Rap-Feministin Hier kommt Bad Blank!

Sie ist die Verheißung intelligenter Unterhaltung: Derb in der Wortwahl und elegant in den Raps, reimt die Amerikanerin Amanda Blank nicht ganz jugendfrei über Sexspielzeug und Selbstbefriedigung - die Männer aber entlarvt sie als Opfer ihrer Triebe.

Von Thomas Winkler


Eine Begegnung mit Amanda Blank hat etwas Unwirkliches. Nicht wegen des billigen Modeschmucks, mit dem sie über und über behängt ist. Nicht wegen des kreischend lilafarbenen Kapuzenpullis, der in den Augen schmerzt. Nicht wegen des aufdringlichen Lidschattens, und auch nicht wegen der schwarz lackierten Fingernägel. Nein, nicht deswegen. Aber wann sonst eröffnet man das Gespräch mit einer Frau schon einmal mit der Frage: "Wollen wir über Sex reden - oder lieber nicht?"

Doch die Frage ist, so unangenehm vorzutragen sie erst einmal sein mag, nun mal journalistische Pflichtaufgabe. Und wird denn auch prompt beantwortet mit einem aufgeräumten "Aber na klar doch". Denn Amanda Blank ist zwar Rapperin, aber weiß, was sich gehört: Wer in seinen Reimen nur das eine Thema behandelt, der darf sich nicht wundern, wenn er dazu befragt werden soll.

Dabei stellt die 26-Jährige aus Philadelphia, die eigentlich Amanda Mallory heißt, auf ihrem ersten Album "I Love You" die Welt des Sprechgesangs radikal auf den Kopf: Statt, wie von Frauen in ihrem Gewerbe bislang gewohnt, sich als williges Sexobjekt zu präsentieren, verkehrt sie die Rollen. Sie tut es den männlichen Kollegen gleich, fordert ihr sexuelles Vergnügen ein und degradiert den Mann zum Opfer seiner Triebe.

"Natürlich verkaufe ich Sex"

Vor allem aber feiert sie die weibliche Selbstbestimmung. Denn im Gegensatz zu den ebenfalls sexuell aggressiven Ansätzen einer 'Lil Kim oder Foxy Brown, bleibt Blank stets Herrin über ihren eigenen Körper: "Ich werde niemals in einem Bikini am Strand rappen", verspricht sie, "und ich habe auch keine Fake-Titten."

Das ist, nicht nur im HipHop, ein revolutionärer Ansatz: Auf "I Love You" findet sich, trotz des Titels, kaum das, was man gemeinhin Liebeslieder nennt. Nach Schätzung der Verantwortlichen selbst "höchstens eins oder zwei, und die sind auch eher zufällig drauf geraten". Nein, die Liebe in ihren emotionalen Dimensionen ist eher weniger Amanda Blanks Thema. Die körperliche Variante des Begriffs allerdings nimmt breiten Raum ein: Sie reimt ganz und gar nicht jugendfrei über Sexspielzeug, Selbstbefriedigung und zur Abwechslung auch mal über Schminktechniken.

"Natürlich", gibt Blank zu, "verkaufe ich auch Sex." Der alte Grundsatz "Sex sells" funktioniere immer noch, auch wenn man, wie sie feststellen durfte, "mittlerweile doch ziemlich weit gehen muss". Auch ihre Vulgarität ist übertrieben, aber so systematisch, dass sie direkt in eine ironische Überhöhung führt. Der entscheidende Unterschied aber, so Blank, sei der grundsätzliche Umgang mit dem Thema: Sie fülle keine von Männern verordneten Rollen aus, sondern predige "einen ganz normalen Umgang mit Sexualität".

Musik als feministisches Statement

Dabei versteht sie ihre Musik zwar als "feministisches Statement", schränkt aber ein: "Ich stehe nicht an der Spitze einer Bewegung, sondern nehme nur an der Schlacht um Gleichberechtigung teil." In diesem Krieg dient sie als Aufklärerin mit eindeutiger Botschaft: "Der Gedanke, dass ich mit meiner Musik zur Befreiung von Menschen einen Teil beitrage, der gefällt mir. Aber in erster Linie will ich meinen Spaß." Dazu gehört halt, zu sagen, was frau sagen möchte. Dass das, was Blank sagt, wiederum eine Menge Männer provoziert, das weiß sie selbst, ist aber nicht ihr Problem.

In dieser Haltung sieht sie sich in einer überschaubaren Tradition: Auf ihrer Website würdigt sie in einer Art Ahnengalerie die Leistungen von, so Blank, "tough, bad-ass chicks" wie Grace Jones, Mary J. Blige und Pretenders-Chefin Chrissie Hynde. "Die größte Inspiration" allerdings sei Peaches, die in Berlin lebende Kanadierin und ihr sexuell expliziter Electro-Punk.

