Popmusik im Nahen Osten Araber macht Hits aus Hass

"War sells" - das gilt nicht nur für die Politik. Ein ägyptischer Sänger nutzt die Stimmung gegen die USA und Israel für Lieder, die in der arabischen Welt in kürzester Zeit zu Hits werden. Seine neuesten Werke heißen "Ich hasse Israel" und "Angriff auf den Irak".

Amman - "Tschetschenien! Afghanistan! Palästina! Der südliche Libanon! Die Golan-Höhen! Und jetzt auch der Irak? Es ist zu viel für die Menschen. Schande auf euch! Genug, genug, genug!" Zeilen wie diese bewegen derzeit die arabische Welt. Das Lied "Der Angriff auf den Irak" erlangte in kürzester Zeit einen enormen Erfolg. Nach einem Bericht der "Washington Post" sind CDs und Kassetten ständig vergriffen, die Fans kennen die Textzeilen auswendig - trotz geringer Werbung.

Der Macher des Hits heißt Shaaban Abdel-Rahim, ein Ägypter, der es versteht, die Stimmung der Zeit im Nahen Osten aufzufangen. "Die Menschen haben Angst zu reden, aber Shaaban singt. Er teilt durch die Musik mit, was die Leute auf der Straße sagen. Er hat keine Angst", sagte Machmud Barguti, ein Kleiderverkäufer in Amman, der "Washington Post".

Abdel-Rahim ist kein Unbekannter in der arabischen Musikwelt. Seine Songs, die sich von der traditionellen arabischen Musik absetzen und Elemente westlicher Stile wie HipHop benutzen, pfeffert er mit politischen Inhalten. Mit Hass zu Hits: Abdel-Rahim beherrscht diese Klaviatur in Vollendung.

"Ich hasse Israel" war der Titel eines seiner letzten Erfolgslieder. Der israelische Premier Ariel Sharon, heißt es darin, "steht in einem Swimmingpool, während Blut wie Regen fällt. Schaut auf Israel und seine Armee. Es greift an und tötet, und warum ist das nicht genug?"

Die harten Zeilen führten in Ägypten, Jordanien, dem Libanon und anderswo zu einem Erfolg über Nacht. Ein Verkäufer in Amman sagte der "Washington Post", er habe jeden Tag bis zu 100 schnell kopierte CDs und Kassetten verkauft. Ein anderer erzählte, er habe allein am vergangenen Freitag 300 CDs und 80 Kassetten unter die Leute gebracht.

Die staatlichen Radio- und Fernsehstationen weigern sich dem Bericht zufolge noch, das Lied zu spielen. Doch genügend Publikum bekomme Abdel-Rahim auch so, denn die wenigen privaten Stationen gehen offenbar weniger zimperlich mit dem neuesten Erzeugnis arabischer Popmusik um. "Dream TV" in Ägypten spiele das Musikvideo viermal in etwas mehr als einer Stunde. Im Libanon strahle "Melody Hits" das Lied einmal alle zwei Stunden aus.

"Niemand weiß morgen, wer als nächstes dran sein wird", zitiert die "Washington Post" den Sänger. Den USA warf er vor, sie "verbreiten ihre Korruption und Unterdrückung" und versuchten den "israelischen Traum" in der arabischen Region zu erfüllen. Gleichzeitig kritisiere Abdel-Rahim in seinem Text aber auch den irakischen Präsidenten Saddam Hussein dafür, dass er nicht auf die Führer der anderen arabischen Staaten höre.

Protest und Patriotismus haben in der arabischen Musikwelt Tradition, doch Abdel-Rahim ist dennoch ein Außenseiter unter seinen Kollegen. Seine Herkunft aus der Arbeiterklasse der Vororte Kairos sind für seine Fans ein Zeichen für Ehrlichkeit - für die kulturelle Elite allerdings ist er ein Flegel mit schlechten Manieren.