Frühere Streaming-Gegner Spotify darf jetzt auch Rammstein spielen

Til Lindemann von Rammstein beim Wacken-Festival 2013: Spotify-Neuzugang
Foto: Axel Heimken/ dpaLondon - Wer bisher auf dem Streamingdienst Spotify nach Musik von Rammstein suchte, fand höchstens eine obskure "Ode to Rammstein", nicht aber die Songs der Ost-Berliner. Sie gehörten zu den Verweigerern des Streamingmodells und waren damit in prominenter Gesellschaft mit den Beatles oder AC/DC, aber auch mit anderen deutschen Bands wie den Toten Hosen oder den Ärzten.
Doch das ändert sich von Mittwochmorgen an: Nun sind Rammstein auch bei Spotify zu hören, zur großen Freude des europäischen Direktors für Labelkontakte, Kevin Brown. Man habe schon seit Längerem im Dialog mit der Band gestanden, sagt er, und man habe sie überzeugt von der "Möglichkeit, mit einer neuen Generation von Musikfans in Verbindung zu treten." Als Beispiel dafür nennt Brown Pink Floyd, deren Publikum auf Spotify zu 60 Prozent aus Unter-35-Jährigen bestehe.
Zuletzt hatte der Marktführer unter den Streamingdiensten eine herbe Schlappe hinnehmen müssen, als mit Taylor Swift die derzeit erfolgreichste Popsängerin der USA ihre komplette Musik für Spotify sperren ließ. Entsprechend begierig streut das ursprünglich aus Schweden stammende Unternehmen nun gute Nachrichten, vom positiven Geschäftsergebnis in Frankreich über das verspätete Auftauchen des jüngsten Beyoncé-Albums bis hin zu der Rammstein-Meldung.
Für den Spotify-Inhaltebeschaffer Brown ist das Ziel weiterhin, möglichst alle Musik anzubieten. Dabei sind allerdings immer wieder Widerstände zu überwinden. Zahlreiche Musiker, darunter Thom Yorke von Radiohead, kritisieren, dass die Einnahmen der Musiker pro abgespieltem Stück zu gering seien.
Im Falle von Rammstein sei auch deren Plattenfirma Universal Music in die Gespräche eingebunden gewesen, so Kevin Brown. Das Label zählt mit zu den Anteilseignern von Spotify. Der Dialog sei entscheidend bei den Verhandlungen, sagt Spotify-Mann Brown, und: "Ein Künstler, der die volle Kontrolle über seine Musik hat, kann in solchen Diskussionen schon direkter auftreten." Zwei prominente deutsche Gegner des Streamingmodells, Die Ärzte und Die Toten Hosen, veröffentlichen jeweils bei eigenen Plattenfirmen.