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Plagiate in der Popmusik: Du hast mir den Groove gestohlen!

Foto: Kin Cheung/ AP

Plagiate in der Popmusik Alles nur geklaut

Wo endet die Inspiration, wo beginnt das Plagiat? Ein neues Sachbuch erzählt die Geschichte der dreistesten Diebstähle im Musikgeschäft. Mit dabei: Pharrell Williams, Nirvana - und ein Beatle.

Zumindest ein US-Gericht weiß, was Original ist und was Plagiat: Es sprach Marvin Gayes Kindern rund 7 Millionen Dollar zu, die nun Robin Thicke und Pharrell Williams für ihren Megahit "Blurred Lines" zahlen sollen. Der Song ähnele zu sehr Gayes Klassiker "Got to Give It Up".

Seitdem läuft im Pop-Universum eine aufgeregte Debatte darüber, wo Kreativität endet und wo Plagiat beginnt. Denn das Spannende an dem Gaye-Urteil ist, dass die beiden Songs nachweislich weder in der Melodie noch bei den Akkorden Übereinstimmungen aufweisen. Es wurde lediglich eine Art "Inspiration" als Grund für die Millionenforderung festgelegt. Thicke gab nämlich zu, er habe Williams aufgefordert, einen Song mit dem gleichen Groove wie "Got to Give It Up" zu schreiben.

Passend zu diesem Copyright-Trubel erschien in England gerade das Sachbuch "It's One for the Money" von Clinton Heylin. Es zeigt, dass gnadenloses Abkupfern und Klauen im Musikgeschäft eine lange Tradition hat. Von Robert Johnson über Bob Dylan, Paul Simon und Led Zeppelin bis hin zu Nirvana - sie alle bekommen in dem detailliert recherchierten Buch ihr Fett weg.

Die Online-Ausgabe des "Guardian" nahm das zum Anlass für eine Hitliste besonders prominenter Plagiatsfälle  und reicherte den Artikel passenderweise mit einer aufschlussreichen Spotify-Playlist an.

Hat George Harrison geklaut?

Die Geschichte der Copyright-Mogeleien im Musikgeschäft beginnt bei Blues-Veteranen wie Robert Johnson und WC Handy. Spannend sind auch die Streitigkeiten um die Urheberschaft des Elvis-Hits "Hound Dog". Aber der prominenteste Fall der vergangenen Jahrzehnte war wohl die Frage, ob der Ex-Beatle George Harrison seinen größten Hit "My Sweet Lord" bei dem Chiffons-Renner "He's so Fine" abgekupfert hat.

Auch "Blue Monday", die erfolgreichste Single der Briten von New Order, soll sehr von der Donna-Summer-Nummer "Our Love" beflügelt worden sein. "We stole it off a Donna Summer B-side" - das räumte der Bassist von New Order, Peter Hook, ein. Wer sich also Illusionen über Kreativität im Pop bewahren will, sollte Heylins Buch jedenfalls meiden.

Die legale Form des Übernehmens von Ideen praktizieren Coverbands, also Gruppen, die ihre Idole einfach kopieren. Dass man davon gut leben kann, belegen all die Beatles-, Genesis- und Pink-Floyd-Cover-Bands, die mitunter sogar größte Hallen füllen. Eine Respektsbekundung der besonderen Art ließen nun U2 ihrer Coverband Acrobat zuteil werden, als sie die bei einem Auftritt in Toronto auf die Bühne baten, um gemeinsam den U2-Song "Desire" aufzuführen. Welcher Bono nun der bessere war, kann jeder selbst entscheiden .

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