Opernstar Elf weitere Frauen werfen Plácido Domingo Belästigungen vor

In den USA wurden nach Belästigungsvorwürfen Konzerte mit Plácido Domingo abgesagt. In Deutschland darf der Opernstar bisher noch auftreten - doch nun haben elf weitere Frauen von Übergriffen berichtet. Der 78-Jährige streitet das ab.

Plácido Domingo bei einem Auftritt Ende August in Ungarn: Komplizierte Strategien
Attila SEREN / AFP

Plácido Domingo bei einem Auftritt Ende August in Ungarn: Komplizierte Strategien


Ob Hamburger Elbphilharmonie oder Salzburger Festspiele: An Plácido Domingo halten die großen Konzerthäuser Europas bisher fest - trotz umfassender Belästigungsvorwürfe gegen den Startenor. Sein Publikum feiert ihn nach wie vor. Der Nachrichtenagentur AP haben jetzt aber elf weitere Frauen …von Übergriffen und Belästigungen durch den spanischen Superstar berichtet.

Zu den Frauen gehört Angela Turner Wilson. Sie traf auf Domingo bei einer Inszenierung an der Washingtoner Oper in der Spielzeit 1999/2000. Kurz vor einer Aufführung habe ihr der Sänger, damals auch Künstlerischer Leiter der Oper, plötzlich in den Ausschnitt gelangt. "Es tat weh, er hat fest zugepackt", erzählt Wilson.

Die 48-Jährige, die heute Stimmunterricht an einem College gibt, fühlte sich nach Domingos Statement zu den ersten Vorwürfen motiviert, ihre eigenen Erlebnisse zu schildern. Der 78-jährige Domingo hatte in einer Stellungnahme erklärt, die Vorwürfe seien "zutiefst beunruhigend und, so wie sie dargestellt werden, nicht korrekt". Er sei stets davon ausgegangen, dass seine Interaktionen und Beziehungen mit anderen einvernehmlich gewesen seien.

"Ich erkenne allerdings, dass die Regeln und Standards, an denen wir heute gemessen werden - und auch gemessen werden sollten - ganz andere sind als in der Vergangenheit", so Domingo weiter. Dass es sich bei Domingos Verhalten um vormals akzeptierte Vorgänge gehandelt habe, streitet Wilson ab: "Welche Frau hat jemals gewollt, dass er ihre Brüste betatscht?"

"Keine Frauen in seine Anproben"

Auch andere Gesprächspartnerinnen berichteten AP, dass sie Domingos Verhalten schon lange kritisch sahen und ihn deshalb hinter den Kulissen auf Distanz zu Frauen hielten. Man habe komplizierte Strategien entwickelt, so eine Produktionsmitarbeiterin der Opern von Los Angeles und Houston, um Domingo von bestimmten Sängerinnen fern zu halten. Außerdem habe man darauf geachtet, keine Frauen in seine Garderobe zu schicken.

Bis in die Spielzeit 2016/2017 habe man versucht, möglichst keine Frauen zu Anproben mit Domingo zu schicken, so eine andere Mitarbeiterin der Oper von Los Angeles. Der Sänger sei bekannt dafür gewesen, "zu nahe zu kommen, zu umarmen, zu küssen, anzufassen und körperliche Zuneigung zu zeigen". Auch auf Führungsebene habe man davon gewusst.

Domingo hat sich über eine Sprecherin bereits zu den neuen Vorwürfen geäußert. "Die andauernde Kampagne von AP, mit der sie Plácido Domingo herabwürdigen will, ist nicht nur unzutreffend, sondern auch unethisch. Diese neuen Vorwürfe sind von Inkonsistenzen durchzogen und, wie schon beim ersten Bericht, in vielerlei Hinsicht inkorrekt", heißt es in dem Statement. Da es sich um laufende Ermittlungen handele, werde man nicht auf Einzelheiten eingehen.

apr/hpi/AP

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