Pop! Niemand ist unersetzlich...oder?

Durften die Überlebenden von Queen Freddie Mercury ersetzen? Durfte die Prog-Rockgruppe Yes ihren Sänger mit einem Imitator austauschen? Dürfen Ärzte bei Operationen Black Sabbath hören? Was hat das alles mit Kele Okereke zu tun? Und wer sind eigentlich die "Fanilows"?

Getty Images

Abgesang.

Kele Okereke, bekannt geworden als Sänger der zackigen Britpop-Band Bloc Party und zuletzt als Solo-Künstler unterwegs, war durchaus überrascht, als er zur Kenntnis nehmen musste, dass seine Ex-Kollegen beschlossen hatten, mit einem neuen Sänger weiterzumachen. Interessant läuft es zurzeit auch bei den britischen Radaubrüdern von Gallows, deren Erfolg immer untrennbar mit ihrem volltätowierten Sänger Frank Carter verknüpft schien. Dass die Rest-Gallows, nachdem Carter im Sommer seinen Abgang verkündete, flugs einen Ersatzmann anheuerten, sorgte für allgemeines Erstaunen.

Besonders pragmatisch gingen die altgedienten Prog-Rock-Rentner von Yes ihr Sänger-Problem an. Als Jon Anderson, der jahrzehntelang mit unverwechselbar hoher Stimme bei Yes diente, zuletzt von Krankheit befallen war, engagierten seine Kollegen tatsächlich den Sänger einer Yes-Coverband! Nun streiten die Fans, ob das als Geniestreich oder Bankrotterklärung zu bewerten ist.

Die große Frage dahinter aber bleibt, wie austauschbar Rocksänger sind. Wie individuell sind Stimmen? Wie sehr hängen Fans an bestimmten Personen als Markenzeichen?

Die Popgeschichte habe gezeigt, dass Rock-Fans toleranter seien als Indie-Fans, behauptet ein Autor der Musikzeitung "NME" in einem Blog-Beitrag zum Thema. AC/DC zum Beispiel pulverisierten alle Zweifel nach Bon Scotts Tod mit dem neuen Sänger Brian Johnson und "Back in Black", ihrem erfolgreichsten Album überhaupt.

Andererseits taten sich Queen oder The Doors mit läppischen Ersatzsängern keine Gefallen. INXS rekrutierten ihren Ersatz für Michael Hutchence gar mittels einer TV-Show. Man kann endlos darüber streiten, was zulässig ist oder eben nicht. Wie so ein Dilemma halbwegs elegant zu lösen ist, bewiesen einst die Überlebenden von Joy Division. Nach dem Suizid ihres Sängers Ian Curtis änderten sie ihren Namen, ihren Sound, ließen ihren Gitarristen singen und waren fortan als New Order erfolgreich.

Absturz

Auch Sly Stone wurde schon einmal für tot erklärt. Das war zum Glück ein Irrtum, aber böse erwischt hat es die Soul- und Funk-Legende trotzdem. Der hochbegabte Künstler, der einst mit Hits wie "Dance To The Music" für Millionenumsätze sorgte und in Woodstock auftrat, ist, wie nun gemeldet wurde, obdachlos. Genauer gesagt, lebt er mittlerweile in einem Van: "Ich brauche dringend einen Job", sagt er. Das ist ihm zu wünschen.

Geheimnis.

Roadies erleben, was sich hinter den Kulissen des Rock'n'Roll-Zirkus abspielt. Sie kennen jedes schmutzige Detail - und sie schweigen. Denn Roadies gehören zu den großen Geheimnisträgern im Musikgeschäft. "Ich glaube an die Zehn Gebote, aber ich breche sie!", sagt ein Roadie in "On The Road", einer neuen Dokumentationsreihe über diesen besonderen Berufsstand. Die erste Folge ist jetzt online zu bestaunen.

Dröhnung.

Eine neue Studie belegt, dass, zumindest in England, 90 Prozent aller Ärzte bei operativen Eingriffen mit Musik entspannen. Und zwar nicht mit Klassik, sondern überwiegend mit lautem Rock, etwa von Black Sabbath. Das helfe bei der Konzentration und vertreibe die Langeweile. Pietätvoll würden aber unpassende Songs wie Queens "Another One Bites The Dust" gemieden.

