"Push the Button" Israelischem Polit-Pop droht Grand-Prix-Verbot

Zu politisch für den Eurovision Song Contest? Israel steht vor einer möglichen Disqualifikation wegen des Beitrags der Band Teapacks. Im Song "Push the Button" geht es um Terror und Gewalt - Anspielungen auf Ahmadinedschad und Palästinenser liegen nahe.

Tel Aviv - In ihrer Heimat sind die Teapacks eine erfolgreiche Popband. Doch das Halbfinale des Eurovision Song Contests am 10. Mai in Helsinki könnte ohne die israelische Gruppe stattfinden. Der Song "Push the Button" spielt laut israelischen Rundfunksendern auf den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und dessen Atompläne an. Auch könne man die Passagen als Kritik an palästinensischen Attacken interpretieren.

In dem Lied , dargeboten in Englisch, Französisch und Hebräisch, singt Koby Oz, Lead-Sänger und Texter der Band, unter anderem: "The world is full of terror, if someone makes an error, he's gonna blow us up" (Die Welt ist voller Terror, wenn jemand einen Fehler macht, jagt er uns in die Luft). Weiter heißt es: "There are some crazy rulers, they hide and try to fool us, with demonic, technologic willingness to harm" (Da sind einige verrückte Führer, die verstecken sich und versuchen uns zum Narren zu halten, mit der dämonischen technologischen Bereitschaft, Schaden anzurichten). Kobi Oz, Sänger der Band, sagt, es sei eine "Missdeutung", hier Anspielungen auf Iran herauszuhören.

Kjell Ekholm, einer der Organisatoren des Eurovision Song Contest, sagte jedoch gegenüber der britischen Zeitung "The Independent", dass "diese Art von Aussage absolut unangebracht für den Wettbewerb sei". Mittlerweile seien beim zuständigen finnischen Sender YLE viele E-Mails mit Beschwerden über den Song eingegangen, so Ekholm gegenüber Reuters.

Die Regeln des Eurovision Song Contest besagen tatsächlich, dass die teilnehmenden Lieder keine politische Botschaft beinhalten dürfen. "Das wissen die Teilnehmer auch. Die Songs dürfen auch den Song Contest nicht diskreditieren. Allerdings sind die Grenzen da weit gefasst. Über eine mögliche Disqualifizierung müsse nun die EBU (European Broadcasting Union) entscheiden", sagt Jan Schulte-Kellinghaus, Unterhaltungschef des NDR, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Inwieweit die Abweichung von der politischen Neutralität gegeben ist, "liege im Ermessen der EBU", so der für die deutschen Grand-Prix-Belange zuständige Fernsehmann weiter.

Bei der European Broadcast Unit hat man die Entscheidung zunächst vertagt. Der für den Eurovision Song Contest zuständige EBU-Leiter Svante Stockselius sagte zu SPIEGEL ONLINE, man könne keine Entscheidung vor dem 12. März 2007 treffen. Dann sei die offizielle Bewerbungsfrist für die teilnehmenden Länder abgelaufen, und erst danach beginne man mit der Prüfung der Lieder. Ausgeschlossen werden Lieder mit beleidigenden, rassistischen oder zu politischen Themen. "Diese Prüfung betreffe aber sämtliche Einreichungen", so Stockselius weiter.

Teapacks kommen aus der südisraelischen Stadt Sderot an der Grenze zum Gaza-Streifen. Nahezu täglich wird dieser Ort von palästinensischen Raketen getroffen. Der israelische Rundfunk sagt, die Textzeile "Missiles are flying and falling on me" (Raketen fliegen und fallen auf mich) könne darauf Bezug nehmen.

"Wir arbeiten nicht um es jedem recht zu machen" sagt Oz gegenüber "The Independent". "Richtige Kunst provoziert Erwiderungen und regt Leute zu Diskussionen an."

Israel hat den renommierten Schlager-Grand-Prix bereits dreimal gewonnen: Nach 1978 und 1979 gewann 1998 die Transsexuelle Dana International den Eurovision Song Contest.

Zur Teilnahme berechtigt sind alle Länder der Europäischen Rundfunkzone, sowie Länder, die Mitglied des 1949 gegründeten Europarates sind.

Der Songtext des Anstoßes:

"Push the Button"

The world is full of terror
If someone makes an error
He's gonna blow us up to biddy biddy kingdom come
There are some crazy rulers they hide and try to fool us
With demonic, technologic willingness to harm
They're gonna push the button
push the button push the bu, push the bu, push the button

Everybody's suffering
The streets are filled with violence
How lucky we are
To have got this far
Without even getting injured
As this regime, so fanatical
Gets even more tactical
It's so tragic my eyes fill with tears
And I don't want to die

I want to see the flowers bloom
Don't want a go capoot ka boom
And I don't want to cry
I wanna have a lot of fun
Just sitting in the sun

Messages are exploding on me
Rockets are flying and landing on me
Police and thieves are chasing me
Jumping on me and pestering me
Woe is me, woe is me, answer me oh living God

This nightmare is too long

When I am barely living and everyone is aiming at me it is too early, perhaps, to sing that I have given you my life

Wha, Wha the police

Weeoo, weeoo a rescue team

Here it is in the semi-finals without salaam
Red is not only a colour, it's more like blood.

hae/dpa/Reuters