Neues Album von Pharrell Williams Girls und gute Laune

Eine Platte, so grandios wie die darauf besungenen Mädchen: Nach den Welthits "Blurred Lines" und "Happy" ist Pharrell Williams mit "GIRL" ein Album gelungen, das das Popjahr 2014 prägen wird - auch dank Gaststars wie Alicia Keys.

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Da war Pharrell Williams doch schon der Mann des Jahres 2013 in der Musikwelt, der, der den Sommer bestimmte mit den Welthits "Get Lucky" (als Gastsänger bei Daft Punk) und "Blurred Lines" (als Gastsänger und Produzent für Robin Thicke). Nun schickt der 40-Jährige sich an, auch das Popjahr 2014 zu beherrschen.

Sein Song "Happy" hatte sich ursprünglich im Soundtrack zum Animationsfilm "Ich - unverbesserlich 2" versteckt, dann holte Pharrell ihn ins Licht - mit einem spektakulären 24-Stunden-Video-Projekt, dessen Tanzschritte rund um die Welt nachgeahmt wurden.

Auf dass "Happy" so unausweichlich werde wie "Get Lucky" letztes Jahr, tritt Pharrell Williams damit bei fast jeder großen Fernsehshow auf und fehlt bei keiner Awards-Gala - auch für die Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag ist er als Nominierter und Show-Act angekündigt.

Als Pharrell Williams um die Jahrtausendwende bekannt wurde, bewunderte man ihn noch als Mann im Hintergrund, der mit seinem Team The Neptunes nur den Kleingedruckteslesern unter den R&B- und HipHop-Hörern bekannt war. Als Produzent war er an großartigen Hits von Snoop Dogg, Jay-Z, Justin Timberlake, Gwen Stefani oder Nelly beteiligt.

Mittlerweile aber hat sich Pharrell - mit noch immer bewundernswert jugendlichem Aussehen gesegnet -längst ins Rampenlicht gewagt. Bei der Verleihung der Grammy-Awards war er der geheime Star des Abends - oder doch zumindest sein Hut, ein riesiges Modell, von Vivienne Westwood der Uniform der kanadischen Mounties nachempfunden. Was seiner Karriere noch fehlte, war ein wirklich gelungenes Album.

Nun versucht Pharrell Williams den Rückenwind aus seinem grandiosen Jahr 2013 mitzunehmen auf ein Album, das er "GIRL" betitelt hat, in Großbuchstaben, weil er Frauen so toll findet. Im Bademantel und mit Sonnenbrille posiert er auf dem Cover, neben sich drei ebenso ausgestattete Frauen.

Im Auftaktsong erzählt er seinem Tagebuch, dass gegen das Girl, das er gefunden hat, Marilyn Monroe, Kleopatra und sogar Johanna von Orleans einpacken könnten. Höchst elegant groovt die Musik dazu. Der Ton für das Album ist vorgegeben: Hier werden keine Experimente gemacht, nicht formal, nicht inhaltlich, hier geht es maximal um Pop.

Und so kommt es in "Brand New" bei einem Falsettgesang-Gipfeltreffen von Pharrell Williams mit Justin Timberlake zu ziemlich feisten Funkbläsern. Die Daft-Punk-Roboter singen den Refrain zu "Gust of Wind" in den Vocoder. Und Alicia Keys bringt eine Strophe voll erwachsener Soul-Klasse mit für "Know Who You Are".

Bei "Come Get It Bae" ist Miley Cyrus zu Gast und wird im Refrain von Pharrell aufgefordert, auf dessen Motorrad zu fahren. "I wanna get dirty", heißt es ebenso lüstern in "Gush", und "My Love is callin', my sex is callin'" in dem herausragenden "Hunter", das insgesamt an eine Mischung aus Michael Jacksons "Don't Stop 'til You Get Enough" und Blondies "Rapture" erinnert - allerdings mit Hukahukatschuka-Intro.

Unerschütterliche Lebensfreude

Überhaupt ist in diesen klangmalerischen Beats und Rhythmen, die Pharrell immer wieder wie nebenbei einbaut, mehr Witz als in, sagen wir, einer Oliver-Pocher-Bühnenshow. Am tollsten in diesem Zusammenhang der eher ruhige Song "Lost Queen" mit seinem irgendwie afrikanischen "Mmmm mmmm"-Rhythmus und den kleinen "Brumm, brumm"-Ticks im Gesang. An solchen Kleinigkeiten erkennt man den großen Produzenten, an solchen Kleinigkeiten spürt man aber auch die unerschütterliche Lebensfreude, die "GIRL" durchzieht.

