Patentiert Elise, linksherum

Spitzer, Dosenöffner, spezielle Füller und Uhren für Linkshänder gibt es schon lange. Doch die besonderen Bedürfnisse von linkshändigen Musikern wurden bisher eher vernachlässigt. Ein Pianist aus Trier macht diesem Notstand nun ein Ende.

Von Marcus Stölb


Die Notenhälse stehen auf dem Kopf: Losós Notation "Für Elise"
Marcus Stölb

Die Notenhälse stehen auf dem Kopf: Losós Notation "Für Elise"

Trier - Schwarzlackierter Klangkörper, kupferfarbene Innereien. Die Tasten blank gewienert, das letzte Staubkörnchen weg gewischt: Géza Losós Konzertflügel steht an der Wand seines Arbeitszimmers und scheint nur darauf zu warten, gespielt zu werden. Mit links, und dass nicht nur im sprichwörtlichen Sinne, handelt es sich bei dem Flügel um den weltweit ersten speziell für Linkshänder. Und jetzt hat der Musiker auch noch die passende Notation entwickelt.

Losó treibt eine nicht ganz uneigennützige Mission um. Obwohl der am Budapester Bela-Bartók-Konservatorium ausgebildete Pianist mit seinem Spiel Erfolge feierte, war er nie wirklich zufrieden mit sich. "Ich musste immer wieder feststellen, dass ich musikalisch nicht das ausdrücken konnte, was ich wirklich empfand", erzählt er. Woher die fehlende Perfektion rührte, war ihm lange unklar.

Inzwischen glaubt Losó zu wissen, woran es lag: "Meine linke Hand konnte beim Klavierspiel nicht voll zum Einsatz kommen." Schlecht für einen Linkshänder, ist doch die jeweils führende Hand laut Losó Bruchteile von Sekunden schneller als die andere. "Die linke Hand reagiert bei mir, wenn auch unbewusst, schneller", hat er denn auch beobachtet. Und dabei erkannt, dass dies vor allem für das emotionale Spiel wichtig ist.

Also musste ein neuartiges Instrument her: Ein Flügel mit spiegelverkehrter Gussplatte, wo der Bass nun rechts und der Diskant links gespielt wird. Anfangs wollte niemand Losós Traum verwirklichen; zu aufwändig und zu teuer sei ein solches Instrument. Doch dann baute die Leipziger Traditionsfirma Blüthner das Unikum. Gegen einen kleinen Aufpreis.

Ingbert Blüthner-Haesslers Begeisterung scheint sich gleichwohl in Grenzen zu halten. Der Klavierbauer ist selbst Linkshänder, doch den Sinn eines speziellen Flügels bezweifelt er bis heute: "In mir ist nie der Wunsch wach geworden, mir auch einen Linkshänder-Flügel anzuschaffen", sagt Blüthner-Haessler.

 Links-Verkehr: Losó an seinem Flügel
Marcus Stölb

Links-Verkehr: Losó an seinem Flügel

Vielleicht haben Blüthner-Haessler auch nur die richtigen Noten gefehlt, als er das einzigartige Stück testete. Denn auch Losó ist klar, dass das Instrument nur die halbe Miete ist: "Wenn man linkshändig spielt und eine rechte Notation liest, hat man immer noch einen Knoten im Gehirn". Also begann er zu experimentieren und schrieb Beethovens "Für Elise" um. Losó spiegelte die Noten horizontal, dann vertikal; gelesen wurde nun von unten nach oben. Dann vertauschte er Violin- und Bassschlüssel und ließ von hinten nach vorne lesen. Dabei setzte er auf die bei Linkshändern ausgeprägte Fähigkeit, spiegelverkehrt lesen und schreiben zu können.

Doch wirklich glücklich war Linkshänder Losó mit keiner seiner Notationen. Zudem waren die ständigen Spiegelungen doch recht aufwändig. Dann erkannte er, dass das "einfachste meist am besten funktioniert": So vertauschte er nun lediglich die Notenhälse. "Das Linkshändergehirn schaltet durch diese Veränderung einfach um", berichtet der Pianist. Inszwischen hat Losó sich seine Linkshändernotation patentieren lassen.

Der Pianist lässt sich derweil von den Skeptikern nicht beeindrucken. Wenn die meisten Zeitgenossen auch eher zurückhaltend reagieren, so ist der Pianist dennoch davon überzeugt, dass Beethoven, Mozart und Robert Schumann an seinen Ideen ihre Freude gehabt hätten. Die waren nämlich allesamt Linkshänder.



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