Pop! Das gehäutete Frettchen

Genug Geburtstagsjubel, nun rechnet der "New Musical Express" mit Bob Dylan ab - mittelmäßig seien dessen Songs. Das kurze Leben des AC/DC-Sängers Bon Scott wird hingegen mit einem Theaterstück geehrt. Und Gwyneth Paltrow will angeblich eine Millionengage für Country-Songs.


Dylan-Abrechnung

"His Bobness" wurde 70, da waren zwei Dinge unvermeidlich: Erstens die vorhersehbaren und langweiligen Bob-Dylan-Jubelarien. Zweitens die einsame Stimme des Querulanten, der keinen Respekt vor dem alten Meister hat, im Gegenteil.

Dieser Heiligen-Schreck gehört zu den englischen Geschmackspolizisten vom Magazin "New Musical Express", kurz "NME". Der "NME" war von Punk bis Brit-Pop eine der relevanteren Stimmen im Pop-Universum: laut, respektlos und vor allen jung! Im digitalen Zeitalter hat die altgediente Print-Hype-Maschine allerdings drastisch an Auflage verloren, gilt aber zumindest in Großbritannien noch als relevant. In ihrer Online-Ausgabe hat "NME"-Autor Mark Beaumont nun einen Schmäh-Text veröffentlicht mit dem Ziel, die "Heilige Kuh Dylan" zu schlachten. Jede einzelne Zeile macht klar, dass sie auf den größtmöglichen Krawall-Effekt hin formuliert ist. Dylan singe wie "ein Frettchen, das lebendig mit einem Kartoffelschälmesser gehäutet wird", legt Beaumont zu Beginn los und lässt dann eine Beleidigung auf die nächste folgen: mittelmäßig und eben sowieso überbewertet seien die Dylan-Lieder und seit Jahren ohnehin irrelevant. Das liest sich überwiegend herrlich unsachlich, enthält aber durchaus ein Körnchen Wahrheit, denn es ist schon faszinierend, wie sehr sich viele Dylan-Verehrer jeden Quatsch ihres umtriebigen Idols verklären. Egal, ob er Werbung für Reizwäsche oder belanglose Platten macht.

Das einzig wirklich Interessante an dem "NME"-Läster-Text sind Leser-Kommentare: Die Provokation des Autors ist geglückt, manche Leser wollen ihr Abo kündigen, andere Grundsätze des Journalismus debattieren: Herrlich.

Auch His Bobness würde sich amüsieren. Denn eines ist sicher: Bob Dylan hat mehr Humor als die meisten seiner Jünger!

Bühne zur Hölle

Auf den Einfall, das kurze wilde Leben des ersten AC/DC-Sängers Bon Scott zum Theater-Stück umzudichten, wäre man auch nicht so ohne weiteres gekommen. Nun ist es soweit: Am 12. Juli hat in Melbourne "Hell ain't a bad place to be - The story of Bon Scott" Premiere. Auf das Finale, bei dem der Hauptdarsteller im Auto an seinem Erbrochenen erstickt, darf man gespannt sein. Tickets gibt's auch.

iLeck

Das neue, zweite Album des amerikanischen Indie-Barden, der sich Bon Iver nennt, gehört zu den Neuerscheinungen dieser Saison, auf die ein großes Publikum gespannt wartet. Sein Debüt "For Emma, Forever Ago" geriet vor zwei Jahren zum Überraschungs-Kritiker- und vor allem Publikums-Hit. Am 17.6. soll offiziell die Fortsetzung veröffentlicht werden. Dafür, dass die Songs nun bereits vorab in Umlauf kamen, ist kein heimtückischer Hacker, sondern iTunes verantwortlich. Dort war vier Wochen vorab das neue Bon-Iver-Album im Angebot. Aus Versehen. Ein Irrtum, der behoben, aber kein Einzelfall ist: Auch Alben der Raconteurs und von Kelly Clarkson waren bei iTunes früher als geplant zu haben.

Kochen oder singen

Darüber, dass die Hollywood-Blondine Gwyneth Paltrow eine Country-Platte besingen möchte, wurde bereits berichtet. Dass das Werk auf sich warten lässt, liegt wohl vor allem daran, dass die Frau von Coldplay-Mann Chris Martin angeblich eine Millionen Dollar Sanges-Gage fordert. Da gefriert auch allen Plattenfirmen-Managern das Lachen. Ein Sprecher der Schauspielerin wiegelte nun ab, dass Paltrow eh sehr beschäftigt sei, zum Beispiel mit einem neuen Kochbuch!

