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13. August 2019, 21:11 Uhr

Vorwürfe der Belästigung

Orchester lädt Startenor Plácido Domingo aus

Opernstar Plácido Domingo sieht sich mit Belästigungsvorwürfen konfrontiert. Das Philadelphia Orchestra zieht Konsequenzen, auch die von ihm geleitete Oper in Los Angeles kündigt eine Untersuchung an.

Nach den Belästigungsvorwürfen gegen den Opernstar Plácido Domingo ziehen die ersten Konzerthäuser Konsequenzen: Das Philadelphia Orchestra zog eine Einladung an Domingo für die Saisoneröffnung zurück. Die Oper von Los Angeles, an der Domingo Intendant ist, will die Vorwürfe gegen ihn untersuchen.

Das Orchester von Philadelphia teilte laut der Nachrichtenagentur AP mit, es sei "verpflichtet, eine sichere, stützende, respektvolle und angemessene Umgebung zu schaffen". Domingo werde nicht beim Eröffnungskonzert am 18. September auftreten. Ursprünglich sollte der 78 Jahre alte Spanier mit mehreren anderen Musikern an der traditionellen Eröffnungsnacht des Orchesters teilnehmen. Diese begründet den Anfang der Konzertsaison.

Die von Domingo geleitete Oper von Los Angeles teilte auf Anfrage von AP mit, Untersuchungen "bezüglich der Anschuldigungen" einzuleiten.

Nachrichtenagentur berichtet von Übergriffen

Die Nachrichtenagentur AP hatte wenige Stunden zuvor erstmals von den Vorwürfen berichtet. Sie hat nach eigenen Angaben mit den mutmaßlich Betroffenen sowie "knapp drei Dutzend" weiteren Künstlern gesprochen, darunter auch Orchestermusiker, Bühnenpersonal und Gesangslehrer. Diese hätten bestätigt, dass der mehrfache Grammy-Gewinner Domingo jüngere Frauen ab Ende der Achtzigerjahre belästigt habe und übergriffig geworden sei.

Eine Sängerin, die Mitte der Nullerjahre an der von Domingo geleiteten Los Angeles Opera arbeitete, berichtete der AP, der spanische Tenor habe sie darum gebeten, ihn nach Hause zu bringen. Schon im Auto habe er die Hand auf ihr Knie gelegt, später habe er versucht, sie zu küssen.

Der 78-jährige Domingo erklärte in einer Stellungnahme, die Vorwürfe seien "zutiefst beunruhigend und, so wie sie dargestellt werden, nicht korrekt". Es sei dennoch schmerzlich, zu hören, "dass ich möglicherweise Personen verärgert oder ihnen ein ungutes Gefühl vermittelt habe, ganz gleich, wie lange das her ist, und trotz meiner besten Absichten".

ptz/AP

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