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New Order: Die Joy Division macht einen Move

Peter Hook über New Order "Auf der Straße grüßen wir uns nicht mehr"

New Order waren eine der prägenden Bands der Achtzigerjahre, jetzt wird ihr Debüt neu veröffentlicht. Ex-Bassist Peter Hook erinnert sich an große Unsicherheiten, Streit über Synthie-Sounds - und macht ein Friedensangebot.

SPIEGEL ONLINE: Ihre frühere Band New Order ist nicht nur für ihre Musik berühmt, sondern auch dafür, die ersten 15 Jahre lang nicht mit Journalisten gesprochen zu haben. Was hat Sie damals davon abgehalten?

Hook: Wir waren jung und unsicher. Unsere Karriere begann ja in emotional schwierigen Zeiten, nachdem sich unser Freund und Sänger Ian Curtis das Leben genommen hatte und unsere Band Joy Division ein jähes Ende fand. Wir trauerten um Ian und hatten keinen Plan, wie es weitergehen sollte. Und schon gar nicht wollten wir über all das mit Journalisten sprechen. Unser damaliger Manager Rob Gretton sagte: Wenn ihr nicht wollt, dann lasst es eben. Für uns war das himmlisch, eine große Erleichterung, denn so konnten wir uns ausschließlich auf die Musik konzentrieren. Was uns guttat.

Zur Person
Foto: Claire Greenway/ Getty Images

Peter Hook , 1956 als Peter Woodhead in Salford, Großbritannien geboren, gründete 1976 zusammen mit seinem Jugendfreund Bernard Sumner die Wave-Band Joy Division. Nach dem Selbstmord von Sänger Ian Curtis machten die Musiker als New Order weiter - und wurden mit Hits wie "Blue Monday" zu einem der prägenden Pop-Acts der Achtzigerjahre. 1993 löste sich die Band zum ersten Mal auf, 2007 ging "Hooky" endgültig und im Streit. New Order machen seitdem ohne ihn weiter.

SPIEGEL ONLINE: Und Ihrer Plattenfirma war das auch egal?

Hook: Das war ja Factory Records, ein ziemlich cooler Laden. Denen war es unfassbar gleichgültig, ob wir Promo machten oder nicht. Seine eigene Musik zu analysieren, das kann auch ziemlich nervig sein. Aber irgendwann ging uns auf, dass es auch Vorteile hat, in der Presse zu sein. Also begannen wir doch noch, mit Leuten wie Ihnen zu sprechen.

SPIEGEL ONLINE: Insbesondere Sie sind dann oft mit Journalisten aneinandergeraten. Warum eigentlich?

Hook: Weil ich oft verzerrt und falsch dargestellt worden bin, vor allem während und nach meiner Trennung von New Order. In sehr vielen Geschichten werde ich immer als der Böse dargestellt. Es schien manchen Ihrer Kollegen richtig Freude zu bereiten zu beschreiben, was für ein fieser, grimmiger und verbitterter Typ ich wäre. Aber das ist dann doch ein recht schlichtes Bild von mir.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind schon gern grimmig aufgetreten...

Hook: Zugegeben, ich habe früher gern mal zu Journalisten gesagt, dass sie sich zum Teufel scheren sollen. Lange her. Damals war ich jung, jetzt bin ich alt, oder besser: erwachsen. Heute muss man mich schon ganz schön reizen, damit ich so ausflippe wie früher. Ich habe mich oft in Schwierigkeiten gebracht, weil ich einfach nur die Wahrheit gesagt habe.

SPIEGEL ONLINE: Wann hatten Sie zuletzt Ärger mit einem Journalisten?

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New Order: Die Joy Division macht einen Move

Hook: Gestern!

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Hook: (lacht) Das bleibt mein Geheimnis.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das größte Missverständnis über New Order?

Hook: Dass wir uns jemals besonders gut verstanden hätten. Dass Bands eine verschworene Einheit sind, ist ja meistens eine Lüge. Man führt eine Show auf. Bei New Order war es auch eine Lüge, aber letztlich ist das egal. Ich bin jetzt seit 43 Jahren Musiker und habe immer noch Freude an Musik und kann immer noch davon leben. Nur darum geht es.

