Popstar George Michael Loben oder Klappe halten

George Michael hat einen legendären Ruf - als Sänger, als Skandalnudel, als Medienquälgeist, der nicht unbedingt mit Songs, sondern mit Gerichtsprozessen von sich reden macht. Neueste Marotte des Popstars: die Zensur seiner Fans.


Popstar Michael: "Liebe und Frieden - oder gar nichts"

Popstar Michael: "Liebe und Frieden - oder gar nichts"

80 Millionen Platten verkaufte der gebürtige Brite bislang - acht Jahre ließ er sich für sein letztes Album Zeit. Sinniger Titel der CD: "Patience" - Geduld. Geduld ist allerdings keine Ressource, über die Michael selber großzügig verfügen würde: Der Ex-Wham!-Musiker wird den Chatroom seiner Website schließen. Grund für die verbiesterte Aktion: Der Popstar ist genervt von negativen Kommentaren, die seine Anhänger auf der Website posten. So hatten Fans ihn als zu alt und übergewichtig bezeichnet und darüber hinaus die zurückhaltende Werbung für das letzte Album bemängelt. Auch Kritik an der Qualität von "Patience" wurde laut - für den Musiker zu viel Kritik.

"Wie ihr wisst, ist es für mich in Zukunft wichtig, mich von der Negativität der Medien fernzuhalten. Ich glaube, sie ist schlecht für mich und die Musik im Allgemeinen. Ich finde es bedauerlich, dass die Foren mit derart viel negativen Kommentaren vollgepackt sind", beklagte sich der Popstar in einer auf seiner Website platzierten Meldung. "Diejenigen unter euch, die das Werk der Medien fortsetzen wollen, müssen dies in Zukunft woanders tun."

"Liebe und Frieden - oder überhaupt nichts", endet die Adresse, die den Star mal wieder als die querulante Diva ausweist, als die ihn die Medien gerne vermarkten. Michaels Anhänger nahmen die Zensur allerdings nicht tonlos hin: "Es ist ein Fan-Forum, das bedeutet Redefreiheit", lautet ein Eintrag, "die Leute haben ein Recht auf ihre Meinung." Noch deutlicher formuliert es ein anderer Fan: Die Aktion sei eine Beleidigung, die sich Michael nicht leisten könne.

Koketterie mit der Rolle des Medienopfers gehört zum guten Ton im Popgeschäft. So inszenierte sich Soulpop-Ikone Prince nach seinem Rausschmiss beim Medienmulti Warner als Leibeigener, der seine Ketten sprengt; bei den BritAwards 1995 schrieb sich der Musiker "Slave" (Sklave) auf die Wange. Rock-Sängerin und Kurt-Cobain-Witwe Courtney Love verklagte neben Ex-Bandmitgliedern von Nirvana und deren Plattenfirmen auch Journalisten, die angeblich Falsches über sie berichteten. Sich explizit gegen die eigenen Fans zu wenden, macht mit der Pose des unverstandenen Kreativen jedoch in einer neuen, kompromisslosen Weise ernst. "Patience" müssen George-Michael-Fans also haben.



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