Punk-Club CBGB Der letzte Pogo in New York

Der New Yorker Kultclub CBGB war die Geburtsstätte zahlreicher Karrieren von Punk-Legenden wie den Ramones. Über 30 Jahre nach seiner Eröffnung wurde er nun geschlossen - aber nicht etwa, weil Punk tot ist, sondern weil der Besitzer die Miete nicht mehr bezahlen konnte.


New York - Über 30 Jahre lang hat der legendäre New Yorker Punk-Club CBGB allen Widrigkeiten getrotzt, mit denen ein Rockclub für gewöhnlich zu kämpfen hat: verstopfte Toiletten, aufgebrachte Nachbarn, Drogensüchtige, Polizeirazzien. Doch nun wurde dem berühmt-berüchtigten Lokal auf Manhattans Lower East Side ein eher unpunkiger Streit mit dem Vermieter zum Verhängnis: Weil die Miete zu teuer wurde, hat der weltbekannte Club nach einem Abschiedskonzert der Rocksängerin Patti Smith am Sonntag dicht gemacht.

CBGB-Betreiber Kristal: Opfer der Gentrifizierung New Yorks
REUTERS

CBGB-Betreiber Kristal: Opfer der Gentrifizierung New Yorks

Nach einer weiteren kräftigen Mieterhöhung könne er sich die inzwischen monatlich anfallenden 65.000 Dollar nicht mehr leisten, begründete der heute 74-jährige CBGB-Gründer Hilly Kristal seine Entscheidung. Jahrelang hatte er einen Rechtsstreit mit dem Hausbesitzer geführt, der Non Profit-Organisation Bowery Residents' Committee, die Obdachlosenheime in der ganzen Stadt unterhält. Immer wieder war es um ausstehende Mietzahlungen oder um Beschädigungen des Gebäudes durch Clubbesucher gegangen. Das endgültige Aus werten zahlreiche Kritiker als weiteren Beleg für die fortschreitende Gentrifizierung des Viertels, das zunehmend von Ladenketten und teuren Eigentumswohnungen beherrscht wird. "New York City und der Rock'n'Roll im Allgemeinen werden sich nie wieder vom Verlust dieses Ortes erholen", sagte der langjährige Gitarrist von Bruce Springsteen, Steven Van Zandt.

Das CBGB gilt als Wiege der amerikanischen Punk-Musik, wo neben Patti Smith auch die Band The Ramones entdeckt wurde. Auch heute berühmte Bands wie Blondie oder Talking Heads spielten in dem kleinen, 350 Personen fassenden Club - und machten den Laden zu dem, als das er bis heute beschrieben wird: zum "Punkrock-Mekka".

Zum Abschied gab Patti Smith zusammen mit ihren Band-Kollegen Lenny Kaye, Jay Dee Daugherty und Tony Shanahan ein Konzert mit Highlights aus frühen Alben und Cover-Versionen von Songs von The Who, Blondie, Lou Reed und den Rolling Stones. "Das CBGB ist eher eine Geisteshaltung als ein normaler Club", sagte die Rock-Ikone am Eingang des Lokals, den hunderte Schaulustige und Fans belagerten. Dennoch gab sie sich optimistisch: "Überall auf der Welt haben junge Leute neue Ideen, sie werden ihre eigenen Orte haben, um sie zu verwirklichen."

Kristal hatte den Club 1973 in einem Gebäude an der Ecke Bowery und Bleecker Street gegründet, einer damals heruntergekommenen, von Drogendealern und anderen Verbrechern bevölkerten Gegend. Sein voller Name lautete CBGB & OMFUG, was für "Country, Bluegrass and Blues an Other Music for Uplifting Gormandizers" steht. Heute ist das CBGB zwar der berühmteste, aber nicht der erste Club, der in diesem Viertel schließt: Vergangenes Jahr machte das Bottom Line zu, ebenfalls, weil es die Miete nicht mehr bezahlen konnte. Ebenso erging es der Luna Lounge und dem Fez. Erst letzten Monat gab auch das Continental, ein anderer bekannter Punk-Tempel, auf. Die Szene ist inzwischen größtenteils ins benachbarte, billigere Brooklyn umgezogen.

Für den Erhalt des CBGB hatte sich sogar New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg eingesetzt und einen anderen Raum an der Lower East Side ausfindig gemacht. Doch hätte Kristal für die nötigen Umbauten zunächst fünf Millionen Dollar investieren müssen - unmöglich für den altgedienten Clubbetreiber. Doch will der mittlerweile von Lungenkrebs gezeichnete Kristal nicht aufgeben. Vielleicht, sagte er, werde er seinen Club an anderer Stelle wiedereröffnen, möglicherweise in der Casinostadt Las Vegas. Teile des Interieurs - grafittibeschmierte Wände und die legendäre Bar - will er dafür auf jeden Fall retten.

hoc/AFP

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