Pop-Export Heldenzeit in London

Die Berliner Popgruppe Wir Sind Helden nimmt Reißaus und geht auf Clubtour ins europäische Ausland. Mit Erfolg: In London musste die Band um Sängerin Judith Holofernes sogar ein Zusatzkonzert ansetzen.


London - "Ich weiß nicht weiter/ Ich weiß nicht, wo wir sind" - der Refrain des Titelsongs vom aktuellen Wir-sind-Helden-Albums "Von hier an blind" könnte passender kaum sein. Neu war die Situation am gestrigen Abend schon. Die Berliner Popband spielte zum ersten Mal ein Konzert in London und musste wegen großer Nachfrage gleich noch ein Zusatzkonzert für den heutigen Abend ansetzen.

Sängerin Holofernes: "Ein bisschen so wie früher"
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Sängerin Holofernes: "Ein bisschen so wie früher"

Die "Garage" gehört allerdings eher zu den kleineren Clubs der englischen Hauptstadt. 500 Zuhörer feierten die deutsche Band, und ein nicht unerheblicher Anteil waren offenkundig Deutsche. Dennoch: "Das ist schon eine tolle Sache", sagte Keyboarder Jean-Michel Tourette im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte die Band bereits in Luxemburg und Amsterdam Station gemacht.

Die aktuelle Single "Von hier an blind" gibt es mittlerweile auch auf Englisch, Französisch und sogar Japanisch. Bereiten sich die Helden also auf eine internationale Karriere vor? "Nein, da steckt kein großes Ziel dahinter", wiegelt Tourette ab. "Es war einfach eine fixe Idee, auch mal im Ausland zu spielen. Wir streben keine Weltkarriere an." Auch Holofernes bekräftigt, bei ihren Wurzeln zu bleiben: "Wir singen auf Deutsch, dabei bleibt es."

Während britische Newcomer wie Franz Ferdinand, Kaiser Chiefs oder Maxïmo Park in Deutschland wie selbstverständlich Erfolge feiern, funktioniert der popkulturelle Austausch umgekehrt eher selten. Im europäischen Ausland und auf dem US-Markt erlangten Rammstein oder auch die Scorpions Berühmtheit, auch einige Dancefloor- und Technoprodukte wie Scooter oder Blümchen wurden begeistert im nicht-deutschsprachigen Ausland mitgegrölt, die Toten Hosen werden in Südamerika gefeiert. Doch der Deutsch-Pop, der in der Heimat gerade auf einer Welle des Erfolges schwimmt, schwappte bisher selten über die Grenzen.

Ab 13. November touren Wir Sind Helden wieder durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und spielen dann wieder vor 3000 bis 5000 jungen Fans und in ausverkauften Hallen. Obwohl ihnen die intime Clubatmosphäre eigentlich viel besser gefällt. "Es war ein bisschen so wie früher", sagte Holofernes sehnsüchtig nach ihrem Auftritt in London.



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