Popstar Robyn "Ich genieße es, einen starken Willen zu haben"

Rankin/Ministry of Sound Recordi

2. Teil: "Vielleicht kann man nicht älter werden und Popkünstlerin bleiben"


SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie Ihre eigene Arbeit nicht als Kunst verstehen - was ist dann Kunst für Sie?

Robyn: Kunst ist für mich ein viel enger gefasster Teil von Kultur - sehr intellektuell und kopflastig. Bei Pop geht es um Verständigung. Als Popkünstlerin sehe ich es als meine Aufgabe an, über Dinge zu sprechen, mit denen die Leute etwas anfangen können. Als DJ bringt es einem ja auch nichts, wenn man nur die Dinge spielt, die einem selbst gefallen, aber niemand tanzt. Einen Austausch mit dem Publikum zu haben, ist für mich sehr erstrebenswert. So gesehen hat Popmusik hat eine sehr praktische Seite.

SPIEGEL ONLINE: Dann reizt es Sie nicht, irgendwann einmal etwas Elitäreres machen? Den Massengeschmack zu ignorieren?

Robyn: Elitär ist das richtige Stichwort - so sehe ich einen Großteil der Kunstproduktion. Aus dieser Richtung komme ich persönlich - meine Eltern betreiben eine experimentelle Theatertruppe, viele meiner Freunde und auch mein Freund machen ziemlich elitäres Zeug. Deshalb ist das keine echte Herausforderung für mich. Was jetzt nicht heißen soll, dass ich eine tolle Konzeptkünstlerin wäre. Ich finde es nur viel reizvoller, im popkulturellen Feld zu arbeiten. Aber vielleicht ändert sich das, wenn ich älter werde. Darüber mache ich mir viele Gedanken: Wie man in der Popindustrie in Würde altern kann, ohne darauf festgelegt zu werden, was sich für eine Frau in einem gewissen Alter gehört. Vielleicht muss ich mich früher oder später auf die intellektuellere Schiene verlagern.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen, ab einem gewissen Alter wäre das für eine Künstlerin angemessener als weiterhin Pop zu machen?

Robyn: Nein, nicht angemessener - es ist nur einfach schwer möglich, mit zunehmendem Alter noch eine Popkünstlerin zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Dann scheinen Sie Madonnas Arbeiten der letzten Jahre wohl nicht sehr zu schätzen.

Robyn: (Lacht). Ich glaube, Madonna interessiert sich mittlerweile mehr fürs Filme machen, denn für Musik.

SPIEGEL ONLINE: Welche Künstlerin geht denn Ihrer Meinung nach am besten mit ihrem Alter um?

Robyn: Warum fragen Sie mich nur nach Künstlerinnen, nicht nach Künstlern allgemein? Dauernd wird man übers Frausein und nicht über die Musik definiert. Ich hoffe, ich kann dem irgendwann entkommen und nur mich selbst definieren, ohne mich von anderen Frauen abgrenzen zu müssen. Vielleicht ist das aber nur jenseits des Popkontextes möglich. Wobei: Zurzeit passiert in der Popmusik viel Interessantes. Eine Menge Leute versuchen, die Regeln, wie man zu klingen und auszusehen hat, zu durchbrechen. M.I.A. zum Beispiel entspricht in keiner Weise der gängigen Vorstellungen von einer Popsängerin. Sie stellt so viel in Frage - sie ist großartig. Lady Gaga ist auch mutig. Sie lässt nichts unversucht, ist super ehrgeizig.

SPIEGEL ONLINE: Gehen Sie viel in Clubs, um dort Inspirationen zu bekommen, oder brauchen Sie Abgeschiedenheit, um etwas Eigenes zu machen?

Robyn: Ich brauche Input von außen. Deshalb fand ich es auch zunächst so schwierig, wieder zu Hause zu sein: Auf Tour hört man so viel neues und tolles Zeug und trifft andere Musiker. Das hat mir so gefehlt, dass ich mit Freunden eine Clubnacht in Stockholm gestartet habe: Tutti Frutti. Wir spielen dort die Musik, mit der wir aufgewachsen sind, aber haben auch ein Auge darauf, was aktuell passiert. Unser Ziel war es, eine Umgebung zu schaffen, in der sich jeder willkommen fühlt - auch wenn er nicht das coolest kid ist. Nichts Protziges, der Eintritt ist echt günstig. Und die Leute haben unsere Idee sofort verstanden! Leider mussten wir mit Tutti Frutti erst einmal aufhören, weil ich wegen der drei Alben und den Touren keine Zeit mehr dafür habe.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange wollen Sie denn den Veröffentlichungsmodus beibehalten und in kurzen Abständen Mini-Alben herausbringen?

Robyn: Vielleicht für immer. Aber wenn alle drei Alben für dieses Jahr erst einmal draußen sind, werde ich sicherlich eine Pause einlegen müssen, um mich ein wenig zu erholen.

Das Interview führte Hannah Pilarczyk

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insgesamt 2 Beiträge
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SBasker 15.06.2010
1. Robin
Zitat von sysopDrei Alben in nur einem Jahr: So meldet sich der schwedische Popstar Robyn zurück. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt die Sängerin, was es mit ihrer Song-Schwemme auf sich hat, was sie an den Neunzigern cool findet - und warum sie nicht zu anderen Frauen befragt werden will. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,700097,00.html
Robin Miriam Carlsson ist ja Sängerin und Songwriterin, sie ist in Amerika besonders für ihren Song von 1997 "Do You Know (What It Takes)" bekannt. Mir gefallen aber auch ihre aktuellen Titel. Heruntergeladen habe ich sie mir mit meinem Downloadportal für legale und preisgünstige Musik (http://www.plantor.de/2009/downloadportal-fuer-legale-und-preisguenstige-musik/).
Lunabyte 16.06.2010
2. ...
Die Frau ist unverwechselbar und sehr talentiert. Eine meiner absoluten Lieblingskünstlerinnen!
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