SPIEGEL ONLINE: Der Anfang von New Order ist dennoch eine große Auferstehung der Pop-Historie: Sie beschlossen, nicht als Joy Division weiterzumachen, nachdem sich Ian Curtis umgebrachte hatte. Stattdessen änderten Sie den Bandnamen, Bernard Sumner, der Gitarrist übernahm den Gesang - und etablierten radikal und erfolgreich einen neuen Sound. Wie kompliziert lief das hinter den Kulissen ab?

Hook: Sehr kompliziert natürlich. Wir haben wieder bei null angefangen. Jeder hat sich mal als Sänger versucht, ich übrigens auch. Mit Bernard klang es allerdings am besten - und Rock mit Elektronik zu verbinden, war schon eine ganz brauchbare Idee von uns.

SPIEGEL ONLINE: Einfach aufzuhören war nie ein Thema?

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Hook: Klar war das ein Thema, sehr lange sogar. Immer wieder sagte einer von uns: Das ist alles zu viel! Das ist zu anstrengend! Aber dann ging es doch immer weiter. Dennoch war der Anfang hart. Wir waren eine wirklich ängstliche Band, was bizarr war, weil wir als Joy Division vor Selbstvertrauen nur so strotzten. Damals wussten wir, dass die Musik gut ist, bei New Order waren wir davon lange nicht so überzeugt.

SPIEGEL ONLINE: Spätestens nach Ihrem Erfolg mit dem Hit "Blue Monday", der meistverkauften Maxi-Single aller Zeiten, hatte sich das erledigt, oder?

Hook: Ja, sollte man meinen, war aber nicht so. Wir fanden "Blue Monday" nie so toll wie der Rest der Welt und waren total verblüfft von dem Erfolg. Ich mag das Stück bis heute nicht besonders. Die Liste unserer Songs, die ich bevorzuge, ist lang.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie bewusst versucht, den Joy-Division-Sound hinter sich zu lassen?

Hook: Nein, das war eine längere Entwicklung. Unsere erste New-Order-Platte "Movement" klingt noch sehr nach Joy Division. Es ist ein Dokument des Übergangs. Das erste richtige New-Order-Album war "Power Corruption and Lies", unsere zweite Platte. Die Synthesizer brachten uns letztlich unseren eigenen Sound, ich war davon allerdings nur so mittel begeistert.

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SPIEGEL ONLINE: Warum?

Hook: Weil die ganze Elektronik das Zusammenspiel der Band letztlich zerstört hat. Bernard und Stephen Morris liebten das Zeug, ich hasste es!

SPIEGEL ONLINE: Begann damals Ihr Zerwürfnis?

Hook: Wir haben es sehr lange miteinander ausgehalten, ich und New Order. Aber irgendwann nutzen sich die meisten Beziehungen ab. Das ist mit Männern und Frauen doch ganz ähnlich.

SPIEGEL ONLINE: 2007 haben Sie die Band verlassen. Wann haben Sie zuletzt mit Bernard Sumner gesprochen?

Hook: Puh, da muss ich nachdenken: Vor acht Jahren! Auf der Straße würden wir uns nicht mehr grüßen. Wir mögen uns einfach nicht mehr, was ich sehr bedaure, weil wir wirklich tolle Musik miteinander geschaffen haben. Traurige Geschichte.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben viele Ihrer persönlichen Erinnerungsstücke aus Joy-Division- und New-Order-Zeiten versteigern lassen. Was haben Sie behalten?

Hook: Nichts! Ich will die Vergangenheit und den Schmerz aus meinem Leben haben. Was soll ich mit dem Klimbim? Andere freuen sich darüber. Nach dem Gerichtsprozess zwischen New Order und mir betrachte ich dieses Kapitel als abgeschlossen. Was soll ich da noch mit alten Gitarren? Weg damit! Für mich zählt nur die Musik, und die wird immer für mich da sein.

SPIEGEL ONLINE: Eine New-Order-Reunion mit Ihnen ist ausgeschlossen?

Hook: Derzeit ist sie das, denn wir kommunizieren nur noch über Anwälte. Aber wissen Sie was? Hand aufs Herz, ich würde mir wünschen, dass wir uns vertragen. Und vielleicht grüßen wir uns dann eines Tages ja auch wieder auf der Straße.

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