Entscheidung der Unesco Reggae ist Weltkulturerbe

"Get Up, Stand Up": Reggae zählt ab sofort zum immateriellen Weltkulturerbe. Das entschied die UN-Kulturorgsanisation Unesco. Auch ein deutsches Handwerk schaffte es auf die Liste.
Reggae-Fan

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Foto: Legnan Koula/ picture alliance/dpa

Er stammt aus Jamaika und umfasst ein ganzes Lebensgefühl: Der Popmusikstil Reggae gilt als sogenanntes immaterielles Weltkulturerbe. In seiner Begründung schreibt die Kommission der Unesco, Reggae transportiere wichtige Botschaften zu "Fragen der Ungerechtigkeit, des Widerstandes, der Liebe und Menschlichkeit". Sie sei zugleich "sinnlich und spirituell".

Die jamaikanische Regierung reagierte euphorisch und sprach von einem "historischen Tag". Die jamaikanische Kulturministerin Olivia Grange sagte: "Ich bin sehr glücklich und bewegt." Jamaika hatte seine Bewerbung damit begründet, Reggae spiele eine Schlüsselrolle im Leben der gesamten jamaikanischen Gesellschaft und insbesondere bei der Gemeinschaft der Rastafari.

Reggae entwickelte sich in den Sechzigerjahren aus der Vermischung von Spielarten der US-Popmusik wie Soul, R&B und Country und den jamaikanischen Genres Mento und Ska. Charakteristisch ist die so genannte Offbeat-Phrasierung, also die Betonung des jeweils zweiten und vierten Taktteils, die oft verlangsamt gespielt werden, weshalb die Musik auf viele Hörer einen entspannenden Eindruck macht.

Reggae-Superstar ist bis heute der 1981 verstorbene Bob Marley, der der Musik entscheidend zu ihrem Siegeszug um die Welt verhalf. Aber schon vor seinem Durchbruch gelang 1968 Desmond Dekker mit seinem Song "The Israelites" ein Nummer-Eins-Hit auch in den deutschen Charts.

Peter Tosh und Jimmy Cliff sind weitere bekannte Reggae-Musiker. In Deutschland machte sich vor allem Gentleman einen Namen. Moderne Reggae-Varianten wie der Dancehall-Reggae zogen in den letzten Jahren wegen sexistischer und homophober Texte auch Kritik auf sich.

Bis heute ist der Reggae Teil der Kultur der Rastafari, einer in Jamaika aus dem Christentum entstandenen Glaubensrichtung. Rastafari, zu denen auch Bob Marley sich bekannte, betonen ihre afrikanischen Wurzeln und verehren den letzten König des heutigen Äthiopien, Haile Selassie, als Gottheit. Das Rauchen von Cannabis gilt ihnen als rituelle Handlung.

Auch der Blaudruck ist Weltkulturerbe

Neben dem Reggae erklärte die Unesco-Kommission in dieser Woche noch weitere Kulturtechniken zum Weltkulturerbe. Dazu zählen der irische Mannschaftssport Hurling, der mit Schlägern und einem Ball gespielt wird; die Masken und Kostüme der Raiho-shin-Rituale aus Japan sowie die As-Samer-Tänze und -Gesänge aus Jordanien.

Aus Deutschland wurde das Handwerk des Blaudrucks auf die Liste gesetzt. Bei dem Färbeverfahren entsteht ein weißes Muster auf blauem Grund, eingesetzt wurde er seit dem 18. Jahrhundert vor allem auf Bettwäsche oder Vorhängen. Heute gibt es in Deutschland nur noch einen Meisterbetrieb in Bayern.

Die Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes umfasst bereits mehr als 400 Titel aus Bereichen wie Tanz, Theater, Musik und Handwerk. Anders als bei der Welterbe-Liste der Unesco für Kultur- und Naturstätten geht es um traditionelles Wissen, das von Gemeinschaften in aller Welt weitergegeben wird. Über weitere Neuzugänge berät die Unesco-Kommission noch bis Samstag.

kae/afp
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