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Gestorben Pharoah Sanders, 81

aus DER SPIEGEL 40/2022
Foto: Jarek Wieslaw / Alamy / mauritius images

Kein Instrument im Jazz ist der menschlichen Stimme so nah wie das Saxofon. Es kann flüstern, quasseln und schreien. Und niemand konnte all das wie Pharoah Sanders, er machte sein Instrument zur Verlängerung seines Körpers – um dann in höhere Welten zu blasen. Geboren 1940 in Little Rock, Arkansas, spielte er als junger Mann in Rhythm-and-Blues-Bands, bevor er nach New York kam und dort dem Musik­revolutionär John Coltrane be-gegnete. Coltrane wollte die Sprache des Jazz erweitern und engagierte den jungen Sanders für seine Band, was ungewöhnlich war: Beide spielten schließlich das gleiche Instrument, das Tenorsaxofon. Doch zusammen öffneten sie den Raum zu einer ganz neuen Musik, einem wilden, lauten, freien und spirituellen Jazz – für den sie sich in Konzerten, die freundlichen Kämpfen glichen, an Intensität zu überbieten suchten. Nach Coltranes Tod machte Sanders weiter und brachte mit dem Stück »The Creator Has a Master Plan« eine der großen Hymnen des Spiritual Jazz heraus. Sanders’ Musik handelte von spiritueller Verausgabung, im Klang, der aus seinem Atem hervorbrach, suchte er die Versöhnung mit dem Universum. Das konnte die Grenze zum Krach überschreiten, wie auf seinem Album »Karma« von 1967, es konnte aber auch sanft und meditativ sein, wie im Stück »Harvest Time« von 1977. Sanders hörte nie auf zu spielen, im vergangenen Jahr veröffentlichte er noch eine Platte mit dem jungen Elektronik­musiker Floating Points. Pharoah Sanders starb am 24. September in Los Angeles.

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