Die hatte ja schon beim Single-Hit "Happy" so angesteckt, wo Pharrell Williams die schöne Metapher für Glück gefunden hatte, es sei wie ein Raum ohne Dach. Noch programmatischer wird der Musiker nur auf dem Hidden Track, offenbar "Freq" betitelt. Da singt er: "I'd rather be a freak than not be unique / Individuality makes life better". Lieber ein Freak als Teil einer gleichförmigen Masse zu sein: Diese Haltung kann eigentlich nur noch ein riesiger Mountie-Hut besser ausdrücken.

Doch der Satz weist auf eine Gefahr hin: Schon jetzt ist der Pharrell-Williams-Sound, so ausgefeilt er inzwischen ist, fast überall, und er wird auch Nachahmer finden. Vielleicht wird er uns in einem halben Jahr unheimlich auf den Geist gehen, wenn das dritte oder vierte superclevere Video ausgekoppelt worden ist, wieder mit dem wissend lächelnden Williams.

Man sollte also "GIRL" daher also jetzt genießen, so lange es noch geht, als das State-of-the-Art-Pop-Werk, in dem kein Krümelchen schlechte Laune Platz hat; eine Feier des Lebens, die dereinst unabtrennbar mit Erinnerungen an das Jahr 2014 verbunden sein wird. Der Karrieremakel ist jetzt jedenfalls weg: Pharrell Williams hat ein großes Album gemacht.


Pharrell Williams: "GIRL" erscheint am 3.3. bei Columbia/Sony. Als Stream ist es bereits seit dem Morgen des 26.2. zu hören beim iTunes-Radio. Hörer in Deutschland müssen dafür einen Nutzeraccount beim US-iTunes haben. Der ist aber leicht zu bekommen: In iTunes unten rechts die Länderversion auf USA wechseln, dann bei "create account" mit einer amerikanischen Adresse registrieren. Bestätigungsmail beantworten und in iTunes-Radio den "First Play"-Kanal anwählen.



insgesamt 13 Beiträge
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freddykruger, 26.02.2014
1. harmlos
die Musik von Williams ist natürlich Geschmackssache. Das was ich bisher gehört hab ist für meine Ohren Harmlos ohne Ecken und Kanten, langweilig und zu Arschglatt produziert. Halt typisches Chartfutter. Ganz klar Musik für die breite Masse. Positiv find ich allerdings seine Stimme, die hat was. Aber wie dem auch sei es ist halt für Leute die kommerzielle Musik mögen.
TTC 26.02.2014
2. applaus
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Pharrell ist mit Sicherheit der neue Prince. Ein Genie, das es nur alle paar Generationen gibt. Kaum ein anderer Schreiber, Künstler, Produzent hat einen derart langen, wie außerordentlich eigenständigen und hochwertigen Katalog vorzuweisen. Die Befürchtung jedoch, dass man bald nur noch Pharrell CopyCats hört, ist gering. Seinen damals neuen Sound konnte vor 10Jahren schon keiner nachahmen, ohne sich zu blamieren. Der Herr ist und bleibt ein Vorreiter, um Jahre voraus. Wer zur Zeit noch nicht einmal Low-End braucht, um weltweit die Charts zu dominieren verdient nichts als: "Hut ab!" ;)
thobar 26.02.2014
3. Pharrell
guter Artikel. Aber das es sich um ein musikalisches Genie handelt, sollte einem nicht erst seit letztem Jahr klar sein. Was N.E.R.D. an Musik gemacht hat bis dato zum Beispiel war, wenn auch verkannt einfach super gemachte Popmusik.
Volvo for Life 26.02.2014
4. Also ...
... der neue "Prince" ist Pharell Williams sicherlich nicht. Prince ist und bleibt eine "andere Liga". Musikalisch gesehen ist Prince wohl einer der kreativsten Musiker auf diesem Planeten, der im übrigen nicht mehr zwingend Alben rausbringen muss- da er schon genug Kohle verdient hat. Aber, dass muss ich sagen ist Pharell schon ein guter Produzent mit einem Goldhändchen. Ich nehme mal an, dass er das sogar besser kann im Hintergrund die Strippen ziehen. Prince braucht keinen Produzenten, der macht alles selbst. Auf die Frage ob er sich jemanden vorstellen könnte wer ihn produzieren könnte kam die Antwort: wer? und schob dann noch nach: seht zu das ihr keinen Producer auf der Payroll habt. Prince Rules!
Palisander 26.02.2014
5. Also
das es ein Nachfolger wie DAFT PUNKS Random Access Memories werden kann wag ich zu bezweifeln. Nett produziert und ein paar Highlights dazwischen, aber die Dauerschleife wird es nicht werden. Dennoch ist PW momentan das qualitativ stilsicherste was es zur Zeit gibt. Gut aber nicht genial.
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