz und bei den Münchner Philharmonikern - und deren Folgen habe ich mich entschlossen, für eine Vertragsverlängerung als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper nach dem Sommer 2013 nicht mehr zur Verfügung zu stehen", heißt es darin.

In der vergangenen Woche hatte es Spekulationen gegeben, Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) wolle Naganos Vertrag nicht verlängern. Der 58-jährige Dirigent erklärte nun, mit seiner Entscheidung wolle er "kulturpolitische Spekulationen und Spannungen" verhindern, "die letztlich allen Beteiligten Schaden zufügen und der noblen, einmaligen Tradition der Bayerischen Staatsoper, dem Ruf Münchens und seiner Gesellschaft nicht gerecht werden". Eine Personaldiskussion könne zu "hausinternen Spannungen und Verwerfungen" führen.

Die Staatsoper wollte sich nicht zu Naganos Entscheidung äußern. "Es gibt von unserer Seite dazu erst mal nichts zu sagen", sagte eine Sprecherin. Erst wenn Vertragsverhandlungen aufgenommen würden, wolle sich das Haus an die Öffentlichkeit wenden. Heubisch hatte angekündigt, im Herbst eine Entscheidung über die zukünftige musikalische Leitung der Staatsoper fällen zu wollen. Die Verhandlungen müssen jetzt ohne Nagano stattfinden.

Hintergrund der Entscheidung Naganos ist offenbar ein Zerwürfnis mit dem Intendanten der Staatsoper, Nikolaus Bachler. Nagano war noch vom früheren Kunstminister Hans Zehetmair (CSU) zusammen mit dem früheren Intendanten der Dresdner Semperoper, Christoph Albrecht, an die Staatsoper geholt worden. Albrechts Vertrag wurde dann von Zehetmairs Nachfolger Thomas Goppel (CSU) wieder rückgängig gemacht. Goppel verpflichtete Bachler, damals noch Chef des Wiener Burgtheaters.

Opernexperten sehen bei Kent Nagano und Nikolaus Bachler nahezu unvereinbare inhaltliche Differenzen. Während Nagano für eine "glamourfreie und streng auf Inhalte gerichtete Seriosität" stehe, trete Bachler auf "wie ein Magier, der rätselhafte Ingredienzen zusammenschüttet, immer in der Erwartung einer großen und beeindruckenden Show", analysierte die "Süddeutsche Zeitung". Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" bemängelte hingegen bei Nagano "die Schmalheit seines Repertoires", "bei Mozart, Verdi, Strauss, Wagner (kurzum: großer Oper)" habe er Defizite. Bachler wiederum habe "Charisma, Elan, Ehrgeiz, Ideen, Handwerk, und er beherrscht die Kunst, sich Feinde zu machen."

Die Personalie Nagano ist nicht die erste, die in jüngster Zeit für Aufregung in der Münchner Kulturszene sorgt. Der Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Ulrich Peters, äußerte harsche Kritik an Heubisch, nachdem der Minister ihm mitgeteilt hatte, sein Vertrag werde nicht verlängert.

Diese Entscheidung Heubischs führte damals auch zu einem handfesten Streit zwischen Kunstministerium und Staatskanzlei und den Koalitionspartnern FDP und CSU. Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) sah bei der Entscheidung die CSU übergangen. Im Falle Naganos wollte sich die Staatskanzlei auf Anfrage nicht zu der Personalfrage äußern. Es gelte das Ressortprinzip, das Kunstministerium sei zuständig.

Vor Stardirigent Nagano entschied im vergangenen Sommer bereits der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann, nach Querelen um seine Vertragsverlängerung, seinen Hut zu nehmen. Thielemann wechselt nun 2012 an die Sächsische Staatskapelle nach Dresden. Mit Lorin Maazel fand die Stadt München einen prominenten Nachfolger.

feb/dpa/ddp
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