Sicherheitsbedenken Silvesterkonzert von Rammstein auf der Münchner Theresienwiese abgesagt

Rammstein sollte vor 145.000 Menschen auftreten – an Silvester, mitten in der Stadt. Doch der Plan drohte München zu spalten. Nun zieht der Veranstalter die Reißleine.
Rammstein-Sänger Till Lindemann: Absage »aus Gründen der VERNUNFT«

Rammstein-Sänger Till Lindemann: Absage »aus Gründen der VERNUNFT«

Foto: Simone Cecchetti - Corbis / Getty Images

Die Pressemitteilung zum geplanten München-Konzert von Rammstein am Silvesterabend ist nur zwei Sätze lang. Aber daran, wie sich der Veranstalter Klaus Leutgeb darin zitieren lässt, ist abzulesen, wie sehr um diese Show gerungen wurde – und letztlich auch um ihre Absage.

»Der Veranstalter und die Behörden haben sich einvernehmlich (im Original fett) darauf verständigt, dass die verbleibende Zeit bis zum 31.12.2022 nicht ausreicht, um ein Konzert in dieser Größenordnung sicher durchführen zu können«, heißt es im ersten Satz. Anfang August erst war die Anfrage an die Stadt öffentlich geworden, wonach Rammstein auf der vom Oktoberfest weltbekannten Wiese den Jahreswechsel einläuten wollten.

145.000 Besucher hätten kommen sollen nach den Vorstellungen des österreichischen Veranstalters Leutgeb, der in München mit Großkonzerten von Andreas Gabalier und Helene Fischer für Aufsehen sorgt. Allerdings wurde hinterlegt, dass mit dem Zollverein in Essen auch ein Alternativstandort für die Rammstein-Silvestersause im Gespräch sei.

Der Stadtrat hatte den Plänen zugestimmt

Münchens Tourismusreferent beeilte sich zu erklären, was für »eine wunderbare Gelegenheit« ein solches Konzert für die bayerische Landeshauptstadt wäre. Der Stadtrat stimmte den Plänen am 10. August zu – mit Gegenstimmen von Grünen, Linken und ÖDP; vor allem aber vorbehaltlich der Genehmigung vom Kreisverwaltungsreferat.

Dort sammelten sich offenkundig die Einwände. Sie kamen von den Sicherheitsbehörden, die auf die in der Silvesternacht traditionell sowieso stark belasteten Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr hinwiesen. Aber auch das Tollwood-Winterfestival hatte sich zu Wort gemeldet – in dessen Rahmen findet seit 22 Jahren auf dem Gelände der Theresienwiese eine Silvester-Gala statt.

Die Münchner Zeitungen kommentierten mal in die eine, mal die andere Richtung; schon war von einer Spaltung der Stadt in der Rammstein-Sache die Rede. Deshalb wohl die Betonung der Einvernehmlichkeit der Absageentscheidung. Nach einem Gespräch mit der Stadt München am Vormittag habe der Veranstalter überraschend abgesagt, sagte ein Sprecher des Kreisverwaltungsreferats am Dienstag.

Die Leutgeb Entertainment Group begründete die Entscheidung dem Sprecher zufolge mit dem hohen Zeitdruck, unter dem sie ein schlüssiges Sicherheitskonzept für das Konzert hätte ausarbeiten müssen. »Eine Veranstaltung muss für alle Beteiligten funktionieren, weshalb ich als Veranstalter aus Gründen der VERNUNFT (im Original in Versalien) entschieden habe, das geplante Vorhaben zu beenden«, lautete der zweite Satz des Statements.

feb/dpa
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