Verehrung.

Eine so überflüssige wie amüsante Hitliste sammelt bizarre Namen von Popstar-Fan-Gruppen. Die "Deadheads" vergöttern The Grateful Dead, Verehrer von Barry Manilow heißen "Fanilows", Liebhaber der Killers nennen sich "The Victims", und Menschen, die für Justin Bieber kreischen, sind "The Beliebers".

Mehr zum Thema


insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Linus Haagedam, 30.09.2011
1. zum Thema "Abgesang"...
..ist es doch nun wirklich einfach: In Rock-, Pop- und Indiebands ist jeder ersetzbar, der nicht den Kern der Truppe ausmacht. Jim Morrison/ Door: Nicht ersetzbar, Bob Scott/ ACDC: Ersetzbar, weil Angus Young Mastermind und Kopf der Gruppe ist (Scott war nicht einmal Gründungsmitglied). Freddie Mercury/ Queen: Kaum ersetzbar, da zwar Brian May Co-Chef ist aber letztlich Freddie alles überstrahlte. Ian Curtis/ Joy Division: Nicht ersetzbar, als er tot war hat die Truppe einfach ohne ihn mit neuem Namen ganz andere Musik gespielt. Das geht natürlich immer. Kurt Cobain/ Nievana: Nicht ersetzbar, auch wenn sich Dave Grohl einen eigenen Namen nach Nirvana erarbeitet hat. Jon Anderson/ Yes: Ersetzbar, da er zwar lange das Markenzeichen der Combo gewesen ist - aber in der Zeit seiner Abwesenheit die größten Erfolge gefeiert wurden. Bei der Prog-Bands zieht sich das ja durch: Genesis, Pink Floyd: Hier gehören fundamentale Umbesetzungen, musikalische Umbrüche und lange Entwicklung, die Einteilung in Phasen "mit/ohne x" zm Geschäftsmodell. Und weiter in der Logik: U2 ohne Bono, Rolling Stones ohne Mick Jagger: Nein. Obwohl mit The Edge und Keith Richards Co-Masterminds zur Verfügung stehen, bilden beide Sänger den wesentlichen Anteil am unverzichtbaren Kern ihrer Truppe. Anders wäre es bei The Who: Ohne Roger Daltrey wäre es natürlich nicht das Gleiche geblieben. Aber wenn er, z.B. 1970 nach "Tommy", vor "Who's Next?" ausgestiegen wäre - da einziger Kopf der Gruppe Pete Townshend ist, hätten The Who sicher mit neuem Sänger weitermachen können. Kele Okereke und Bloc Party ist nun genau auf der Grenze. Ich tendiere zu: Nicht ersetzbar, ähnlich wie bei Joy Division. Die anderen drei können sich einen neuen Sänger holen und ihren Indiepop weiterspielen - aber nur unter anderem Namen. Aber damit können sie nach neuesten Meldungen ja wohl doch noch warten, da Kele wohl nun doch bei Bloc Party bleibt. So ist das.
nixi40 30.09.2011
2. Genesis I, II und III
Auch Genesis haben den Austritt des begnadeten Peter Gabriel - man möchte schon fast sagen leider - gut überstanden und haben sich nach zwei überraschend guten Platten, dem Fortgang des Gitarristen Steve Hackett und dem darauf folgenden Komplettausverkauf der musikalischen "Idee Genesis" zu einer der erfolgreichsten Pop-Bands der 80er und 90er degradiert. Trick #1: Sie haben weder für Gabriel noch für Hackett neue Bandmitglieder aufgenommen sondern schrumpften offiziell zum Trio mit zehn Händen (Chester Thompson und Daryl Stuermer). Trick #2: Sie änderten ihren Stil schrittweise aber gnadenlos zum Mainstream-Pop bis sie letzlich als Phil-Collins-Begleitband Stadien füllten und mit den klassischen Genesis nichts mehr zu tn hatten. Als Pop-Band noch immer überdurchschnittlich aber als Genesis unterirdisch.
Nerem 30.09.2011
3. Yes
