Rassismus in den Medien Rücktritt nach Rihanna-Beschimpfung

Das niederländische Mode-Magazin "Jackie" druckte einen Artikel über die Popsängerin Rihanna gespickt mit rassistischen Beleidigungen - und löste damit eine Schlacht im Netz aus. Nach verpatzten Entschuldigungen trat jetzt die Chefredakteurin zurück.

Rihanna beim Festival "Rock in Rio" in Rio de Janeiro: "Ghetto-Arsch und goldene Kehle"
DPA

Rihanna beim Festival "Rock in Rio" in Rio de Janeiro: "Ghetto-Arsch und goldene Kehle"


Hamburg/Amsterdam - "Niggabitch": Nach dieser Formulierung in einem Artikel über R&B-Star Rihanna ist die Chefredakteurin des niederländischen Modemagazins "Jackie", Eva Hoeke, zurückgetreten. Das teilte das Magazin am Mittwoch auf seiner Facebook-Seite mit. Zuvor hatte sich Hoeke für die Beleidigung noch via Twitter entschuldigt: Das N-Wort sei nur als "Scherz" gemeint gewesen und habe auch lediglich den Kleidungsstil der Sängerin beschreiben sollen. Rihanna schoss trotzdem scharf zurück: Über Twitter verfluchte sie die Chefredakteurin vollmundig.

Auch mit einer zweiten Entschuldigung konnte Hoeke die öffentliche Entrüstung nicht abschwächen. Deshalb sei sie nun - so ließ sie über Facebook verlauten - zusammen mit dem Verleger Yves Gijrath zu dem Schluss gekommen, dass es besser für das Magazin und alle Beteiligten sei, wenn sie als Chefredakteurin ihren Hut nehme.

In dem fatalen "Jackie"-Artikel über die "We Found Love"-Sängerin wird unter der Überschrift "De Niggabitch" unter anderem behauptet, Rihanna stamme aus Jamaika - und nicht aus Barbados, wie es eigentlich korrekt wäre. Weiter heißt es: "Sie hat einen Ghetto-Arsch und eine goldene Kehle."

Die rassistischen Beleidigungen lösten vor allem in den USA wütende Reaktionen bei Mode- und Musik-Blogs aus. Rihanna twitterte daraufhin in Hoekes Richtung, sie sei "respektlos und ziemlich verzweifelt". Und weiter: "Ich hoffe, Sie können Englisch lesen, denn Ihr Magazin ist ein schlechtes Beispiel für die Entwicklung der Menschenrechte!" Es war nicht das erste Mal, dass die 23-Jährige wegen rassistischer Äußerungen in Rage geriet: Erst vor wenigen Tagen war sie nach eigenen Angaben in einem Hotel in Lissabon von einem Unbekannten übel beschimpft worden.

Nun soll die Künstlerin ihrer Entrüstung auch zu Papier bringen: Der Verleger des "Jackie"-Magazins bot der Künstlerin an, in der nächsten Ausgabe des Magazins, das in einer Auflage von rund 57.000 Exemplaren erscheint, zu Wort kommen.

vks



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Seite 1
dogcow6502 21.12.2011
1. Na fein
Dann wäre ja der nächste Integrations-Bambie auch schon vergeben!
conocedor 21.12.2011
2. Gibts gerade 'ne neue Rihanna- Single zu promoten?
Zitat von sysopDas niederländische Mode-Magazin "Jackie" druckte einen Artikel über die Popsängerin Rihanna*gespickt mit rassistischen Beleidgungen*-*und*löste damit eine*Schlacht*im Netz aus. Nach verpatzten Entschuldigungen*trat jetzt die Chefredakteurin zurück. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,805161,00.html
Hier wird mal eben eine verfängliche Überschrift flugs zu einem Artikel "gespickt mit rassistischen Beleidigungen". Tja, wenn zwei das gleiche tun, ist das eben noch lange nicht dasselbe. Pech für Frau Hoeke, dass sie selbst keine Farbige (oder heißt es korrekt: Afro-Europäerin?) ist. Dann ginge das "Niggabitch" wohl eher als kumpelhaft- anerkennendes Lob durch. Abgesehen davon, sie hat erklärt, dass die Überschrift unglücklich gewählt war und sich entschuldigt. Man muss nicht alles zu einem Skandal aufblasen.
ilikethesea 21.12.2011
3.
Zitat von conocedorHier wird mal eben eine verfängliche Überschrift flugs zu einem Artikel "gespickt mit rassistischen Beleidigungen". Tja, wenn zwei das gleiche tun, ist das eben noch lange nicht dasselbe. Pech für Frau Hoeke, dass sie selbst keine Farbige (oder heißt es korrekt: Afro-Europäerin?) ist. Dann ginge das "Niggabitch" wohl eher als kumpelhaft- anerkennendes Lob durch. Abgesehen davon, sie hat erklärt, dass die Überschrift unglücklich gewählt war und sich entschuldigt. Man muss nicht alles zu einem Skandal aufblasen.
Das ist doch wohl nicht ihr ernst. Diese Beschimpfung ist in keinem Kontext angebracht und offenbart klar das rassistische Gedankengut der Chefredakteurin. Abgesehen davon, hat sie sich auch nicht entschuldigt, sondern nur ihren schlecht recherchierten Text mit der alten Floskel "alles nur ein Scherz" verteidigt. Rihannas Antwort war völlig angemessen.
jupiter_jones 21.12.2011
4. Es kommt auf den Kontext an
Zitat von conocedorHier wird mal eben eine verfängliche Überschrift flugs zu einem Artikel "gespickt mit rassistischen Beleidigungen". Tja, wenn zwei das gleiche tun, ist das eben noch lange nicht dasselbe. Pech für Frau Hoeke, dass sie selbst keine Farbige (oder heißt es korrekt: Afro-Europäerin?) ist. Dann ginge das "Niggabitch" wohl eher als kumpelhaft- anerkennendes Lob durch. Abgesehen davon, sie hat erklärt, dass die Überschrift unglücklich gewählt war und sich entschuldigt. Man muss nicht alles zu einem Skandal aufblasen.
Ich weiss nicht worauf Sie hinauswollen? Is doch klar, dass sich mit der Person auch die Bedeutung eines Wortes verändern kann, oder der Kontext in dem der Begriff verstanden wird. Ich glaube Sie waren noch nie in den USA (oder zumindest für eine längere Zeit). Dort sind solche Äusserungen nun mal eine delikate Angelegenheit. Man muss die Dinge vor dem gesellschaftlichen und geschichtlichen Hintergrund bewerten.
Sassy60 22.12.2011
5. Empfindlichkeiten
Zitat von jupiter_jonesIch weiss nicht worauf Sie hinauswollen? Is doch klar, dass sich mit der Person auch die Bedeutung eines Wortes verändern kann, oder der Kontext in dem der Begriff verstanden wird. Ich glaube Sie waren noch nie in den USA (oder zumindest für eine längere Zeit). Dort sind solche Äusserungen nun mal eine delikate Angelegenheit. Man muss die Dinge vor dem gesellschaftlichen und geschichtlichen Hintergrund bewerten.
Solche Äußerungen sind nicht nur in den USA völlig inakzeptabel. Ich wette, dass so mancher Forist, der hier so nonchalant über diese Beleidigungen hinwegsehen will, einen hochroten Kopf bekäme, wenn z.B. eine polnische Zeitung z.B. Gottschalk als deutsche Nazibrut bezeichnen würde.
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