Unvollendete Prince-Autobiografie Sein letzter Plan ging noch auf

Nur wenige Wochen vor seinem Tod kündigte Prince eine Autobiografie an. Er konnte sie nicht mehr selbst vollenden - aber so nah wie in "The Beautiful Ones" ist man der Popstar-Persönlichkeit noch nicht gekommen.

Prince (beim Super Bowl, 2007)
Chris OMeara/ AP

Prince (beim Super Bowl, 2007)


Das Lila versteckt sich unter dem Schutzumschlag. Die Farbe aller Farben für den Musiker aller Musiker spielt auf dem Buch, das fast seine Autobiografie geworden wäre, nur eine Nebenrolle. Damit war nicht zu rechnen. Noch weniger allerdings damit, dass aus "The Beautiful Ones" ein kleines Wunderwerk geworden ist.

Im März 2016 kündigte Prince an, dass er eine Autobiografie veröffentlichen wolle. Bei einem seiner Überraschungsauftritte in New York erklärte der Musiker, ein Verlag habe ihm ein Angebot gemacht, das er nicht ausschlagen könne. Es klang wie Marlon Brando in "Der Pate", nur aus dem Munde des größten Enigmas der Popmusik. Man wusste nicht so recht, was man davon halten sollte. Keine fünf Wochen später wurde in einem Aufzug von Paisley Park, Princes Studiokomplex in der Nähe von Minneapolis, sein lebloser Körper gefunden.

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07.11.2019, 09:54 Uhr
Ohne Gewähr

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Prince, Dan Piepenbring
The Beautiful Ones - Deutsche Ausgabe: Die unvollendete Autobiografie

Verlag:
Heyne Verlag
Seiten:
304
Preis:
EUR 32,00
Übersetzt von:
Claudia Wuttke, Eike Schönfeld

Prince Rogers Nelson starb am 21. April 2016 an den Folgen einer Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl. Seine ersten Notizen für das Buch, das er über sein Leben plante - es sollte das größte Musikbuch aller Zeiten werden, was sonst? -, tauchten nach einer Weile wieder auf. Jetzt sind die knapp 30 Seiten in ihrer originalen Pracht zu bewundern: Princes allererste Erinnerungen. Nicht nur in seinen eigenen Worten, sondern als Faksimile seiner Handschrift, mit allen Schnörkeln und Marotten, die man aus seinen Songtiteln kennt.

Nun könnte, wer eine Autobiografie der Wahrheit wegen liest, ebenso gut "Star Wars" schauen, um sich über die jüngsten Errungenschaften der Weltraumfahrt zu informieren. Memoiren waren seit jeher das perfekte Vehikel zur eigenen Mythenbildung, zumindest bevor es Instagram-Feeds gab. Prince wusste das und sah das Projekt als Herausforderung: Es sollte das definitive Buch über sein Leben werden - und ihn doch kein bisschen entzaubern.

Reportage, Fotoalbum und Coffeetable-Schmuckstück

Er verschwand, bevor die Arbeit daran richtig losging. Die besondere Form, die "The Beautiful Ones" nun angenommen hat, ist eine direkte Folge davon. Die Erben von Prince, der Verlag Random House, der sich nach wochenlangen Verhandlungen kurz vor seinem Tod den Zuschlag sichern konnte, und der als Ko-Autor vorgesehene Journalist Dan Piepenbring erhielten Zugang zu weiteren Dokumenten aus dem Nachlass des Künstlers, darunter Fotos und Notizen, die er im mythischen Tresorraum in Paisley Park gehortet hatte.

"The Beautiful Ones", benannt nach Princes wohl herzzerreißendster Eifersuchtsballade, ist nun Reportage, Fotoalbum und Coffeetable-Schmuckstück geworden. Es enthält die Comic-Kritzeleien eines Teenagers, bisher unveröffentlichte Fotos, Entwürfe für Songtexte, teilweise auf Papiertüten verewigt. Außerdem eine Drehbuch-Skizze für einen Film (weitere elf Seiten in flüssiger Handschrift), aus der 1984 "Purple Rain" wurde, Princes Aufstieg zum globalen Superstar.

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Prince: Ein Pop-Life

Genau dieses Superstardom ist im Buch dann kaum zu finden. Wie ein gutes Biopic macht "The Beautiful Ones" Persönlichkeit durch Schlaglichter auf besondere Lebensphasen begreiflich: die allerletzten Wochen vor Princes Tod 2016 und die Jahre vor den ersten Erfolgen Anfang der Achtzigerjahre. Der Rest dazwischen fehlt. Und doch ist "The Beautiful Ones" das Buch, in dem am meisten von Prince steckt.

