Popkomm online Die Messe geht ins Netz

Während sich die Musikindustrie noch schwer tut, sich dem Internet zu öffnen, nutzt die Popkomm das Online-Medium für umfassende Berichterstattung und Extra-Veranstaltungen.


Worum geht es eigentlich seit 12 Jahren auf der Popkomm? Dialog schaffen, Kommunikation zwischen Industrie, Independents, Medien und Usern. Ziele, die im hektischen, dreitägigen Gewusel zwischen Events, Partys und Konferenzen oft in den Hintergrund geraten. Dabei schafft es die mittlerweile etablierte Messe doch hin und wieder, Bahnen zu brechen im oft verhärteten Gerangel der unterschiedlichen Interessengruppen.

popkomm.de-Homepage

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Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die umfassende und erschöpfende Nutzung des Internet, um die Inhalte der Kölner Musiktagung über die Rheinufer hinauszutragen. Zwei prall gefüllte Plattformen machen den Besuch der Messe schon fast überflüssig.

Die Netzoffensive begann bereits Monate vor Beginn der Popkomm 2000 mit dem Ausbau der bisher streng messeabhängigen Website www.popkomm.de zur eigenständigen und ganzjährigen Serviceseite, die nun neben steter News-Aktualisierung über den Stand der Popkomm-Planung und Akkreditierungshilfen auch allgemeine Musik-News, Künstler-Features, TV und Radio, sowie MP3s und launige Entertainmentgimmicks anbietet.

Unterhalten wird der "Music Service Provider" (Pressetext) von der neu gegründeten PopOnline GmbH, geführt von dem ehemaligen stellvertretenden Popkomm-Geschäftsführer Ralf Plaschke und einem achtköpfigen Redaktionsteam unter Leitung des Musikjournalisten Ralf Niemczyk ("From Skratch"). "Mit der PopOnline GmbH verfolgen wir zunächst zwei Ziele", sagte Plaschke bei der Einführung des neuen Netzangebots im Juni. "Zum einen bauen wir popkomm.de zu einer einzigartigen und offenen Kommunikationsplattform für Fan und Branche aus. Zum anderen fungiert die Gesellschaft durch innovative Produkte, Beratung und Dienstleistung als Vermittler."

phonokomm.de-Homepage

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Eines dieser innovativen Produkte ist die über das Portal popkomm.de erreichbare "virtuelle Messe" phonokomm.de. Unterstützt durch tomorrow.de, wird hier praktisch das gesamte Programm der Musikmesse im Internet aufbereitet. Der User surft durch oft schreibunte, animierte Grafikmenüs und kann sich getreu seiner Vorlieben über Events, News und Hintergründe in den jeweiligen Musikgenres informieren. Webchats, Livestreams von ausgewählten Veranstaltungen des abendlichen "Komm.Unity"-Programms, Musikclips und Videos runden das praktische Angebot ab. Highlights des Messeprogramms im Netz sind Liveübertragungen vom Eröffnungskonzert im Kölner E-Werk, ein Produzenten-Wettbewerb unter der Ägide von DJ Sammy oder ein "Tag mit der 3. Generation" - Webreporter begleiten die Berliner Popband bei ihren Erlebnissen auf der Musikmesse.

Dabei funktioniert phonokomm.de vor allem als Sprungbrett für die diversen Messeteilnehmer und Aussteller aus dem Online-Sektor, die mit "virtuellen Messeständen" verlinkt sind. Viele Unternehmen bieten zudem Extra-Features wie TV-Übertragungen (Giga TV, Popkomm TV, MTV Videochannel etc.)

Was am Ende von den ehrgeizigen Plänen der PopOnline-Macher in Erfüllung geht, wird man erst nach der Popkomm wissen. popkomm.de plant jedoch schon für die nächsten Wochen. Erstes Highlight: am 28. August wird sich der Szene-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre im popkomm.de-TV-Livestudio einer Übertragung unterziehen. Bis dahin gibt es hoffentlich auch ein durchsichtigeres grafisches Konzept der beiden Websites, die an Struktur und Übersichtlichkeit noch einiges zu wünschen übrig lassen. Vor allem - auch wenn es vielleicht die Hoffnung auf bessere Zeiten signalisieren soll - müsste man sich dringend von der grünen Hintergrundfarbe verabschieden.

Andreas Borcholte



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