Medienberichte Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Till Lindemann
Sänger Lindemann: Anfangsverdacht nach Paragraf 177
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Die Staatsanwaltschaft Berlin hat von Amts wegen Ermittlungen gegen Till Lindemann eingeleitet. Dies berichten mehrere Berliner Medien am Mittwoch. Dem »Tagesspiegel« zufolge habe die parteilose Justizsenatorin Felor Badenberg die Mitglieder des Rechtsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus unter Ausschluss der Öffentlichkeit informiert.
Dem Medienbericht zufolge lägen der Staatsanwaltschaft auch mehrere Strafanzeigen nach Paragraf 177 des Strafgesetzbuches gegen den Rammstein-Sänger vor. In dem Paragrafen werden sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung behandelt.
Die »B.Z.« hat Informationen , wonach der Ursprung der Ermittlungen zwei Anzeigen zu unterschiedlichen mutmaßlichen Taten seien. Eine sei bei der Berliner Polizei eingegangen, die andere sei direkt bei der Staatsanwaltschaft gestellt worden.
Sebastian Schlüsselberg, Sprecher für Verfassungs- und Rechtsangelegenheiten der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, sagte dem SPIEGEL auf Nachfrage zur Berichterstattung: »Wenn die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht sieht, dann ist es richtig, wenn sie Ermittlungen aufnimmt. Deren Ergebnisse gilt es abzuwarten. Die Unschuldsvermutung gilt.«
Für das Mitglied des Rechtsausschusses gehe es aber nicht nur um die Frage, ob es strafrechtlich relevante Vergehen gegeben habe, sondern ob strukturelle Machtgefälle ausgenutzt würden. Solche Machtgefälle »gibt es überall in der Gesellschaft und nicht nur im Kulturbetrieb und sie laden offensichtlich zum Missbrauch ein«, so Schlüsselberg.
Deshalb sei es wichtig für Strukturen, die diesen Machtmissbrauch begünstigen, sensibilisiert werden. Zugleich müssten die Menschen, die in diesen Strukturen über Macht verfügen, in die Verantwortung dafür genommen werden, dass es nicht zu einem Missbrauch kommt, findet der Linken-Politiker.
Mehrere Frauen werfen Rammstein-Sänger Till Lindemann sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch vor. Sie schildern etwa Situationen, die sie teils als beängstigend empfunden hätten. Junge Frauen seien während Konzerten ausgewählt und gefragt worden, ob sie zur After-Show-Party kommen wollten. Dabei soll es nach den Angaben einiger Frauen auch zu sexuellen Handlungen gekommen sein.
Till Lindemann weist die Vorwürfe gegen ihn zurück. Seine Anwälte kündigten juristische Schritte an.
Presseerklärung zu Till Lindemann pic.twitter.com/nQ8PatEG9j
— Schertz Bergmann (@schertzbergmann) June 8, 2023
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