McCartney-Konzert in Liverpool Stimme schwächelt, Mythos bebt

Für ein paar Momente den Brexit-Frust vergessen: Paul McCartney begeisterte beim Konzert in seiner Heimat Liverpool - ein Nostalgiefest, auch wenn der Ex-Beatle nicht mehr jeden Ton trifft.

Der Brexit und das Drama um Theresa May scheinen in Liverpool auf einmal ganz weit weg zu sein. In den Pubs gibt es zwei viel wichtigere Themen, da geht es nicht um den Austrittsdeal mit Brüssel oder das Schicksal der Premierministerin. Die Krise? Die spielt in London. Die Menschen am Mersey dagegen, in einer der ärmsten Regionen Großbritanniens, feiern und sind stolz, zumindest für einen Moment. Kann es denn auch irgendwo toller sein? Es ist eine Woche wie gemalt für diese Stadt: Am Dienstag begeisterte der FC Liverpool im ausverkauften Stadion an der Anfield Road. In einem Fußballthriller wurde Neapel besiegt und gerade noch der Einzug ins Achtelfinale der Champions League geschafft.

Einen Abend später lädt Liverpools andere Legende zur nächsten Party: Paul McCartney, der wohl berühmteste lebende Sohn der Stadt, tritt in der natürlich ebenfalls ausverkauften Echo Arena auf. 11.000 Fans des inzwischen 76-jährigen Ex-Beatle konnten sich eine Karte sichern - der Vorverkauf war im Sommer schon nach wenigen Minuten vorbei gewesen. Wütend beschwerten sich damals viele Liverpooler, dass bei Zwischenhändlern wie Viagogo und bei Ebay die Tickets schon kurze Zeit danach für bis zu 600 Pfund angeboten wurden. Vermutlich hätte McCartney eine Woche lang spielen können, und die Arena wäre immer noch ausverkauft gewesen. "Welcome home, Paul", grüßt es auf meterhohen Plakaten in der City.

Die Beatlemania scheint in Liverpool nie aufzuhören, auch wenn mit John Lennon und George Harrison zwei Mitglieder der Fab Four schon lange tot sind und der dritte, Schlagzeuger Ringo Starr, angeblich seit Jahren nicht mehr in der Stadt gesehen wurde. In der City und am angrenzenden Hafen kann man den Beatles kaum entkommen. In nahezu jedem Pub, Restaurant oder Geschäft laufen permanent ihre Hits. Es gibt natürlich auch ein Beatles-Museum und täglich mehrfach die "Magical Mystery Tour", eine Stadtrundfahrt mit dem Bus zu den wichtigsten Orten der Liverpooler Beatles-Geschichte, Stopps an der Penny Lane und den "Strawberry Fields" inklusive. Das Geschäft mit John, Paul, George und Ringo als wichtiger Tourismusfaktor.

Schwächelnde Stimme, dafür mehr Wucht

Zu McCartneys Homecoming-Show sind Fans aus Alabama, Kansas, New York, Australien, Japan und angeblich auch aus Sibirien angereist - so steht es zumindest auf den Bannern, die im Publikum hochgehalten werden, als Sir Paul zusammen mit seiner Band auf die Bühne kommt, die berühmte Höfner-Baßgitarre schon umgehängt. Mit "A Hard Day's Night" stimmt er die Fans auf den Abend ein, und dann geht es volle drei Stunden weiter, ohne Pause.

Bei einigen Songs, darunter "I've Got A Feeling", lässt ihn seine Stimme vor allem in den höheren Lagen inzwischen im Stich, aber das stört in der Halle niemanden. Wie zum Ausgleich für das leichte Schwächeln, interpretiert er viele Stücke deutlich druckvoller als im Original. "Helter Skelter" zum Beispiel schrieb McCartney vor 50 Jahren, weil die Beatles beweisen wollten, dass sie lauter sein können als die damals aufkommende Konkurrenz von den Who. An diesem Abend wird es noch härter gespielt.

Bei "Hey Jude", "Let It Be" oder "Ob-La-Di, Ob-La-Da" singt natürlich fast jeder im Publikum mit. Etwas beleidigt beklagt sich McCartney, dass bei den Beatles-Klassikern alle ihre Handys hochhalten, bei den meisten jüngeren Songs, wie etwa denen von seinem neuen Album "Egypt Station", jedoch kaum gefilmt und aufgenommen wird.

Dennoch bereitet ihm dieses Heimspiel sichtlich Spaß. Und warum auch nicht? Es ist eine Stimmung wie auf einer Familienfeier, wo sich die Angehörigen und Freunde eher selten sehen und sentimental in Erinnerungen schwelgen. McCartney erzählt auf der Bühne gerne ein paar Anekdoten aus der Anfangszeit, als er Lennon kennenlernte. Oder wie gern er vor ein paar Monaten mit dem Comedian James Corden für dessen "Carpool Karaoke"-Reihe durch Liverpool fuhr - und wie schön es dabei für ihn gewesen war, nach Jahren wieder sein Elternhaus in der Forthlin Road betreten zu haben, in dem er aufwuchs.

Im Video: "Carpool Karaoke" mit Paul McCartney

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Erst nach fast 40 Songs ist Schluss, natürlich mit dem Beatles-Klassiker "The End". Als er sich dann verabschiedet, preist auch McCartney Liverpool als "Best City in the World".

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