Der Beste zu sein, war nicht Anspruch genug

Prince selbst hat von vorne angefangen. Seine Notizen mit Bleistift auf liniertem Papier drehen sich um Kindheits- und Jugenderinnerungen. Prince schreibt viel über das Verhältnis zu seinen Eltern. Es geht um die Fantasie als eine Kraft, die die Welt verändern kann. Um den versexten kleinen Lustmolch, der sich sehr genau an die Mädchen in der Highschool erinnert. Und um Musik. "Künstler haben die Fähigkeit, mit einer einzigen Per4mance ein Leben zu verändern", schreibt er.

Einfach nur der Beste aller Klassen zu sein, war nicht Anspruch genug. Mit seiner Autobiografie hätte der Rassismus aus der Welt geschafft werden sollen, deutete Prince seinem Ko-Autor gegenüber an. Er nannte den weißen, nicht mal 30 Jahre alten Piepenbring "my brother Dan". Das mit dem Ende des Rassismus klappt nun wohl doch nicht. Aber es wird klar, wie bestimmend das Thema für Prince ein Leben lang war.

Über seine Zeit in der Grundschule Mitte der Sechziger schrieb er: "Für die Lehrer war es ein Problem, mich Prince zu nennen. Die fanden, das war kein ordentlicher Name, ähnlich wie King." Zum Foto aus einem Hotelzimmer, mit den Gitterstäben des Balkons prominent im Bild, gibt es den sarkastischen Kommentar: "Blick aus der Zelle, in der ich war, als ich meinen 1. Plattenvertrag unterschrieben habe."

Das Geheimnis wird bewahrt

Piepenbrings Zeit mit Prince war begrenzt, weniger als drei Monate, es gab kaum eine Handvoll persönlicher Treffen. Das erklärt die obsessive Art, mit der Piepenbring sich in seiner reportagehaften Einführung an Details klammert. Aber er schafft es auch, sie zum Sprechen zu bringen. Man erfährt, dass Prince zuletzt bevorzugt Sneaker mit extra hoher Sohle und blinkenden Lichtern trug, wie ein kleines Kind. Aber auch, wie erschüttert er bei einem seiner letzten Solo-Piano-Auftritte war, nachdem er vom Tod seiner Partnerin Denise "Vanity" Matthews erfahren hatte. Er würde in letzter Zeit mehr schlafen, erklärte Prince, weil er in seinen Träumen verstorbene Freunde wiedersehe.

Prince machte es sich zur Lebensaufgabe, nicht zu fassen zu sein. Plötzlich war er für immer verschwunden, doch sein letzter Plan ging noch auf: "The Beautiful Ones" ist das definitive Buch über sein Leben, eben weil es sein Geheimnis bewahrt. Es sind die Lücken, die den größten Raum für die Fantasie lassen, für das Reich von Prince.

insgesamt 4 Beiträge
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Lisa_can_do 08.11.2019
1. for ever
Mama is white, Daddy is black and I, ?, am dead. So ähnlich ging es auch Prince, der für mich, auch Fan der klassischen Musik, Beethoven und Mozart und Tschaikowski zusammen ist hinsichtlich der Genialität seiner musikalischen Leistung. Empfinden Genies Diskriminierung und Rassismus ander oder mehr oder weniger? Prince hat darunter sehr gelitten und es ist schade, dass im Beitrag so lapidar damit umgegangen wird: "dass mit dem Rassismus klappt nun wohl doch nicht". Das Thema hat Prince sehr berührt und es hat ihn wohl auch getrieben zu unfassbar tollen Songs, aber dass das Ende des Rassismus nicht klappt, dafür kämpfen zum Glück Menschen, ganz im Sinne von Prince.
Eva_ Baum 08.11.2019
2. Seltsam
für mich liest sich der Beitrag inhaltslos. Als großer Bewunderer und Fan seiner Musik, die ja nun schon einige Jährchen alt ist, kann ich nur vermuten, hier schreibt jemand über ein Genie, dessen größte Zeit er nicht erlebt hat.
noregrets 09.11.2019
3. Musiker zu einem Mysterium machen?
Egal ob Prince, Michael Jackson, Kurt Cobain, oder, oder. Das waren schlicht Menschen und Musiker, mehr nicht. Bitte diesen Menschen nicht mehr andichten als wirklich da war....
mypleasure 11.11.2019
4. Schade
Der Artikel ist leider lapidar,oberflächlich und zu unsensibel geschrieben worden,das finde ich sehr schade. Es hat keinen Mehrwert für den Leser, egal ob Prince-Fan oder nicht. Offensichtlich hat der Autor keinen Bezug zu den Persönlichkeiten,die fernab von Social Media-Phänomenen bereits vor rund 40 Jahren als Ikonen der Pop-Kultur wahrgenommen wurden.
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