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Posaunen-Jazz: Der Revolutionär an der Hin-und-Her-Trompete

Foto: Rick Diamond/ Getty Images

Posaunen-Jazz Der Kurze mit den langen Rohren

Die Posaune galt als das altbackenste Instrument der Welt. Sie klang nach Polizeichören und Bundeswehrorchestern. Dann kam Trombone Shorty - und mischte Funk, Rock, Polka, Jazz und Soul zu seinem ganz eigenen Stil.

Gibt es ein langweiligeres Instrument als die Posaune? Kinder nennen das eigenartige Blechgestell oft Hin-und-Her-Trompete. Und auch später im Leben kann man oft nicht mehr mit ihr anfangen, denkt zuerst an Posaunenchöre, an volkstümliche Blasmusik, vielleicht noch an altbackene Polizei- oder wahlweise Bundeswehrorchester.

Albert Mangelsdorff

Wer kennt schon die großen Meister? J. J. Johnson, Curtis Fuller, , Fred Wesley? Wer die Posaune langweilig oder altbacken findet, der hat die eben genannten wahrscheinlich nie gehört und noch wahrscheinlicher nicht ihn: Troy Andrews alias Trombone Shorty.

Gerade mal 25 Jahre alt, schickt er sich an, die Posaunenmusik zu revolutionieren. An dieser Stelle steht bewusst Posaunenmusik, denn wo will man ihn verorten? Jazz? Funk? Rock? Polka? Soul? Es ist vielleicht seine Leistung, dass bei ihm die Genres tatsächlich verschmelzen, Trombone-Shorty-Musik eben.

Trombone Shorty marschierte schon als Posaunen-Knirps bei den berüchtigten Brass-Paraden mit Erwachsenen durch New Orleans, die Wiege der schwarzen amerikanischen Musik. "Dieser Zeit verdanke ich meinen Spitznamen", sagt Shorty. "Die einen nannten mich so, weil ich kleiner war als mein Instrument, die anderen, weil meine Arme noch zu kurz waren, um den Zug ganz auszuspielen."

Das Treme-Viertel in New Orleans war sein Biotop und ist es bis heute. Mit Lenny Kravitz ging er bereits als Teenager auf Welttournee, Bono von U2 ließ sich von ihm begleiten, genauso wie die Brüder der Marsalis-Familiy, die ebenfalls aus New Orleans stammen. "Musik ist mein Leben, ich kenne kein anderes", sagt Shorty.

Dauerdruck auf Ohren, Geist und Seele

Richtig klar wird das, wenn er mit seiner Band Orleans Avenue live auftritt. Zwar hat Shorty schon ein paar Alben veröffentlicht, das jüngste "Backatown", erschienen beim legendären Label Verve und war sein erster kommerzieller Erfolg. Doch viel zu sehr lässt sich Shorty da in radiotaugliche Drei-Minuten-Stücke pressen - sogar mit der Unart, die Titel einfach auszublenden, wenn die Zeit um ist, auch wenn es gerade interessant wird.

Live hingegen kommt der Sound mit brachialer Energie beim Zuhörer an. Zwei Stunden Dauerdruck auf Ohren, Geist und Seele - und das im allerbesten Sinne. Im Glitzer-T-Shirt mit Pilotenbrille lässt Shorty in keinem Saal der Welt einen Zweifel, wer der Chef auf der Bühne ist. Spielerisch wechselt er zwischen Posaune und Trompete, die er ebenso beherrscht. Er singt passabel, treibt seine Mitstreiter an Saxophon, Bass, Gitarre und Schlagzeug unablässig an. Als Gag jeden Konzerts wechseln die Jungs bei der Zugabe während des Spielens die Instrumente untereinander. Schlösse man die Augen, man würde es nicht merken.

In Deutschland ist Trombone Shorty besonders gern. "In jedem anderen Land muss man erst mal 'ne halbe Stunde spielen, bis die Leute angekommen und eingegroovt sind. In Deutschland sind sie vom ersten Takt dabei."

Auch in anderer Hinsicht hat es Deutschland dem Amerikaner angetan. Als Vorband seiner Konzerte engagierte er die in Wedel bei Hamburg geborene Soul- und HipHop-Sängerin Oceana, ein großes Talent, das schon an der Seite von James-Brown-Saxophonist Maceo Parker oder Annie Lennox musizierte. Vergangenes Jahr trat Oceana beim Bundesvision Song Contest für das Bundesland Hessen an, belegte aber nur Platz 12. Trombone Shorty aber hat erkannt, dass man so viel Talent nicht in irgendwelchen Casting-Shows verschwenden sollte.


Tournee von Trombone Shorty & Orleans Avenue  :
17.03. Stuttgart, Die Röhre;
18.03. Freiburg, Jazzhaus;
19.03. Frankfurt/Main, Brotfabrik;
20.03. Dresden, Beatpol;
21.03. Bonn, Harmonie.