Die Ideen dieser Frauen - und vor allem ihren selbstsicheren und souveränen Umgang mit Musik und Männern - versucht Blank nun auf den HipHop zu übertragen. Damit hat sie sich zwar wohlwollende Erwähnungen im Feuilleton der "New York Times" und anderer Zeitungen gesichert, auch dank ihrer Mitwirkung bei mittlerweile renommierten Projekten wie der alternativen HipHop-Band Spank Rock oder der Performance-Gruppe Sweatheart. Im HipHop aber bleibt sie vorerst weiter an den Rand des immer noch vom Gangsta-Rap bestimmten Mainstreams verbannt.

Zu Unrecht: Denn nicht nur als Sex-Revolutionärin, sondern auch als Rapperin hat Blank ihre Qualitäten. Je derber ihre Wortwahl gerät, desto eleganter scheinen ihre Raps zu werden. Die Beats darunter sind jederzeit tanzbar und offen für Einflüsse aus der Weltmusik. Dass sie schon mit M.I.A. und Ghostface Killah vom Wu-Tang Clan kooperiert hat, das kann man hören. Dass sie auch schon einmal für Britney Spears gearbeitet hat ,zum Glück nicht. Und dass ihre Freundin Santigold sie dazu überredet hat, zusätzlich zum Rappen auch zu singen, das ist ein Glück.

In einem Genre, das vernunftbegabte Anhänger zuletzt mit der weitgehend humorlosen Aneinanderreihung testosterongesteuerter Protzereien meist unterforderte, ist Amanda Blank ein großes Versprechen. Nämlich die Verheißung intelligenter Unterhaltung.



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lemming51 31.07.2009
1. Bad Blank
Da wird wieder ein One-Hit-Wonder als nächste Sau durchs Pop-Dorf getrieben
frubi 31.07.2009
2.
Zitat von lemming51Da wird wieder ein One-Hit-Wonder als nächste Sau durchs Pop-Dorf getrieben
Richtig. Pop-Musik - kein Rap. Nennt diese Leute doch bitte "Sprechgesangs-Künstler". Unsere Musik wird doch schon genug durch die eigenen Leute in den Dreck gezogen. Im Rap gibt es wirklich große Künstler und diese Dame ist wieder nur mal eine Person, die sich durch Provokation einen Platz in der Öffentlichkeit schnappen will. Lady Bitch Ray lässt grüßen.
blue_plasma, 31.07.2009
3. Die armen Schweine...
die da durchs Dorf getrieben werden. Ne offensive, sexuell freie Rapperin. Hurra! Mal ganz was Neues... Wir ham' ja mal "Lady Bitch Ray" gehabt. Die zieht auch keine Scheibe Wurst vom Teller. Was ich an der Sache echt schade finde ist, das Frauen meinen sich genauso dämlich und unkultiviert prollig wie Männer verhalten und ausdrücken zu müssen und dies dann auch noch Emanzipation nennen. Ist wohl so ein Feuchtgebiet-Irrtum, dass der Verlust von Niveau und Kultur als Berfreiung verstanden wird... Grüße
SethSteiner 31.07.2009
4. Eher peinlich als feministisch und "cool"
Ich glaube das Bild auf der News Seite passt perfekt *gähn* Wenn ich das schon wieder lese, derb rappt sie über sexspielzeug und entlarvt die Männer ihre Triebe. Wow das klingt schon nach Anspruch... NICHT! Ich seh da nirgends Anspruch sondern einfach nur wieder gähnende Stereotypen und Widersprüche. Was ist denn daran feministisch zusagen, man habe keine "Fake-Titten" (kann mans nicht gleich als falsche Brüste übersetzen?) und würde nie am Strand im Bikini rappen, wenn man gleichzeitig von Selbstbefriedgigung und Sex in derber weise redet? Für mich sieht das einfach nur aus wie der normale Rap-Alltag nur eben mit Frauen- statt Männerstimme. Dieses niveaulose gerappe wird nicht besser, wenn man keinen Bikini und keine falschen Brüste hat, es ist genau dasselbe was andere Frauen auch abliefern. Zu Mal definiert sich der Rap doch nicht durch Sex, Sex, Sex. Klar mag ich Sex, ich mag auch Titten ganz egal ob nun falsch oder nicht aber heutzutage ist das doch egal, die Frau ist trotzdem eine Frau und keine Gummipuppe. Die arme muss ein schlechtes Umfeld haben, wenn man ihr das eingeredet hat. Ich hätte mir allerdings mehr jemanden gewünscht der ohne eine derbe Wortwahl auskommt, davon gibt es ja auch ein paar aber leider bekommen die nicht soviel Aufmerksamkeit, wie sie es verdient hätten.
microsoftie 31.07.2009
5. Immer das gleiche Schema, gaehn
Immer das gleiche Schema: Wer nix kann macht auf billige (Sex-)Provokation und schiebt einen kuenstlerischen Anspruch oder Gesellschaftskritik vor. Oh wie spannend. Mich wundert, dass ueberhaupt jemand noch so einen langweiligen Kaese hoeren will...
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