Peter Maffay zum Tode Fritz Raus "Lauter als jede PA-Anlage"

Udo Lindenberg, Peter Maffay, Wolfgang Niedecken - was wären Deutschrocker ohne Fritz Rau? Im Kurzinterview mit SPIEGEL ONLINE erinnern sie sich an den Konzertveranstalter. Lindenberg schickte ein Gedicht in SMS-Form.

DPA

SPIEGEL ONLINE: Welche Bedeutung hatte Fritz Rau im bundesdeutschen Kulturbetrieb?

Maffay: Fritz Rau hat die Musikkultur in Deutschland entscheidend geprägt, er war derjenige, der die Rockkultur im Bereich der Konzertveranstalter entscheidend umgesetzt hat. Es gab niemand vergleichbaren.

SPIEGEL ONLINE: Wobei er sich als Veranstalter nicht auf Rockbands beschränkte.

Maffay: Er war ein liberaler Mensch. Er war offen für alles Ernstgemeinte, großzügig in der Bewertung, hatte aber hohe Ansprüche an Haltung und Qualität. Seine Künstler waren relativ unterschiedlich: Zum Beispiel Udo Lindenberg, Nana Mouskouri, ich. Dazu kamen später meine "Tabaluga"-Tourneen. Ohne Fritz wären die niemals zustande gekommen.

SPIEGEL ONLINE: Was hielt Rau von "Tabaluga"?

Maffay: Er war ein Opa, der seinen Enkeln gern "Tabaluga"-Geschichten erzählt hat. "Tabaluga" nannte er seinen "Lieblingsstoff". Bei unserer letzten Tour im Herbst 2012 kam er im Rollstuhl und saß gerührt im Publikum. Wir standen gerührt auf der Bühne. Fritz war eigentlich immer bei uns.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ihn auch von seiner viel kolportierten, cholerischen Seite erlebt?

Maffay: Er konnte extrem lautstark werden. Keine PA-Anlage war so laut wie er.

SPIEGEL ONLINE: Auch Ihnen gegenüber?

Maffay: Das hätte ich nicht akzeptiert. Wir haben uns nie gestritten.

SPIEGEL ONLINE: Rau hat über Jahrzehnte im Rockgeschäft gearbeitet. Aber war er überhaupt ein Rock'n'Roller?

Maffay: Seine Musik war der Jazz. Er hatte eine phantastische Jazzsammlung.

SPIEGEL ONLINE: Und der Rock'n'Roll-Lifestyle?

Maffay: Ich habe ihn nie Drogen nehmen oder entgleisen sehen. Er war ein lebensfreudiger Mensch - aber er hatte auch ein hohes Verantwortungsgefühl. Und er war ein absoluter Workaholic. Er hat das nicht als Arbeit empfunden. Er liebte die Bühne, er liebte die Menschen. Bei wichtigen Konzerten ging er morgens um sechs zum Kartenvorverkauf. Da standen die Menschen dann einen halben Kilometer lang in der Schlange. Er ging dann auf die Leute zu und fragte: "Wie können wir euch das Warten angenehmer machen?"

sha



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