Zitat von Linus Haagedam..ist es doch nun wirklich einfach: In Rock-, Pop- und Indiebands ist jeder ersetzbar, der nicht den Kern der Truppe ausmacht. Jim Morrison/ Door: Nicht ersetzbar, Bob Scott/ ACDC: Ersetzbar, weil Angus Young Mastermind und Kopf der Gruppe ist (Scott war nicht einmal Gründungsmitglied). Freddie Mercury/ Queen: Kaum ersetzbar, da zwar Brian May Co-Chef ist aber letztlich Freddie alles überstrahlte. Ian Curtis/ Joy Division: Nicht ersetzbar, als er tot war hat die Truppe einfach ohne ihn mit neuem Namen ganz andere Musik gespielt. Das geht natürlich immer. Kurt Cobain/ Nievana: Nicht ersetzbar, auch wenn sich Dave Grohl einen eigenen Namen nach Nirvana erarbeitet hat. Jon Anderson/ Yes: Ersetzbar, da er zwar lange das Markenzeichen der Combo gewesen ist - aber in der Zeit seiner Abwesenheit die größten Erfolge gefeiert wurden. Bei der Prog-Bands zieht sich das ja durch: Genesis, Pink Floyd: Hier gehören fundamentale Umbesetzungen, musikalische Umbrüche und lange Entwicklung, die Einteilung in Phasen "mit/ohne x" zm Geschäftsmodell. Und weiter in der Logik: U2 ohne Bono, Rolling Stones ohne Mick Jagger: Nein. Obwohl mit The Edge und Keith Richards Co-Masterminds zur Verfügung stehen, bilden beide Sänger den wesentlichen Anteil am unverzichtbaren Kern ihrer Truppe. Anders wäre es bei The Who: Ohne Roger Daltrey wäre es natürlich nicht das Gleiche geblieben. Aber wenn er, z.B. 1970 nach "Tommy", vor "Who's Next?" ausgestiegen wäre - da einziger Kopf der Gruppe Pete Townshend ist, hätten The Who sicher mit neuem Sänger weitermachen können. Kele Okereke und Bloc Party ist nun genau auf der Grenze. Ich tendiere zu: Nicht ersetzbar, ähnlich wie bei Joy Division. Die anderen drei können sich einen neuen Sänger holen und ihren Indiepop weiterspielen - aber nur unter anderem Namen. Aber damit können sie nach neuesten Meldungen ja wohl doch noch warten, da Kele wohl nun doch bei Bloc Party bleibt. So ist das.
Da ich Yes seit ca. 10 Jahren nicht mehr verfolge, kann ich bei der Gelegenheit nachfragen: Welche Erfolge gab es ohne Jon Anderson? Es geht nicht um irgendwelche Hitparaden-Geschichten, da war Yes ja generell (90125 als Ausnahme) nicht so vertreten, sondern um Konzerte bzw. CD/DVD-Umsätze (auch im Verhältnis zu der umsatzschwächeren Gesamtlage heutzutage). Ich dachte immer, die 90125-Zeit und kurz danach wären die letzten wirklich erfolgreichen Jahre gewesen.
incognito@spon 30.09.2011
4. Die Unersetzlichen
Es ist ganz einfach, wer in der Rockmusik unersetzlich ist: Nämlich der, bei dem der Erfolg der Band am meisten von dessen Kreativpotential abhängt. Dies ist in erster Linie oft der Frontmann, aber nicht immer unbedingt. Freddy Mercury war der Motor von Queen, genauso wie es Jim Morrison für die Doors war. Auch INXS kann man sich schwerlich ohne Hutchence vorstellen. Auch wenn die Band Santana mit vielen Sängern gearbeitet hatte, ist sie ohne Carlos Santana nicht vorstellbar. Auch die Stones kann man sich mit allen möglichen Konfigurationen vorstellen, vorausgesetzt Jagger und Richards sind dabei. Pink Floyd hat selbst nach dem Abgang von Roger Waters gute Musik machen können und war damit erfolgreich. Während Waters sich selbst mit Pink Floyd durch seine Selbstfindungsprozesse ins Abseits drängte (The Final Cut), war der Motor des Progrock-Charakters David Gilmour mit seiner unverwechselbaren Gitarre. Er machte aus einer Indie Band eine der größten