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12. Mai 2016, 16:58 Uhr

Zum Tode von Peter Behrens

Der traurige Trio-Clown

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Aus Großenkneten in die weite Welt des Rock-'n'-Roll-Ruhms: Peter Behrens wurde mit Trio zum Weltstar, bevor er abgebrannt wieder in der deutschen Provinz landete.

Bei einem TV-Auftritt in der Schweiz stand Peter Behrens mal mit versteinerter Miene hinter seinem Schlagzeug, spielte einhändig und aß dazu einen Apfel. In Dieter Thomas Hecks "Hitparade" jonglierte der Drummer Behrens mal kurz, ebenso unbeeindruckt, mit drei gelben Tennisbällen, während Trio den Hit "Anna - lassmichrein lassmichraus" vor verblüfften Rentnern aufführten.

Es waren Auftritte wie diese, die damals, in den frühen Achtzigerjahren, Eindruck hinterließen und die bis in dieses Jahrtausend im Internet ein gewaltiges Publikum erfreuen. Einerseits, weil Trio, die Band von Stephan Remmler, Kralle Krawinkel und eben Peter Behrens, eine bis dahin unbekannte fröhliche Anarchie in die biedere Deutsche Hitparaden-Realität brachte; andererseits, weil Rock 'n' Roll und Humor in Deutschland noch nie so virtuos, lustvoll und erfolgreich kombiniert worden waren.

Auf den ersten Blick mögen Trio wie drei Provinzler-Statisten aus einem Detlef-Buck-Film gewirkt haben, die planlos, aber bestens gelaunt die Puppen tanzen ließen. Aber das war eben ein Irrtum, denn die Brillanz ihrer Auftritte und ihrer Musik war das Ergebnis präziser Planung und Ausführung.

Eine professionelle Ausbildung zum Lustigsein

Jedes Detail bei Trio war vorab durchchoreografiert worden, von der Kleidung über die Arrangements bis hin zum Apfelessen im Fernsehen. So trat Peter Behrens stets in weißem T-Shirt, weißer Hose, roten Hosenträgern und roten Schuhen auf. Eine "Uniform", die er selber entwickelt hatte, wie er gerne erwähnte. Das versteinerte Gesicht dazu hatte er von seinem Idol Buster Keaton übernommen, dem legendären Stummfilmkomiker, der einem großen Publikum als einer der ersten klarmachte, dass Humor eine Kunst ist. Eine professionelle Ausbildung zum Lustigsein hatte Peter Behrens tatsächlich absolviert. An der renommierten Mailänder Artistenschule wurde er Ende der Siebzigerjahre zum Clown und Pantomimen ausgebildet.

Zur Welt kam Peter Behrens 1947 im niedersächsischen Sanderbusch, als uneheliches Kind eines US-GIs und einer Mutter, die ihn umgehend zur Adoption weggab. Nach der Volksschule versuchte sich Behrens kurz als Fotograf, leistete seinen Wehrdienst mit Klaus Meine von den Scorpions ab, studierte auf Lehramt und tingelte schließlich als Schlagzeuger von Schlager- und Tanzkapellen durch die norddeutsche Provinz.

Eines Tages entdeckte er eine Kleinanzeige von Stephan Remmler und Kralle Krawinkel, die für ein neues Projekt einen Schlagzeuger suchten. Die beiden hatten sich bereits seit Längerem in diversen mäßig erfolgreichen Bands versucht und wollten nun endlich mal in den Charts punkten. Dazu probierten sie allerlei Konzepte aus. Im Oldenburgischen Großenkneten wurde ein Haus angemietet, wo dann irgendwann die Idee für Trio entstand. Alles sollte reduziert sein, die Arrangements, die Texte, die Outfits - und die Zahl Drei spielte eine entscheidende Rolle. Der Dritte in diesem Projekt wurde dann Peter Behrens.

Rock-'n'-Roll-Leben mit allen Klischees

Eine große Plattenfirma fand das einleuchtend, gab ihnen einen Vertrag und den Beatles-Kumpel Klaus Voormann als Produzenten. Das in einem umgebauten Husumer Stall 1981 eingespielte Debütalbum "Trio" war dann tatsächlich der große Wurf, auf den alle gehofft hatten.

Der Minimalisten-Pop schlug sogar unerwartet heftig ein. Die Single "Da Da Da" verkaufte sich mehr als 13 Millionen mal und machte Trio weltweit bekannt. Das coole Trio aus der norddeutschen Provinz spielte danach in New Yorker Klubs und Londoner TV-Shows vor aufgekratztem Publikum. Das Rock-'n'-Roll-Leben mit allen begleitenden Klischees brach über Remmler, Krawinkel und Behrens herein.

Es folgten weitere Hits wie "Anna - lassmichrein lassmichraus" und "Herz ist Trumpf". Aber nach dem dritten Album mit dem vielsagenden Titel "Bye Bye" sorgten, wie so oft in solchen Geschichten, "künstlerische Differenzen" für die große Ernüchterung.

Peter Behrens' Bilanz dieser turbulenten Jahre war ein durchgebrachtes Vermögen, ein Problem mit Alkohol und ein Haufen Steuerschulden. Weil die anderen zwei die Trio-Bestseller verfasst hatten, setzten sie sich mit den stetig fließenden Tantiemen in sonnigere Gefilde zum entspannten Vorruhestand ab. Behrens blieb abgebrannt in der deutschen Provinz und trank weiter.

Ein letzter Trio-Comeback-Versuch scheiterte um die Jahrtausendwende. Vor zwei Jahren starb dann Kralle Krawinkel. Peter Behrens schlug sich mit Gelegenheitsjobs als Clown und Schlagzeuger irgendwie durch. Vor drei Jahren veröffentlichte er seine Memoiren "Der Clown mit der Trommel". Gestern starb Peter Behrens an multiplem Organversagen. Als großer Entertainer und stehender Trommler-Clown wird er in Erinnerung bleiben.

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