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Robbie Williams: Swing, wenn es weihnachtet!

Foto: Dave Benett/ Getty Images

Robbie Williams im Interview "Weihnachten war immer eine Entschuldigung, mehr zu trinken"

Robbie Williams bringt ein Weihnachtsalbum heraus, inklusive Duett mit Helene Fischer. Hier dankt er seiner Mutter für die Heiligabende seiner Kindheit - und verrät, was ihn immun gegen den Wahnsinn von Trump und Brexit macht.
Zur Person
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Robbie Williams, 1974 in Stoke-on-Trent geboren, gehört mit über 75 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Pop-Künstlern der Gegenwart. Seine Karriere begann er Anfang der Neunzigerjahre in der Boyband Take That, ab 1997 wurde er solo zu einem der größten Popstars Großbritanniens. Sein Riesenego kontrastiert mit einer Empfindsamkeit gegenüber Kritikermeinungen, sein Talent als Songwriter, Sänger und Bühnen-Entertainer wurde oft durch Alkohol-, Fress- oder Tablettenexzesse ausgebremst. Seit 2010 ist er mit der US-Schauspielerin Ayda Field verheiratet, das Paar hat drei kleine Kinder und pendelt zwischen Los Angeles und London.



Auf seinem von Charles Dickens und Swingmusik inspirierten Weihnachtsalbum "The Christmas Present", dessen Songs er zusammen mit seinem früheren Hit-Komponisten Guy Chambers produzierte, singt Williams u.a. Duette mit Helene Fischer, Rod Stewart und Bryan Adams. Es erscheint am 22. November.

SPIEGEL: Herr Williams, ein Weihnachtsalbum, ernsthaft? Treten Sie jetzt in die gediegene Cliff-Richard-Phase Ihrer Karriere ein?

Williams: Als ich noch bei Take That war, spielten wir einmal im Brighton Civic Center. Wir fuhren vor der Halle vorbei und sahen massenweise Frauen in einem bestimmten Alter, die davor kampierten, nicht wegen uns, sondern wegen Cliff Richard, er spielte aber erst fünf Tage nach uns in Brighton.

SPIEGEL: Ja. Und?

Williams: Vergangene Woche gab ich ein Konzert hier in London, und vor dem Klub kampierten die Leute schon drei Tage vorher. Also: Ja, ich nähere mich wohl an.

SPIEGEL: Sind die Fans, die auf ihre Konzerte warten, denn auch schon im etwas fortgeschrittenen Alter oder doch noch etwas jünger?

Williams: Einige sind auch jünger, aber die meisten sind mittleren Alters. So wie ich. Es ist doch so: Cliff Richard hatte eine fünf Jahrzehnte lange Karriere. Es wäre ein sehr großes Glück, wenn ich dem nacheifern könnte, was er erreicht hat.

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Robbie Williams: Swing, wenn es weihnachtet!

Foto: Dave Benett/ Getty Images

SPIEGEL: Sie haben ja auch bald 30 Jahre geschafft. Natürlich kann man da schon mal eine Weihnachtsplatte herausbringen. Aber warum kein neues Studio-Album nach immerhin drei Jahren Pause?

Williams: Ins Studio gehen, ein Popalbum aufnehmen, die Pressetermine absolvieren, auf Tour gehen - das habe ich zwölf Mal gemacht, davor fünf Mal mit Take That.…

SPIEGEL: Ihnen war langweilig?

Williams: Ich wollte einfach etwas anderes machen, ich wollte, dass es ein Konzept gibt. Und außerdem wollte ich keinen Druck. Jedes Album erzeugt ungeheuren Druck, weil es in diesem Geschäft vor allem um Außenwahrnehmung geht. Das stresst mich! Bei einem Weihnachtsalbum ist es entspannter: Wenn es sich gut verkauft, super. Wenn nicht, auch okay. Es hat nicht dieselbe Wichtigkeit, es geht nicht gleich um alles oder nichts. Und außerdem: Ich liebe Weihnachten wirklich!

SPIEGEL: Wie waren denn die Weihnachtsfeste Ihrer Kindheit? Sie wuchsen nach der Scheidung ihrer Eltern mit Ihrer Mutter und Ihrer Stiefschwester in eher prekären Verhältnissen in Stoke-on-Trent auf.