Progrock-Bands überhaupt. Genesis konnte eine Wandlung von einer erfolgreichen Progrock-Band zu einer erfolgreichen Popband machen. Dabei fand die Charakteränderung nicht durch den Weggang von Peter Gabriel, sondern durch Steve Hackett statt. Phil Collins konnte der Band seinen Stempel aufdrücken und in Richtung Pop weiterentwickeln. Ohne Collins ging die Band freilich baden. Bands, die nur noch ihre alten Erfolge abspielen, kommen freilich auch mit Kopien ihrer Sänger aus, wie z.B. Journey. Auch behauptet eine Band ohne Jeff Lynne, ELO zu sein und macht das nicht allzu schlecht. Allerdings ist dabei auch nichts neues zu erwarten.
!!!Fovea!!! 30.09.2011
5. Wenn Cover, dann richtig!
Zitat von Linus Haagedam..ist es doch nun wirklich einfach: In Rock-, Pop- und Indiebands ist jeder ersetzbar, der nicht den Kern der Truppe ausmacht. Jim Morrison/ Door: Nicht ersetzbar, Bob Scott/ ACDC: Ersetzbar, weil Angus Young Mastermind und Kopf der Gruppe ist (Scott war nicht einmal Gründungsmitglied). Freddie Mercury/ Queen: Kaum ersetzbar, da zwar Brian May Co-Chef ist aber letztlich Freddie alles überstrahlte. Ian Curtis/ Joy Division: Nicht ersetzbar, als er tot war hat die Truppe einfach ohne ihn mit neuem Namen ganz andere Musik gespielt. Das geht natürlich immer. Kurt Cobain/ Nievana: Nicht ersetzbar, auch wenn sich Dave Grohl einen eigenen Namen nach Nirvana erarbeitet hat. Jon Anderson/ Yes: Ersetzbar, da er zwar lange das Markenzeichen der Combo gewesen ist - aber in der Zeit seiner Abwesenheit die größten Erfolge gefeiert wurden. Bei der Prog-Bands zieht sich das ja durch: Genesis, Pink Floyd: Hier gehören fundamentale Umbesetzungen, musikalische Umbrüche und lange Entwicklung, die Einteilung in Phasen "mit/ohne x" zm Geschäftsmodell. Und weiter in der Logik: U2 ohne Bono, Rolling Stones ohne Mick Jagger: Nein. Obwohl mit The Edge und Keith Richards Co-Masterminds zur Verfügung stehen, bilden beide Sänger den wesentlichen Anteil am unverzichtbaren Kern ihrer Truppe. Anders wäre es bei The Who: Ohne Roger Daltrey wäre es natürlich nicht das Gleiche geblieben. Aber wenn er, z.B. 1970 nach "Tommy", vor "Who's Next?" ausgestiegen wäre - da einziger Kopf der Gruppe Pete Townshend ist, hätten The Who sicher mit neuem Sänger weitermachen können. Kele Okereke und Bloc Party ist nun genau auf der Grenze. Ich tendiere zu: Nicht ersetzbar, ähnlich wie bei Joy Division. Die anderen drei können sich einen neuen Sänger holen und ihren Indiepop weiterspielen - aber nur unter anderem Namen. Aber damit können sie nach neuesten Meldungen ja wohl doch noch warten, da Kele wohl nun doch bei Bloc Party bleibt. So ist das.
So einfach ist es nicht: Mastermind Edge / Richards... - der eine hat diverse Songs mit einem Stil zustande gebracht (man schaue sich nur die Doku "It might get loud" an, dann weiß man das "The Edge" eine gitarristischer Zwerg ist!), Keith Richards eine Marionette der schon vor 30 Jahren aufgehört hat sich weiter zu entwickeln.... Led Zeppelin ist DAS Vorbild: die haben die Konsequenz gezogen und haben nicht weiter gemacht, außer bei ein paar Benefizkonzerten (Live Aid sollte man dabei nicht erwähnen -peinlich!). Aber die größte Peinlichkeit bietet Deep Purple.... Nur das so am Rande, ach Queen hat sich keinen Gefallen getan mit P. Rodgers....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.