Pop! Adeles europäische Sonderwünsche

Welche Getränke die Sängerin Adele sich hinter die Bühne bestellte, verrät ein vertrauliches Dokument. Dass der "Boss" Geld von Vodafone nimmt, sorgt für Trubel unter seinen Fans. Und Billy Idol rockte für Billy-Regale.

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Schokoriegel und Spenden

"Nordamerikanisches Bier ist nicht akzeptabel." Aber stattdessen bitte schön "zwölf Flaschen" von "High Quality europäischem Bier (Becks, Stella, Peroni, etc.)" und obendrauf noch zwei Flaschen von "erstklassigem Rotwein". Das alles bestellte sich in diesem Sommer sehr konkret die 23-jährige Britin Adele bei ihren US-Konzerten hinter die Bühne.

"Rider" nennen Fachleute solche Wunschlisten, festgehalten werden dort all die Dinge, mit denen ein Künstler im Einsatz bei Laune gehalten werden soll. Selbstverständlich sind solche "Rider" stets vertraulich, weil sie Einblick in sehr private, mitunter exzentrische Leidenschaften gewähren. Aber weil im Zeitalter des Internets nichts mehr auf Dauer zu verheimlichen ist, geistern nun auch die Faksimile-Kopien der "Rider" von Adeles letzter US-Tournee durch die Blogs des weltweiten Netzes.

Die bieten allerdings keine absurden oder abgründigen Sensationen, was zu der stets dezent auftretenden Britin passt: So orderte sie unter anderem Kaugummi, Elektro-Teekessel, Cola, Red Bull, Schokoladenriegel und Mineralwasser (Raumtemperatur!). Interessant ist nur ein Zusatz, der auch zu Adele passt, die von Beginn ihrer Karriere ganz klarmachte, was für sie geht - und was eben nicht. Auf ihrem "Rider" steht ausdrücklich, dass jeder, der das Privileg genießt, warum auch immer, zu einem ihrer Konzerte für lau zu gehen, eine Spende von "minimal 20 US Dollar" zu leisten hat. Zu Gute kommen soll das so erwirtschaftete Geld einer Charity Organisation namens "SANDS". Und Gäste, die das als nervigen Scherz abtun wollten, dürften unangenehm überrascht gewesen sein, denn Adeles Anweisung war klar: "There will be no exception from the rule." Zu deutsch: Keine Ausnahmen. Zahl oder geh! Da wird so mancher Schnorrer gestöhnt haben. Aber auch das wird Adele, wie so vieles anderes, ziemlich egal gewesen sein.

Boss und Gewissen

Dass der sogenannte gute Ruf von Künstlern im Netz regelmäßig einer Inspektion unterzogen wird, muss nun auch der "Boss" zur Kenntnis nehmen. Bruce Springsteen gehörte bislang zu den wenigen Künstlern, die tatsächlich integer, also nicht käuflich erschienen: Im Gegensatz zu vielen, vielen seiner Kollegen (Rolling Stones, McCartney etc.) stand er nie für absurd bezahlte Auftritte bei Firmen, Konzernen oder Geburtstags-, Hochzeitsfeiern russischer oder arabischer Milliardärskinder zur Verfügung. Ja, er schlug sogar Millionen in den Wind, als er diversen Firmen die Nutzung seiner Songs in Werbespots untersagte.

Nun kommt dieser unbestechliche Mann also im Sommer für einige Konzerte nach Europa. Dass eine große Show, die er am 12. Juli im Londoner Hyde Park spielt, überraschend von Vodafone gesponsert wird, sorgt vorab für ungewohnten Trubel. Die Organisation "UK Uncut", die bereits die Steuersparer von U2 bedrängte, bittet den "Boss" in einem in der Online-Ausgabe des "NME" veröffentlichtem Statement sehr respektvoll, die Kooperation mit Vodafone bitte noch mal zu überdenken. In dem offenen Brief erklären sie ihm, wie viele Milliarden Vodafone in Großbritannien an der Steuer vorbeischleust und wie viele Milliarden von der amtierenden Regierung ("Thatcher war liberal dagegen") im sozialen Sektor gekappt werden. "Bitte gib ein klares Statement für die kleinen Leute in England..." fordern sie am Ende ihrer Ausführungen. Der "Boss" ist immer für Überraschungen gut, auf seine Reaktion darf man gespannt sein.

Ikea und Billy

Die Wortkombination von Billy und Ikea erinnert eher an schwedische Billig-Regale als an britische Radau-Rocker. Das ändert derzeit ein bizarrer Werbeclip, den Billy Idol vor zehn Jahren für die schwedischen Möbel-Titanen aufnahm und der nun dank YouTube in die kollektive Erinnerung zurückgerufen wird.

Toll und gratis

Dass im Internet regelmäßig tolle Musik ganz legal verschenkt wird, sorgt zu selten für Aufmerksamkeit. Fabelhaft ist zum Beispiel die Website von Noisetrade. Da bieten Newcomer oder durchs Raster gefallene Musiker ihre Lieder zum Nulltarif an. Und dabei sind echte Entdeckungen zu machen. So wie das aktuelle Album des Conan-O'Brien-Lookalikes David Mead. Der in Nashville beheimatete Singer/Songwriter wurde bereits von Elvis Costello, Ron Sexsmith und sogar Taylor Swift über den grünen Klee gelobt, kam aber nie über den Status des ewigen Geheimtipps hinaus. Nun gibt es "25 Days to 'Dudes'" also für lau. Das ist toll und ein Jammer zugleich. Neben Aufmerksamkeit freuen sich David Mead und die andere Noisetrade-Kandidaten selbstverständlich über freiwillige Spenden.

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Stelzi 09.12.2011
1. Falsch geraten
Zitat von sysopWelche Getränke die Sängerin Adele sich hinter die Bühne bestellte, verrät ein vertrauliches Dokument. Dass der "Boss" Geld von Vodafone nimmt, sorgt für Trubel unter seinen Fans. Und Billy Idol rockte für Billy-Regale. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,802563,00.html
Der Ikea clip von Billy Idol stammt aus dem Jahr 2001 - steht doch sogar unter dem video...
ogs 09.12.2011
2. ja und?
Zitat von StelziDer Ikea clip von Billy Idol stammt aus dem Jahr 2001 - steht doch sogar unter dem video...
Vielleicht erklärt sich daraus die Textstelle "ein bizarrer Werbeclip, den Billy Idol vor zehn Jahren für die schwedischen Möbel-Titanen aufnahm" im Artikel. Wo genau ist Ihr Problem?
ZiehblankButzemann 09.12.2011
3. Das Wichtigste ist und bleibt...
...daß die gute Adele einfach verdammt gut singen kann. Sie hat nicht nur eine sehr markante und trotzdem schöne Stimme mit hohem Wiedererkennungswert, sondern auch noch erstklasssige Songs die ausgezeichnet zu ihr und ihrem Gesangsstil passen. Pop Künstlerin des Jahres 2011 Bestes Lied "Rolling In The Deep" des Jahres 2011 Hoffentlich kann Sie das hohe Niveau halten.
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