Popstar Sandy Blondine im Dauereinsatz

Ob nackt in der Peta-Kampagne oder gut gelaunt im TV-Dauereinsatz: Sandy Mölling ist das einzige Ex-Mitglied der Girlgroup No Angels, das auch als Solo-Künstlerin erfolgreich ist. Das Geheimnis der sympathischen Blondine: harte Arbeit und strenge Disziplin.

Von Thomas Winkler


Der Flieger landete verspätet, der Ablaufplan ist längst in Unordnung, der Dreh bei Viva verzögerte sich und auf dem Weg zum nächsten Termin, irgendwo zwischen Aufzug, Treppenhaus und Taxi klemmt dir auch noch der Manager ein Handy ans Ohr. Ein Telefoninterview geben, noch eins. Popstar werden ist nicht schwer. Popstar sein dagegen sehr. Immer unterwegs, immer im Stress, aber Sandy Mölling bleibt immer freundlich. Das ist ihr Job. "Ich arbeite gern", sagt sie durchs Telefon.

Die 25-jährige Mölling ist der Öffentlichkeit nahezu ausschließlich unter ihrem Vornamen bekannt. Ihre Arbeit besteht im Allgemeinen vor allem darin, diese Bekanntheit weiter zu vermehren, und momentan im speziellen darin, "Frame of Mind" zu bewerben, ihr zweites Solo-Album. Auf dem singt Sandy Songs, die sich an einem internationalen Popstandard orientieren, der nicht erst seit vorgestern die Charts dominiert. Ihre aktuelle Single "Crash", ein Remake des 1988er Hits der Primitives, ist diese Woche auf Platz 24 eingestiegen. Das kann noch besser werden.

Ihre Bekanntheit hat Mölling erworben als eine von fünf Gewinnerinnen der ersten Staffel der Casting-Show "Popstars" und als Mitglied der daraus entstandenen und mittlerweile wieder aufgelösten Girlgroup No Angels. Die Plattenfirma, die nun die Solokünstlerin Sandy vermarktet, legt Wert auf die Feststellung, dass ihr Schützling der erfolgreichste ehemalige No Angel ist. Tatsächlich ist die frühere Mitstreiterin Lucy als Jury-Mitglied in der Viva-Karaoke-Show "Shibuya" die Kollegin eines solch prominenten Kollegen wie Bürger Lars Dietrich, während Sandy immerhin mit Oli P. "The Dome" moderieren darf.

Es sind nicht die einzigen Auftritte im Fernsehen: Neben der Moderationen der Teenie-Show für den Privat-Sender ProSieben tanzte sie unlängst bei "Let's Dance" für die Konkurrenz von RTL. Während Heide Simonis ausstieg, erreichte Mölling immerhin das Halbfinale und bei Stefan Raabs "TV Total" ist die attraktive Blondine mittlerweile fast Stammgast. Für die Peta-Kampagne gegen Pelze hat sie sich nackt fotografieren lassen, ohne wirklich etwas zu zeigen, aber "Leute heute", dem Boulevardmagazin des ZDF, war das trotzdem einen Beitrag wert.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, denn es gibt viele Gelegenheiten, zu denen Mölling ihre strahlenden Zahnreihen blitzen lassen und ihr leicht pausbäckiges Lächeln zeigen kann. Die fein ausbalancierte Rolle zwischen stets fröhlichem, natürlichem Mädchen von nebenan und verführerischer Traumfrau steht ihr gut. Nur dass Mölling von einer Rolle nichts wissen will: "Ich bin in der Öffentlichkeit sehr nah an der Person, die ich auch privat bin", sagt sie, "das, was man bekommt, das bin ich."

Das, was man bekommt, ist vor allem ein Identifikationsobjekt für Mädchen, die dabei sind, ihre Pubertät zu verarbeiten, und so eine wie die Sandy gerne als Kumpel hätten oder noch lieber gleich so wären wie sie. Die Zielgruppe bekommt im "BamS"-Interview gut gemeinte Warnungen vor Bulimie mit auf den Weg und ansonsten leicht verdaulichen Allerweltspop mit ein wenig Rock-Aufregung serviert, wie ihn auch Anastacia, Kelly Clarkson oder Jeanette Biedermann kredenzen. Die Texte immerhin gehen neuerdings bisweilen hinaus über das übliche Liebesgeklingel. So behandeln zwei Songs auf "Frame of Mind" den Tod von Möllings Stiefvater.

Überhaupt zeichnet sie erstmals als Mitautorin einzelner Songs verantwortlich. Auf 50 Prozent beziffert sie ihren Beitrag und den Rest der Lieder, bemerkt sie stolz, hat sie immerhin selbst ausgewählt – zusammen mit "meinem Team". Das besteht aus ungefähr 20 Personen, die zum großen Teil noch weitere Projekte betreuen neben Sandy, denn "alleine kann ich die nicht ernähren". Darunter sind Produzenten, Autoren, Manager, Musiker, Mitarbeiter der Plattenfirma und ein Pressesprecher, der mit ihr zusammen das frei gibt, was sie gesagt haben will – so auch die Zitate in diesem Artikel.

Denn "umzugehen mit den Medien", das hat Mölling "mit der Zeit" gelernt. Sie weiß, dass es kaum Möglichkeiten gibt, die Presse, vor allem den neugierigen Boulevard, unter Kontrolle zu halten, denn schließlich "gibt es nun mal eine Meinungsfreiheit und die Medien können so viel schreiben und berichten, wie es ihnen passt". Gern schreiben sie auch über Sandy und Renick Bernadina, ihren Freund und Manager in Personalunion. Dass der Heiratsantrag des Lebensgefährten noch auf sich warten lässt, das diskutierte Mölling unlängst mit dem Kölner "Express". Heute sagt sie, man könne immerhin versuchen, die öffentliche Wahrnehmung "ein bisschen zu steuern, indem man ihnen Futter gibt und miteinander arbeitet, eine Hand wäscht die andere."

Die Medienmaschinerie will schließlich geschmiert werden. Denn auch wenn die No Angels fünfeinhalb Millionen Tonträger abgesetzt haben, hat Mölling "noch lange nicht ausgesorgt". Zwar sagt sie, einen Knebelvertrag hätte sie damals nicht abschließen müssen, um dabei zu sein in der erfolgreichsten Girlgroup, die jemals eine Casting-Show hervorgebracht hat. Aber das große Geld machen bei solchen Projekten bekanntermaßen immer die Autoren der Songs und die Produzenten. Kein Wunder, dass Mölling neuerdings diese Aspekte des Geschäfts unter Kontrolle zu bekommen versucht. "Aber ich kann mich nicht beschweren", sagt sie, "ich habe mein Auto, mein kleines Häuschen und damit bin ich sehr zufrieden." Immer gute Laune zu haben, das ist ein anstrengender Job. Aber Sandy Mölling ist ein Profi.


Sandy: "Frame of Mind" ist am 25. Mai bei Starwatch/ Warner erschienen
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