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Raffaella Carrà, 78

aus DER SPIEGEL 28/2021
Foto: Daniel dalL Zennaro / EPA

Ein leichtes Wiegen und angedeutete Berührungen an Knie, Hüften, Schultern und Kopf des Gegenübers: So geht »Tuca Tuca«, der berühmte Tanz von Raffaella Carrà. Heute wirkt er harmlos, doch im italienischen Fernsehen der Siebzigerjahre war er ein Tabubruch. Zumal Carrà dabei ihren Bauchnabel zeigte. Der blonde Bob und die sexy Auftritte machten die Künstlerin zu einem Popstar, der für Toleranz im sittenstrengen Italien stand. Aus einer Kleinstadt bei Rimini stammend, wurde Carrà zum Vorbild vieler Italienerinnen aus der Provinz. In Spanien und in Südamerika war sie fast so berühmt wie in ihrer Heimat, 60 Millionen Tonträger konnte sie verkaufen. In den Neunzigerjahren spielte sie im TV Fußball mit Maradona. Ihr Ruhm reicht bis in die Gegenwart: »Nichts ist populärer als ›la maglia azzurra‹, kein Künstler ist populärer als Raffaella«, brüllte der italienische Kommentator ins Mikro, kurz vor dem EM-Halbfinale Spanien gegen Italien. Dabei wärmten sich die Italiener in Wembley bei den Klängen von Carràs »A far l'amore comincia tu« auf, einem Hit, der in Deutschland als »Tanze Samba mit mir« zum Ohrwurm wurde. Italien gewann das Spiel. Raffaella Carrà war einen Tag zuvor, am 5. Juli in Rom, gestorben.

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