Pink-Floyd-Drummer Nick Mason Mit lakonischer Eleganz

Pink-Floyd-Drummer Nick Mason spielte in Hamburg frühes Material der Band - es wurde eine Hommage an die verschrobene Energie eines lang vergessenen Mitglieds.

Natürlich waren alle gekommen, um den Mann mit dem Karusselbremserbart zu sehen, der seit 1966 bei Pink Floyd getrommelt hat: Nick Mason, inzwischen 74 Jahre und schon länger bartfrei. Doch über dem Konzert in der altehrwürdigen Hamburger Laeiszhalle schwebte fast durchgehend der Geist eines anderen: Syd Barrett.

Barrett, Sänger, Gitarrist und Komponist fast aller frühen Pink Floyd Songs, entwickelte in den zwei Jahren nach Veröffentlichungen der ersten Single "Arnold Layne" und des Debütalbums "The Piper at the Gates of Dawn" 1967 eine Psychose, konnte nicht mehr spielen und musste die Band verlassen. Nach zwei Soloalben aus den frühen Siebzigern verlieren sich seine Spuren, 2006 starb er an Krebs.

Pink Floyd, die mit David Gilmour als neuem Gitarristen und Sänger immer erfolgreicher wurden und mit "Dark Side of the Moon" 1973 einen kommerziellen Album-Superhit hatten, widmeten ihm mit "Shine On You Crazy Diamond" und "Wish You Where Here" zwei ihrer erfolgreichsten Stücke. Doch die Floyd-Fans der Siebziger interessierten sich nicht besonders für das Frühwerk und die Band selbst performte die Stücke selten bis gar nicht.

Stattdessen entdeckte die Punk-Generation den musikalischen Wahnwitz von Barrett: "I know where Syd Barrett Lives" sangen die TV Personalities 1981, und tatsächlich: Im Rückblick klingen Songs wie "Interstellar Overdrive", "Lucifer Sam" oder "Astronomy Dominé" wie der psychedelische Vorgriff auf die smarte, rotzige Energie des britischen Punk.

Insofern ist es eine überfällige und liebenswerte Idee von Nick Mason, der ja ohnehin als der liebenswerteste in der notorisch verstrittenen Gruppe gilt, mit einer neuen Band auf Tour zu gehen, um Songs aus den Jahren 1967 bis 1972 zu spielen - also der Phase, die von dem irrlichternd-genialischen Syd-Barrett-Kompositionsstil beeinflusst ist. "Saucerful of Secrets" heißt Masons Band, benannt nach dem zweiten Pink Floyd-Album von 1968, mit dabei sind der ehemalige Spandau Ballett-Gitarrist Gary Kemp und der Bassist Guy Pratt, der schon in früheren Jahrzehnten mit Mason, David Gilmour oder Roger Waters tourte.

Kurzum: Was da am Donnerstagabend in Hamburg auf der Bühne stand, war eine Pink-Floyd-Coverband mit einem Originalmitglied. Tragischerweise klang ausgerechnet Masons Schlagzeug am allerwenigsten nach der mystischen Aura, die die frühen Platten umgibt - einfach weil es abgemischt war, wie heute ein fettes Rockschlagzeug eben klingen soll, schön knackig und bassig.

Psychedelia-Bretter im Stadionrock-Format

Ein Missverständnis, denn der überbordende Sounds des Rock der späten Sechziger kam nicht zuletzt daher, dass Schlagzeuger gegen das Material anspielen mussten - auf Drumkits, die für Jazz oder Beatmusik gebaut und möglichst luftig mikrofoniert wurden. Das Missverständnis ereilt altgewordene Stars leider oft, wenn sie die Energie der Musik, die sie vor dreißig, vierzig oder fünfzig Jahren gespielt haben, mit gegenwärtiger Technik aufblasen wollen. Nicht ohne Grund spielen junge Bands heute gerne auf alten Verstärkern und Instrumenten.

Mason und seine Mitstreiter mühten sich anfangs an ihren stadionrockmäßig gepimpten Versionen der Punk-Psychedelia-Bretter von 1967 etwas ab - doch im Laufe des Konzertes ging das Konzept von Mason und seinen Mitmusikern dann doch auf. Wenn sie die verschrobenen Songminiaturen Syd Barretts wie "Bike", "Arnold Layne" oder das zu Pink Floyd-Zeiten unveröffentlichte "Vegetable Man" spielten, war sie plötzlich da, diese lakonische Eleganz, die zu allen Jahrzehnten britischen Rock so großartig gemacht hat.

"See Emily Play", die zweite Single von 1967, klang dann plötzlich fast so, als hätten die Stranglers es gecovert. Dem Publikum, mehrheitlich Männer jenseits der fünfzig, die ihre Pink-Floyd-Tshirts der vergangenen Jahrzehnte auftrugen, gefiel (dem Jubel nach zu urteilen) Artrockballaden wie "If" oder "Fearless" aus den frühen Siebzigern allerdings noch besser. Insofern war es wertvoll, das der alte Mason zur Hälfte des Konzertes noch ein Portrait von Syd Barrett auf den psychedelisch dekorierten Bühnenprospekt hinter ihm werfen ließ: "Es ist Zeit, an diesen Mann zu erinnern", erklärte er dem Publikum. "Ohne ihn gäbe es das alles nicht." Recht hat er.

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