Protest-Song Der Superstar der Kriegstage

Mit seinem Anti-Kriegs-Lied hat der ägyptische Schnulzensänger Shaaban Abdel-Rahim den Nerv der arabischen Welt getroffen. Sein Song "The Attack on Iraq" ist in der Region rund um die Kampfzone der Hit. Reich wird der Sänger damit jedoch vermutlich nicht.

Von , Amman


CD-Händler Hashim: "Ich liebe diesen Song"
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CD-Händler Hashim: "Ich liebe diesen Song"

Abwechslung ist nicht Hashims Sache. Stolz steht der junge CD-Verkäufer in seinem schrankgroßen Laden an der belebten King Hussein Straße in Downtown Amman. Hunderte CDs hat er im Angebot: Charthits wie Eminem oder Jennifer Lopez, jordanische Sänger, alles da. Im DVD-Player jedoch herrscht Monotonie: Seit Stunden ist die Wiederholungstaste festgestellt, immer wieder läuft ein und dasselbe Video. "Ich liebe diesen Song", schwärmt Hashim und wendet sich dem Bildschirm zu.

Die Bilder auf dem kleinen Fernseher in Hashims Laden sind nicht gerade die typischen Szenen eines Musikvideos. Zuerst stürzen die Zwillingstürme in New York in Zeitlupe ein, dann folgen Schüsse der israelischen Polizei auf palästinensische Demonstranten. Schließlich sind George W. Bush und der israelische Präsident Ariel Scharon zu sehen. Zwischen den Szenen singt ein Mann, der ein bisschen aussieht wie Tom Jones. Leicht dicklich ist er, trägt in den Haaren reichlich Gel, seine Brusthaare kriechen aus dem weit offenen weißen Hemd und um die Handgelenke klimpert Goldschmuck.

Shaaban Abdel-Rahims Erfolgs-CD: "Wollt ihr den Irak zerteilen?"
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Shaaban Abdel-Rahims Erfolgs-CD: "Wollt ihr den Irak zerteilen?"

Der Song, von dem Hashim nicht lassen kann, bewegt zur Zeit die arabische Welt. "Tschetschenien, Afghanistan, Palästina, Libanon und nun auch der Irak?", fragt der Ägypter Shaaban Abdel-Rahim in seinem Lied und fügt die Antwort gleich hinzu: "Genug! Genug!" Der CD-Verkäufer Hashim kann sich an den Zeilen immer wieder begeistern. "Er singt, was wir alle denken in der arabischen Welt", sagt Hashim. Dann startet er das Video erneut. Heute hat er schon Dutzende CDs mit diesem Song verkauft und es sollen noch mehr werden.

"Mal ehrlich, habt ihr eure Augen nur auf dem irakischen Öl"

Der Song gegen den Krieg heißt schlicht "The Attack on Iraq". Innerhalb weniger Tage wurde er zur Hymne der jungen Leute – nicht nur in Amman. Auch in Ägypten, Saudi-Arabien, dem Libanon und fast allen anderen Nachbarländer des Irak. Obwohl viele der staatlich gelenkten Radiostationen die Single aus politischen Gründen nicht spielten, war der Erfolg des Songs ungeheuer. Mittlerweile kann die staatliche Zensur die Zeilen gegen den Krieg nicht mehr stoppen, die privaten Stationen und die Cafes hatten sich das Lied so oder so nicht verbieten lassen.

So simpel wie der Text ist, so sehr drückt er das aus, was die meisten Menschen rund um den Irak denken. "Wollt ihr den Irak zerteilen?", singt Shaaban Abdel-Rahim und fragt gleich darauf, ob der wahre Kriegsgrund nicht eher nur das Öl sei. Gerade in Jordanien, wo offene Kritik an den USA nicht gern gesehen wird, kommen diese Zeilen gut an. "Er singt, was wir nicht sagen dürfen", sagt CD-Verkäufer Hashim.

Offener Hass gegen Israel

Der Anti-Kriegs-Song spielt jedoch auch mit dem nicht nur in Amman allgegenwärtigen Hass auf Israel. Israels Staatschef Scharon, so heißt es in dem Hit, bade im Blut der Palästinenser. Nicht der Irak, sondern Israel müsse das Ziel der US-Bomben sein. Mit dem Hass auf Israel hatte Shaaban Abdel-Rahim schon einmal großen Erfolg. Vor einigen Jahren machte er mit dem Song "I hate Israel" Furore, in dem er ähnlich schlicht wie in diesen Tagen und ebenso erfolgreich hetzte.

In seinem Heimatland hat Shaaban Abdel-Rahim trotz des Erfolgs nicht den besten Ruf. Er gilt in Ägypten als plumper Schlagersänger, der seine Songs und Texte nicht selbst schreibt. Besonders die Bildungselite in Kairo rümpft die Nase über den Schnulzensänger. Manche behaupten sogar, es sei überhaupt nicht zu verstehen, was er singt. In einem sind sich Fans und Feinde aber einig: Mit dem Song gelang es Shaaban Abdel-Rahim wie keinem anderen, die Gefühle der Region zu treffen.

Wie viele CDs des Anti-Kriegs-Songs verkauft wurden, kann keiner sagen - weder in Amman noch anderswo auf der arabischen Halbinsel. Hitparaden gibt es in den meisten Ländern so oder so nicht. Vermutlich aber würde der Song dort auch kaum auftauchen. Der Grund ist auch in Hashims kleinem Laden kaum zu übersehen. Die CDs, die für umgerechnet knapp zwei Euro den Besitzer wechseln, hat Hashim selbst gebrannt. Reich wird der Sänger durch den Titel also nicht werden. Doch das hat für CD-Verkäufer Hashim keine Bedeutung. Er will noch in der Nacht neue Kopien brennen. Die Nachfrage ist enorm, sagt er.

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