Radio-Quote "Kartell gegen deutschsprachige Künstler"

Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer ist für eine Quotierung ausländischer Musik im deutschen Hörfunk. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview sprach die Politikerin unlängst von "unsäglichem Formatradio, bei dem uns wenige Hits bis zum Überdruss vorgedudelt werden." Jetzt stimmt die mittelständische Musikindustrie in die Kritik mit ein.

Berlin - Die mittelständische Musikindustrie sieht in Deutschland ein "Kartell von Rundfunksendern und Mediengiganten gegen deutschsprachige Künstler" am Werk. Deutsche Sänger oder Produktionen seien ohne eine Musikquote in den Sendern gegenüber ausländischer und vor allem US-amerikanischer Musik "völlig chancenlos", erklärte der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, heute anlässlich der Musikmesse Popkomm in Berlin. "Ohne Quote kann die deutsche Musikindustrie nicht überleben, deren Umsatz in den letzten Jahren dramatisch eingebrochen ist. Insbesondere der mittelständischen Musikbranche droht der Kollaps."

Unterstützung erhielt er dabei auch von Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer, die dazu heute eine gemeinsame Anhörung von Kulturausschuss und Enquete-Kommission Kultur im Bundestag initiiert hat. Vollmer warnte die Hörfunksender vor einem weiteren Abbau im Kulturbereich und forderte gleichzeitig eine größere Unterstützung der nationalen Musikproduktion durch eine Quote für einheimische Produktionen. Sie könne sich vorstellen, dass dies zunächst im Rundfunkstaatsvertrag eines einzelnen Bundeslandes festgeschrieben wird. "Dann können wir ja vergleichen."

Im SPIEGEL-ONLINE-Interview hatte sich die Kulturpolitikerin dezidiert für eine Quotierung ausländischer Musik ausgesprochen. "Die Situation hat sich dramatisch verschlechtert", so Vollmer. Außerdem hätten deutsche Musiker verstanden, "dass sie auf dem Markt - so konzentriert wie er ist - keinerlei Chance haben, egal wie gut sie sind."

Vollmer zufolge solle die Quote nicht nur für öffentlich-rechtliche Radiosender, sondern auch für private Sendeanstalten gelten. Zur Einhaltung einer Quote schlug die Grünen-Politikerin "Sanktionen bis hin zum Entzug der Sendelizenz" vor.

Die mittelständische Wirtschaft zeichnet erstmalig ausländische Musikgruppen aus, die in deutscher Sprache singen. Der mit 3000 Euro dotierte Internationale Musikpreis geht 2004 an die rumänischen Deutschrocker von "Ricochée" aus Hermannstadt.

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