Neues Video von Radiohead Grauenhaft niedliche Welt aus Knete

Radiohead sind zurück. Am Dienstag veröffentlichte die britische Alternative-Band ihre erste offizielle Single nach fünf Jahren. Das dazugehörige Video ist der Höhepunkt einer medialen Kamapagne, die am Wochenende begann.

Radiohead: "Burn the Witch"

Radiohead: "Burn the Witch"

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Ein zwitscherndes Vögelchen aus Knete, wie süß! Dann setzen nervöse Geigen ein, und sofort wird die Atmosphäre klaustrophobisch. Dabei sind die Bilder weiterhin harmlos, wie in einer "Wallace und Gromit"-Knetkomödie. Aber dabei bleibt es nicht. Schließlich gehört das Video zur neuen Radiohead-Single "Burn the Witch", das die britische Band gestern online stellte. Die ist eher nicht für ihre Gute-Laune-Songs bekannt.

Damit kehrt die Alternative-Band in die Öffentlichkeit zurück und macht auf ihr neues Album aufmerksam, das im Juni erscheinen soll. Es ist die erste Veröffentlichung seit "The King of Limbs" aus dem Jahr 2011 - abgesehen von dem Song, den Radiohead ihren Fans im Dezember 2015 schenkte.

Das Video erzählt eine kleine, fiese Geschichte: Ein Mann aus der Stadt fährt aufs Land. In einem herausgeputzten Dorf wartet der stolze Bürgermeister und führt ihn umher. Alles sehr ordentlich hier, sehr idyllisch.

Ein Gefängnis gibt es auch. Ein Mann pinselt ein rotes Kreuz auf die Tür. War das jetzt Farbe oder Blut? Dann diese merkwürdigen Typen mit Masken und Geweih, die einen Schwerttanz aufführen und dabei eine gefesselte Frau umkreisen. Und schließlich entpuppt sich der mit Blumengirlanden umwickelte Mast als Galgen. Der Mann beginnt zu schwitzen. Willkommen im Radiohead-Universum.

Das Video bildet den Höhepunkt einer medialen Kampagne, mit der die Band sich seit dem vergangenen Wochenende zurück ins Gedächtnis bringt. Natürlich nicht, ohne sich gewohnt rätselhaft zu geben. Ausgewählte Fans erhielten zunächst eine Postkarte mit dem Radiohead-Logo und dem mysteriösen Satz: "Sing the song of sixpence that goes 'burn the witch'. We know where you live."

Radiohead-Sänger Thom Yorke
Getty Images

Radiohead-Sänger Thom Yorke

Kurz darauf löschte die Band ihre Twitter- und Facebook-Accounts, auch die Homepage der Band zeigte nur noch leeres Weiß. Dann füllte sich der Instagramm-Account von Radiohead mit zwei kurzen Clips - Ausschnitte aus dem "Burn the Witch"-Video, wie sich jetzt herausstellt.

Fast schon rührend, wie die Band mit medialen Auftritten im Internetzeitalter spielt und sich so eigenbrödlerisch und enigmatisch geben will wie eh und je. Allerdings besteht durchaus die Gefahr, dass ihre Kampagne zu einer leeren Geste verkommt. Einerseits nimmt Sänger Thom Yorke jede Gelegenheit wahr, digitale Plattformen wie YouTube und Spotify zu beschimpfen, andererseits nutzen er und seine Mitstreiter genau diese Wege, um einen Hype zu kreieren.

Die wirklich spannende Frage wird allerdings sein, ob die Band es 2016 schafft, noch immer relevant zu sein. Der Trubel um "Burn the Witch" lässt leise Zweifel daran aufkommen. Das Meisterwerk "Kid A" hatte keine Kampagne nötig, es gab damals nicht einmal eine Singleauskopplung. Ein künstlerischer und kommerzieller Erfolg war die Platte trotzdem.

Auch die nachfolgenden Alben füllten Radioheads einzigartige musikalische Nische immer vielschichtig, oszillierten zwischen Gitarrenrock und elektronischer Musik, zwischen radikaler Abwendung vom (und später wieder ganz zarter Zuwendung zum) Britpop, Jazz und aufgebrochenen Songstrukturen.

Gerade aber das für Radiohead typische Spiel mit der Doppelbödigkeit, mit Abgründen und Ängsten - es will bei "Burn the Witch" nicht wirklich zünden. Lyrics wie "Stay in the shadows/ Cheer the gallows/ This is a round up/ This is a low-flying panic attack" sind erwartbar. Das gilt auch für das Grauen, das aus den vom britischen Horror-Klassiker "The Wicker Man" inspirierten Bildern spricht. Da darf das mit Spannung erwartete Album gern noch an Komplexität nachlegen.

Sehen Sie das neue Radiohead-Video hier.

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
team_frusciante 05.05.2016
1.
Sind die Figuren wirklich aus Knete? Sieht mehr nach kleinen Holzpüppchen aus.
Tania 05.05.2016
2.
Was für ein lahmer Song...
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