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Prince-Archiv "The Vault": Der Schatz hinter der Stahltür

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Geheimes Prince-Archiv Der Schatz hinter der Stahltür

Tausende unbekannte Songs, Alben mit Miles Davis und Kim Basinger: Keiner weiß genau, was Prince in einem Tresorraum in seinem Keller lagerte. Werden die Aufnahmen jemals veröffentlicht?

Von der Idee ihres Superstars, ein Album mit einer komplett schwarzen Hülle zu veröffentlichen, hielten die Plattenfirmachefs nicht viel. Aber weil dieser Künstler nun mal Prince war, konnte er sich einiges erlauben und bekam seinen Willen. Im Dezember 1987 stapelten sich dann die Kartons mit den fertigen schwarzen Platten abholbereit fürs Weihnachtsgeschäft in den Presswerken, als seine Hoheit Prince eine Woche vor der Veröffentlichung Mo Ostin, den Chef von Warner Brothers, anrief und ihn bat, alle Tonträger bitte wieder einstampfen zu lassen.

Was Prince zu dieser drastischen Aktion bewegte, wurde nie endgültig geklärt. Fest steht, dass die Plattenfirma seinen Wunsch erfüllte. Die Musik des sogenannten "Black Albums" sickerte trotzdem durch und wurde als Raubpressung ein Hit, bis 1994 doch noch eine legale Version erschien.

Die Musikgeschichte ist voll von Platten, deren Autoren - warum auch immer - beschlossen, auf eine Veröffentlichung zu verzichten. In den vergangenen Jahrzehnten blieben Alben von den Beastie Boys, Kraftwerk, David Bowie, Neil Young, Pink Floyd, Madonna, den Beach Boys und vielen anderen auf der Strecke. Aber der Weltmeister im Zurückhalten fertig produzierter Musik war Prince. Die Liste seiner unveröffentlichten Werke füllt einen langen Wikipedia-Eintrag. Im Archiv des Prinzen, das als "The Vault" bekannt ist, sollen angeblich bis zu 5000 fertig produzierte Songs aus den vergangenen Jahrzehnten lagern. Dazu kommen um die 50 Videoclips sowie einige Filme.

Nach Angaben beteiligter Studiomusiker liebte Prince es, Musik einzuspielen, bei der von Anfang an klar war, dass er sie nicht veröffentlichen würde. Dazu kamen zahlreiche ambitionierte Projekte, die er immer wieder begann, aber in schöner Regelmäßigkeit verwarf oder umstrukturierte. So birgt die Diskografie verlorener Prince-Werke Namen wie: "The Flesh", "Dream Factory", "Camille", "The Undertaker", "Heart", "New World", "The Dawn", "Beautiful Strange", "Roadhouse Garden", "High" und "In All My Dreams". Alles Titel, die eingefleischte Prince-Verehrer vor Aufregung erschauern lassen. Dazu kommen vermutete Alben mit Miles Davis und sogar eines, das der Künstler mit seiner einstigen Flamme Kim Basinger eingespielt haben soll.

Wer erbt es?

Wer weiß, wie Google funktioniert, findet einige dieser Songs in den unendlichen Weiten des Internets. Viele Teile der unvollendeten Projekte landeten dann später auf anderen regulär veröffentlichten Platten, aber eben längst nicht alle. Anfang der Achtzigerjahre soll Prince sich im Keller seiner Paisley Park Studios in Minneapolis das Archiv "The Vault" eingerichtet haben. Mitarbeiter beschreiben es als einen großen Tresorraum mit massiver Stahltür, die mit einer Zahlenkombination gesichert ist. Ein Großteil der dort auf Regalen gelagerten Musik ist auf Tonbändern festgehalten. Was ein Problem ist, denn die Haltbarkeit dieses Speichermediums ist endlich. Gut möglich, dass sich frühe Aufnahmen von Prince bereits unwiderruflich zersetzt haben. Die Bänder müssten dringend ins Digitale übertragen werden. Aber daran war Prince nachweislich nicht interessiert.

Spannend ist auch die Frage, was aus dem spektakulären Archiv wird. Wer erbt es? Was hat Prince testamentarisch verfügt? Werden sich der oder die Erben an seine Wünsche halten?

David Bowie hat seine posthumen Veröffentlichungen noch präzise vorbereitet. Prince dagegen soll mehrfach mit dem Gedanken gespielt haben, alles, was sich im "Vault" befindet, komplett zu vernichten, genauer gesagt, zu verbrennen. Das wäre natürlich ein Jammer für alle, die sich nach mehr Prince-Musik sehnen. Aber Prince wäre ein intakter Mythos garantiert lieber gewesen.

Und dann wäre es auch noch eine Frage des Respekts, seinen Willen zu akzeptieren.