Knisternde-Schätze

Eine frische Quelle toller Online-Gratis-Musik ist die National-Jukebox des US-Kongresses. Für Lau gibt es dort mehr als zehntausend historische Aufnahmen aus der Zeit vor 1925. Dabei knisternde Schätze an Blues, Jazz, Gospel und anderen Genres. Von alten Meistern wie Al Jolson, Enrico Caruso oder Fritz Kreisler. Kein Wunder, dass die Seite in Rekordzeit Millionen Zugriffe verzeichnete.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
jot-we, 27.05.2011
1. °!°
Ist ja ne tolle Geschichte mit der Musik aus der Congress Library! Aber - man ist ja nie zufrieden: weiss vielleicht jemand, wie man die Sachen auch noch speichern kann?
WillyWichtig 27.05.2011
2. Bob Dylan und das liebe Geld...
....das er all die Jahre gemacht hat. Sein Vermögen ist nicht unerheblich und ein Großteil davon steckt in Aktien der amerik. Rüstungsindustrie. Soviel zum Thema Peace, Love und Pancake-Ikonen der Flower-Power-Friedensbewegung.
avollmer 27.05.2011
3. Software-Tipp
Zitat von jot-weIst ja ne tolle Geschichte mit der Musik aus der Congress Library! Aber - man ist ja nie zufrieden: weiss vielleicht jemand, wie man die Sachen auch noch speichern kann?
Einfach mal nach "virtual sound card" googlen, damit kann man alle Audio-Streams aufzeichnen, gibt es für fast alle Betriebssysteme.
avollmer 27.05.2011
4. Bob Dylan?
Er kann einem schon auf den Sack gehen, der runde Geburtstag von Bob Dylan. Allenthalben wird man mit ihm belästigt. Ich mochte seine Musik nie und sonst hat er mir auch nichts zu sagen. Vielleicht weil ich keine volkstümliche Musik mag, auch nicht wenn sie in einer fremden Sprache daherkommt. Wenn schon, dann bitte richtig traditionell, Americana, Native oder Cajun, aber nicht dieses flachgespülte und unverbindliche Folk-Geschrammel zwischen Fahrstuhlmusik und Authentischem. Und dann die Lyrics! Er scheint seinen Namensgeber, sein Vorbild beschämen zu wollen. Man muss nur Dylan Thomas lesen um anschließend keinen Gedanken mehr an die Songtexte von Bob dem Tonbaumeister zu verlieren. Nur jetzt, jetzt hat er seinen Siebzigsten und die Feuilletoneska kann es nicht abwarten und sich irgendwann auf einen Nachruf beschränken. Er mag viele Musiker beeinflusst haben, einige haben sich an seiner Arbeit abgearbeitet, aber sie hätten alle besser auf seine Inspirationsquellen direkt zugegriffen. Dylan statt Bob, Native statt Dylanesque. Er war ein Türöffner auf eine Musik abseits des weißen Mainstreams, mehr nicht. Gleichzeitig banalisierte und konfektionierte er diese Musik und schuf eine White Adaption, ein Kolonialherr der Töne. Nein, Danke. Es ist tragisch, dass all dieser pseudo-Folk noch immer eine kommerzielle Verfügbarkeit authentischer amerikanischer Musik verhindert. Aus dem Native-Bereich sind fast nur Titel verfügbar, die esoterisch verschwurbelte Aufarbeitung ritueller Musik darstellt. Bei Cajun ist es besser, aber manche halten Folklore für Folk und Touristenanimation für originär autochthone Kultur. Die halten dann auch Disneyworld für ein Museumsdorf und Neuschwanstein für authentisches deutsches Mittelalter.
cognaq 27.05.2011
5. Bon Scott ist nicht an seiner Kotze erstickt
Ich glaube mich zu erinnern, dass ein Mediziner, wahrscheinlich Pathologe hier auf SPON einmal ausgeführt hat, dass der Obduktionsbericht von Bon Scott starke Merkmale einer Erfrierung aufweisst. Selbstredend war der Mediziner ACDC-Fan in der Zeit, als Bon Scott - zu unserem Leidwesen - zu früh - unglaublich unnötig - ein Riesenloch hinterlassend - bis heute unglaublich unvergessen von uns gegangen ist. Und er ist nicht an seiner Kotze erstickt!
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