Erstmals seit 1999 Weltweiter Musikmarkt wächst wieder

Einen "sauer verdienten Erfolg" nannte die Präsidentin des Branchenverbands das Plus von 0,3 Prozent, über das sich die Musikindustrie nach zwölf Jahren Umsatzschwund freut. Verantwortlich seien vor allem digitale Kanäle, unter denen besonders Streaming-Dienste rasant wachsen.
Sängerin Carly Rae Jepsen: Ihr "Call Me Maybe" war die bestverkaufte Single 2012

Sängerin Carly Rae Jepsen: Ihr "Call Me Maybe" war die bestverkaufte Single 2012

Foto: JEAN-PAUL PELISSIER/ REUTERS

London/Hamburg - Nach Jahren des Umsatzrückgangs ist die Erleichterung groß bei den Branchenverbandssprechern und Plattenfirmenbossen: Um 0,3 Prozent stieg 2012 der globale Umsatz mit Musikaufnahmen gegenüber dem Vorjahr - das erste Jahr mit einem Umsatzzuwachs seit 1999. Seither brachen die CD-Verkäufe rapide ein, die vor 13 Jahren noch fast komplett verantwortlich waren für einen weltweiten Gesamtumsatz von 27,8 Milliarden Dollar.

Bei einer Pressekonferenz des internationalen Fachverbands IFPI in London  freute sich nun dessen Chefin Frances Moore über einen Umsatz von 16,5 Milliarden Dollar im Jahre 2012: "Dies ist ein sauer verdienter Erfolg einer Branche, die innovativ war, gekämpft und sich über ein Jahrzehnt lang verändert hat."

Während CD-Verkäufe in den meisten Märkten weiterhin stark rückgängig sind (minus fünf Prozent weltweit), verzeichnen digitale Vertriebskanäle große Wachstumsraten, die die Verluste des physischen Tonträgerhandels auszugleichen beginnen. Insgesamt stiegen die Umsätze in den digitalen Bereichen um 9 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar - ein Anteil am Gesamtmarkt von 34 Prozent. In manchen Ländern, wie zum Beispiel Indien, Norwegen, Schweden und den USA, übersteigt der Anteil dieser "neuen" Formen von Einnahmen der Plattenfirmen schon den aus dem herkömmlichen Verkauf.

Innerhalb dieses digitalen Bereichs sind wiederum drei Kanäle zu unterscheiden:

  • Der Verkauf über lizenzierte Musik-Downloads, wie sie etwa Apples iTunes Store oder Amazon MP3 anbieten: Dieser Bereich wuchs 2012 um zwölf Prozent und ist weltweit für 70 Prozent der Digital-Umsätze verantwortlich.
  • Streaming-Angebote wie Spotify oder Deezer, die eine Art Musik-Flatrate als Abonnement anbieten. In Ländern wie Schweden (dem Heimatland von Spotify), Frankreich (Heimat von Deezer) und Südkorea übersteigen die Einnahmen aus diesen Abos bereits die aus verkauften Downloads. Weltweit machen die Streaming-Abo-Einnahmen 2012 erstmals mehr als zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus.
  • Zudem erwirtschaftet die Musikindustrie auch noch Einnahmen aus dem Abspielen von Videos auf Googles YouTube, wo, wie die IFPI betont, neun der zehn meistgesehenen Videos aller Zeiten Musik-Clips seien.

"Zu Beginn der digitalen Revolution hieß es allgemein, die Digitalisierung wird die Musik töten", sagte Top-Manager Edgar Berger, der bei Sony Music Entertainment das internationale Geschäft leitet. "Die Wahrheit aber ist, dass die Digitalisierung die Musik rettet." Er sehe in den Zahlen den Beginn einer globalen Wachstumsgeschichte, zumal die Leute "Smartphones mehr zum Musikhören als zum Telefonieren" nutzten, so Berger.

In einem eigenen Statement zu den IFPI-Zahlen schlägt der Präsident des deutschen Bundesverbands Musikindustrie, Dieter Gorny, allerdings warnende Töne an. Er sieht weiterhin "die illegale Nutzung von Musik im Netz" als "größte Wachstumsbremse" an und fordert für den Bundestagswahlkampf von der Politik eine Debatte um einen "Digital New Deal". Genaue nationale Umsatzzahlen gab der Bundesverband bisher noch nicht bekannt, Gorny spricht von einem "vorsichtigen Trend zur Marktstabilisierung".

Am erfolgreichsten waren oft die lokalen Musiker. So waren in Italien, Spanien und Schweden acht der zehn meistverkauften Alben von einheimischen Künstlern, in Deutschland waren es sieben. Weltweit am häufigsten verkauft wurde 2012 ein Album aus dem Jahre 2011, nämlich Adeles "21"; es folgen "Red" von Taylor Swift und die Alben "Up All Night" und "Take Me Home" der Teenie-Band One Direction. Deutlich älter dürften die Käufer der Nummer sieben in dieser Liste gewesen sein, dem Album "Rod Stewart" von Rod Stewart.

12,5 Millionen Mal wurde 2012 die erfolgreichste Single verkauft, nämlich "Call Me Maybe" von der kanadischen Sängerin Carly Rae Jepsen. Auf den Plätzen folgen "Somebody That I Used to Know" von Gotye und "Gangnam Style" von Psy.

feb/Reuters/dpa