Ton-Steine-Scherben-Sänger Rio Reiser hat einen Platz in Berlin

26 Jahre nach dem Tod des »König von Deutschland«-Sängers wurde in Kreuzberg ein Rio-Reiser-Platz eröffnet, natürlich mit Claudia Roth. Pläne dazu gab es schon lange – aber auch Widerstand gegen die Umbenennung.
Aus dem Heinrichplatz wurde der Rio-Reiser-Platz

Aus dem Heinrichplatz wurde der Rio-Reiser-Platz

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IMAGO/Ralf Pollack

Der Musiker Rio Reiser (»König von Deutschland«, »Alles Lüge«) hat nun einen nach ihm benannten Platz in Berlin. Der kleine Heinrichplatz im Stadtteil Kreuzberg wurde am Sonntag offiziell umbenannt.

Reiser (1950–1996) wurde als Ralph Christian Möbius in Berlin geboren, sein Leben und seine Karriere waren über lange Jahre eng mit der Stadt und dem Szenekiez verbunden. Der »Rauch-Haus-Song« von 1972 beispielsweise handelte von einer Hausbesetzung am Kreuzberger Mariannenplatz.

»Für Rio war das Private immer politisch«

Zur Feier mit mehreren Tausend Menschen und Konzerten kam auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). Sie war in den Achtzigern einige Jahre Managerin der Politrockband Ton Steine Scherben (»Macht kaputt, was euch kaputt macht«, »Keine Macht für niemand«), deren Sänger Reiser vor seiner Solokarriere war. Roth und Reiser bewohnten eine Zeit lang mit anderen Musikern auch eine Bauernhaus-WG im nordfriesischen Fresenhagen.

Für Roth ist die Umbenennung eine symbolische Rückkehr von Rio Reiser in einen Bezirk, in dem er jahrelang zu Hause war. Sie erinnerte auch an das Engagement des Sängers. So habe er sich »in einer ausgrenzenden Zeit« zu seiner Homosexualität bekannt, was »verdammt mutig« gewesen sei. »Für Rio war das Private immer politisch«, sagte Roth.

Einweihungsfeier auf dem Rio-Reiser-Platz

Einweihungsfeier auf dem Rio-Reiser-Platz

Foto: IMAGO/Peter Meißner / IMAGO/PEMAX

Der Platz, der nun Reisers Namen trägt, liegt an der Oranienstraße mit vielen Kneipen, Bars und Klubs mitten in SO 36. So wird die Gegend von vielen immer noch genannt, die Bezeichnung ist aus dem alten Postzustellbereich Südost 36 hervorgegangen.

In Berlin gab es bereits seit Längerem die Idee, Rio Reiser entsprechend zu würdigen. 2019 entschied die Bezirksversammlung Friedrichshain-Kreuzberg für die Umbennung des Heinrichplatzes – während die Linke geschlossen dafür und AfD und CDU geschlossen dagegen stimmten, waren Grüne, Die Partei und SPD gespalten. Aber es reichte zur Mehrheit.

Die Pläne des Bezirksamts waren im April 2021 im Amtsblatt veröffentlicht worden. Von Anwohnerseite gab es daraufhin vier Widersprüche. Diese wurden im Oktober als unzulässig zurückgewiesen.

Protestplakat gegen die Umbenennung

Protestplakat gegen die Umbenennung

Foto: IMAGO/Peter Meißner / IMAGO/PEMAX

Die Entscheidung war umstritten, etwa weil die männerlastige Liste von Straßen und Plätzen eigentlich durch Frauennamen aufgelockert werden soll. »Obwohl der Bezirk zunächst prioritär Frauennamen zur Benennung von Straßen annimmt, wird für Rio Reiser als Person mit einem LSBTTIQ-Hintergrund die Ehrung dennoch möglich«, heißt es in einem Text des Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksmuseum zur Umbenennung.

Der in der Szene populäre Platz hieß bisher Heinrichplatz nach Heinrich von Preußen (1781–1846), einem jüngeren Bruder des Königs Friedrich Wilhelm III. (1770–1840).

Die auch bei vielen Berlin-Touristen beliebte Buslinie M29 hat die Wandlung in Kreuzberg direkt mitvollzogen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben ihre Haltestelle zeitgleich von Heinrichplatz in Rio-Reiser-Platz umbenannt.

feb/dpa
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