Product Placement in Rap-Songs Big Money mit Big Mac

Was Snoop Dogg und 50 Cent besingen, schmeckt gut und muss gekauft werden – das sollen zumindest die Kids in Amerika glauben. McDonald's möchte deshalb prominente US-Reimer rekrutieren: Jedes Mal, wenn im Radio ein HipHop-Song mit der Phrase "Big Mac Burger" gespielt wird, geht Geld auf's Rapper-Konto - mehr als 50 Cent.


Rap-Star 50 Cent: Künftig mit Burger-Lyrik Geld verdienen?
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"James-Bond"-Filme und amerikanische Actionthriller sind nicht mehr die allererste Wahl für das lukrative Vorzeigen weltbekannter Auto- und Getränkemarken. Längst konzentriert sich die Werbeindustrie auf die Interessen und Sehnsüchte von Teenagern. Noch nie hatten Jugendliche so viel Geld zur Verfügung wie heute - und als Konsumenten orientieren sie sich vor allem an Computerspielen, Videoclips und Hiphop-Stars.

Prominente Rapper werben in Nordamerika seit Jahren erfolgreich für Milch und Limonaden. Computerspiele werden von Helden bevölkert, die mit Nokia-Handys telefonieren, einen Rechner mit Intel-Logo benutzen - und sich gierig auf virtuelle Big Macs stürzen. Hinter solchen scheinbaren Nebensächlichkeiten im Spielverlauf verbergen sich Millionenverträge zwischen der Spieleindustrie und den Produktherstellern.

Jetzt hat sich McDonald's für den US-Markt eine neue Werbestrategie überlegt. McDonald's-Produkte sollen bald nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören sein: in möglichst vielen Rap-Songs amerikanischer Superstars. Das berichtet die britische Tageszeitung "The Guardian". Die Rapper sollen also künftig in ihre mit Flüchen und Four-Letter-Words garnierten Geschichten von Armut und Aufsteigertum, Reichtum und Luxus auch den Big Mac packen.

Rapper Snoop Dogg: Rappen für McDonald's
DPA

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Zwar möchte McDonald's keine Vorauszahlungen für Hiphop-Künstler leisten. Aber jedes Mal, wenn ein Song im Radio gespielt wird, der das Vorzeigeprodukt Big Mac erwähnt, soll die Kasse des betreffenden Musikers klingeln. Zwischen ein und fünf Dollar wird die Fast-Food-Kette voraussichtlich pro gesendeten Big-Mac-Rap-Song bezahlen.

Die amerikanische Interessengruppe "Campaign for a Commercial-Free Childhood" ("Kampf für eine werbefreie Kindheit") hat jetzt die geplante Werbeoffensive von McDonald's verurteilt. "Das Unternehmen preist eines seiner fettesten, kalorienreichsten Produkte auf eine Art und Weise an, dass die Kinder es nicht mal bemerken", sagte die Interessengruppe dem "Guardian".

Fastfood-Klassiker Big Mac: Was Marketingstratgen schmeckt
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Walt Riker, ein Sprecher von McDonald's in Amerika, widersprach in der britischen Tageszeitung dieser Ansicht und verwies auf die Entscheidungsfreiheit der Fast-Food-Fans: "Unsere Kunden sind klug. Sie verstehen es, das auszuwählen, was gut für sie ist." Immer wieder wurde in den letzten Jahren berichtet, McDonald's habe mit Umsatzrückgängen und Konkurrenz vor allem durch Asia-Schnellrestaurants und Anbieter von "gesundem" Fast-Food zu kämpfen.

Vielleicht ergeht es dem Unternehmen mit seiner Big-Mac-Rap-Offensive so wie dem Pepsi-Konzern vor einigen Jahren. Nach Protesten des populären amerikanischen Fernsehmoderators Bill O'Reilly zog Pepsi einen Werbespot mit dem Rapper Ludacris zurück. Der Fernsehmoderator hatte - unter dem Beifall konservativer Moralapostel - zum Boykott aller Pepsi-Produkte aufgerufen. Sein Argument: der fluchende, rebellische Rapper habe eine schädliche Wirkung auf die amerikanische Jugend.

Mirjam Gollmitzer



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