Pop! Auf Krawall gebürstet

Darf man Radiohead-Clips verballhornen? Unbedingt! Hört Duffy auf zu singen? Na, hoffentlich! Macht aggressive Musik aggressiv? Eine Studie behauptet: Ja!

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Nicht lachen

Das Online-Universum steht mal wieder Kopf, seit die Lichtgestalten von Radiohead ihr neues Werk "The King of Limbs" unter das in heiliger Erwartung erstarrte Volk gebracht haben. Keine Band dieser Tage wird mit so religiöser Ehrfurcht vergöttert wie dieses Art-Rock-Quintett aus Oxford, das belegt der strenge Ernst, mit dem mal wieder die Klasse des Albums in den Blogs der Welt debattiert wird.

Fest steht, dass Radiohead für alles Mögliche stehen, aber ganz sicher nicht für vergnüglichen Quatsch. Umso herrlicher sind die unautorisierten Nachbearbeitungen des offiziellen Videoclips zur Radiohead-Single "Lotus Flower". Im Original tanzt Radiohead-Sänger Thom Yorke mit Melone vor sich hin - was durchaus amüsant ist, aber viel unterhaltsamer sind die unautorisierten Nachbearbeitungen dieses Clips, sogenannte "Mash Ups", für die Spaßvögel die Filmgeschwindigkeit manipulieren und die Musik austauschen. Mal rotiert Thom Yorke in Hochgeschwindigkeit zur Musik der "Benny Hill Show", mal eiert er in Zeitlupe zu einer brasilianischen Ballade von Caetano Veloso.

Nun zanken die Fans darüber, ob das lustig sei. Erregte Verehrer verbitten sich diesen respektlosen Quatsch mit einem "intelligenten" Künstler, entspanntere Fans sind begeistert. Wer mitlachen- oder -schimpfen will, sollte sich ranhalten, denn die Plattenfirma findet das alles nicht lustig und hat schon viele der tollen Clips gesperrt.

Nicht durchdrehen

Wenn die Jugend durchdreht und böse wird, kommt in schöner Regelmäßigkeit die Frage auf, ob Musik aggressiv macht. Es werden Plattensammlungen von Amokläufern seziert, und wenn da Rammstein und Slayer auftauchen, folgt die Debatte um die Verantwortung von Künstlern. Nun haben Spezialisten nachgeforscht, wie aggressiv aggressive Musik macht.

So verhalten sich Kerle, die frauenfeindlicher Musik lauschen (als Beispiel dient hier "Sir Psycho Sexy" von den Red Hot Chili Peppers), angeblich unflätig gegenüber Frauen. Und wer "anti-soziale" Songs (als Beispiel dient hier Henry Rollins' alte Band Black Flag) mag, wird angeblich grimmig. Ungeklärt ist die Frage, ob Pop von Langweilern (Sting etc.) die Hörer langweiliger macht.

Nicht weitersagen

Was bei den Computer-Hipstern von Apple hinter den Kulissen passiert, wird normalerweise so geheim gehalten wie das Coca-Cola-Rezept. Nun hat ein Angestellter eines Apple-Stores ausgepackt, selbstverständlich anonym.

Irre sind die Anekdoten von Obdachlosen, die angeblich in den Laden kommen, um "sehr laut Death Metal" zu hören. Oder die Teenager, die zu Britney Spears aufgedreht durch den Laden tanzen.

Nicht aufgeben

Der Niedergang der alten Musikindustrie betrifft auch Aufnahmestudios. Berühmte Orte, an denen die Helden der Branche viele Klassiker produzierten, schließen reihenweise die Tore. Zu teuer! Legendäre Läden wie die "Abbey Road Studios" zu London, das ehemalige "Wohnzimmer" der Beatles, ist akut bedroht. Nun kommt eine überraschende Trendwende, denn - unglaublich aber wahr - die Unternehmen Red Bull und Converse eröffnen Studios in Amerika, Großbritannien und Südafrika. Klingt wie ein PR-Coup. Aber ein guter.

Nicht weitersingen

"Endlessly", das jüngste Album der Soul-Pop-Micky-Maus Duffy, ist anscheinend schwer abgeschmiert. Denn der "Daily Mirror" meldet, dass die Waliserin so enttäuscht sei, dass sie aufhören wolle, "sie will es nicht noch mal versuchen, kein Comeback starten. Sie will ein ruhiges Leben und von vorne anfangen". Das kann sie sich leisten, denn steinreich ist sie längst. Hoffentlich überlegt sie es sich nicht anders.

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
jot-we, 25.02.2011
1. °!°
Yeaaah - geht doch: man kann SPON-Autor sein UND distanziert, stilbewusst und treffsicher über Pop-Musik schreiben. Wer hätte das gedacht?
laberbratze 25.02.2011
2. Kennt man schon
Dass es Spaß macht, Musikfanatiker durch Entmystifizierung zu ärgern, ist nicht neu. Man müsse sich nur mal die Kommentare auf Youtube zur Scissor Sisters-Version von Comfortably Numb ansehen :) Gruppen wie Pink Floyd, Radiohead und REM zum Beispiel haben auffällig häufig Fans, die so reaktionär und spießig eingestellt sind wie die Leute, gegen die sie eigentlich protestieren (oder sagen wir mal so, gegen die besagte Gruppen protestieren). Sich aber dann an den Liedern ihrer Idole im Rahmen von hochpeinlichen Tribute-Bands vergreifen *g*
w.r.weiß 25.02.2011
3. Sehr schön....
Zitat von sysopDarf man Radiohead-Clips verballhornen? Unbedingt! Hört Duffy auf zu singen? Na, hoffentlich! Macht aggressive Musik aggressiv? Eine Studie behauptet: Ja! http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,747555,00.html
...bitte bitte Duffy hör auf zu singen!! Den Artikel schick ich jetzt erst einmal meiner Freundin, die fängt immer an durch´s Haus zu hüpfen wenn diese Micky-Maus-Quacktasche den Blaff aufmacht....puuuuh Ohrenschmerzen garantiert!!
äfflepferdle 25.02.2011
4. Artrock
Beim Artrock isses doch allgemein so dass die Fans todbeleidigt sind wenn es jemand wagt ihre ach so intelligenten, sozialkritischen und mental labilen Helden zu kritisieren. Beim Metal is das in einigen Untersparten genauso, man lese sich nur mal die (meist ironischen) Leserbriefe im RockHard von TrueMetallern und Pandabäreneliteblackmetallern. Je unhumoriger eine Szene ist, desto mehr Freude macht es die Protagonisten und deren Anhänger aufs Korn zu nehmen.
krusty20 25.02.2011
5. Titelfrei glücklich!
Zitat aus dem Artikel: "Legendäre Läden wie die "Abbey Road Studios" zu London, das ehemalige "Wohnzimmer" der Beatles, ist akut bedroht." Schade, mit etwas mehr Mühe und Sorgfalt hätte es sogar ein Satz werden können.
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