Pink Floyd "Echoes" als Requiem?

Ein Best-Of-Album namens "Echoes" zum Abschied, das erscheint für eine Ausnahme-Band wie Pink Floyd etwas banal. Doch deren Gitarrist David Gilmour gibt sich altersweise und sieht das Ende ganz gelassen.


Rock-Veteranen Pink Floyd (v.l.: David Gilmour, Nick Mason, Richard Wright): "Vielleicht ist es doch so"
AP

Rock-Veteranen Pink Floyd (v.l.: David Gilmour, Nick Mason, Richard Wright): "Vielleicht ist es doch so"

Auf jeden Fall ist für Gilmour Schluss mit live. "Je länger es her ist, dass wir etwas zusammen gemacht haben, desto weniger vermisse ich es", vertraute der Rock-Veteran dem US-Magazin "Rolling Stone" an. "Ich will nicht mehr touren. Ich bin 55, das ist ein Spiel für junge Männer." Sein Ex-Floyd-Kollege und Gitarren-Rivale Roger Waters dürfte darüber eher leise lächeln und die Schultern zucken - die Herren sind seit längerer Zeit nicht mehr ganz so gut aufeinander zu sprechen und haben sich schon seit Mitte der achtziger Jahre entzweit.

Nach Waters' Weggang erschienen mit "A Momentary Lapse Of Reason" (1987) und "The Division Bell" (1994) eher marginale Floyd-Werke, während die Konzert-Attraktivität der Band ungebrochen für Großereignisse sorgte, wann immer die Truppe unterwegs war. Legendäre Licht- und Materialschlachten setzten schon früh Maßstäbe für das Zeitalter der Rock-Eventkultur. Drei Generationen unter den Zuschauermassen: Pink Floyd schafften diesen Zielgruppen-Hattrick wohl als Erste. Diverse Konzertmitschnitte halfen der Fangemeinde über mangelnde Innovationen hinweg, während sich nun "Echoes" anschickt, die Präsenz der Marke im Weihnachtsgeschäft zu sichern.

Pink Floyd, die sich einst nach den Bluesmusikern Pink Anderson und Floyd Council benannten, könnten den Laden eigentlich zufrieden dicht machen - unsterblich und wohlhabend sind sie längst. "Ich möchte nicht sagen, dass wir mit allem fertig sind", schränkte David Gilmour ein. "Aber vielleicht ist es doch so." Wer so redet, mag wirklich nicht mehr. Und ist dann nur noch ein weiterer Stein in der Mauer.



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