Williams: Ja. Meine Mutter hat immer hart daran gearbeitet, uns schöne Weihnachts-Erinnerungen zu ermöglichen. Sie hat dafür alles zusammengekratzt, was sie konnte, und ich bin sehr stolz auf sie und das, was sie als alleinerziehende Mutter erreicht hat. Diese Momente der Güte, der Besinnlichkeit und des Zusammenseins haben sich tief in meine Psyche eingeprägt. Sie machen mich zu dem Menschen, der ich bin. Und jetzt lebe ich wiederum mit einer Frau zusammen, die so etwas wie die Personifizierung von Weihnachten ist: Sie ist unglaublich romantisch und sehr darum bemüht, uns und unseren Kindern diese Momente ebenfalls zu schaffen.

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SPIEGEL: Als Kind weiß man das zumeist noch gar nicht zu schätzen.

Williams: Nee, als Kind geht es nur um Geschenke. Geschenke, woohoo!

SPIEGEL: Und als Teenager nimmt man dann sogar eher eine Anti-Haltung zu Weihnachten ein, oder?

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Williams: Klar. Aber man fängt an Heiligabend auch immer früh an, Alkohol zu trinken. Weihnachten war immer auch eine Entschuldigung, mehr zu trinken. Damals, bevor das Trinken für mich zum Problem wurde, war das ein großer Spaß. Trunkenheit hat einen betäubenden Effekt, der alle auf das gleiche Level bringt, Kings and Queens and Paupers - den König ebenso wie den Bettler. Das ist buchstäblich berauschend. Das gehörte für mich ebenfalls zu Weihnachten, als ich 15, 16 war.

SPIEGEL: Ein bisschen Gesellschaftskritik haben Sie auch auf ihrem Weihnachtsalbum versteckt, das aus Klassikern und einigen neu geschriebenen Originalen besteht. Die Single "Time For Change" könnte man als Gegenwartskommentar verstehen.

Williams: Na ja, es ist jetzt nicht so, dass ich mir Gedanken über das Schicksal und die Zukunft des ganzen Planeten gemacht habe und dann beschloss, einen Song zu schreiben. Ich schrieb ihn nicht wegen der aktuellen Ereignisse, speziell in meinem Heimatland, sondern es ergab sich eher nebenbei: Huch, das ist ja relevant!

SPIEGEL: Als Pendler zwischen Ihren Wohnsitzen in Los Angeles und London erleben Sie ja gerade das Irrste aus beiden Welten: Trump in den USA und Brexit in England. Wie fühlt sich das an?

Williams: Mein Vertrauen in das System und die Leute dahinter war noch nie sehr ausgeprägt, aber jetzt hat es sich komplett aufgelöst. Ich bin mir bewusst, dass es da diese Soziopathen gibt, die über die Welt herrschen, aber mit mir haben sie rein gar nichts zu tun: Macht ihr nur, ich kümmere mich um mich und meine Familie.

SPIEGEL: Das fällt jetzt ein wenig schwer zu glauben.

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Williams: Nein, wirklich: Was diese Leute veranstalten, ist eine Pantomime, es existiert nicht. Es ist wie eine Fata Morgana in einer Wüste voller Scheiße. Ich mache da nicht mit, interessiere mich nicht dafür, schaue einfach nicht hin.

SPIEGEL: Erwächst aus Ihrer Macht als erfolgreicher Entertainer nicht auch die Verantwortung, eine Haltung oder ein politisches Statement zu formulieren?

Williams: Aber ich habe ein solches Statement nicht! Und es ginge auch weit über meinen intellektuellen Horizont hinaus. Das alles wird sich von allein regeln, und wir werden uns dann mit der Unordnung befassen müssen, die übrig bleibt.

SPIEGEL: Bis dahin wollen Sie den Menschen etwas Weihnachtsfreude vermitteln?

Williams: Hoffentlich! Ich habe insgesamt 35 Songs für dieses Album geschrieben, das geht nicht, wenn man da nur zynisch rangeht. Klar, zugegeben, es ist eine perfekte Gelegenheit für mich, auf Nummer sicher zu gehen. Und ich genieße das. Aber es geht mir auch darum, einen Song für die Ewigkeit zu schreiben. Wissen Sie, wie groß der Kick für mich sein wird, wenn der Weihnachtssong, den ich dieses Jahr herausgebracht habe, nächstes Jahr wieder gespielt wird? Das bedeutet alles für mich!

SPIEGEL: Für einen Zyniker habe ich Sie eigentlich auch nie gehalten….

Williams: Oh, ich neige schon latent dazu. Aber wir leben ja auch in einer zynischen Welt.

SPIEGEL: Umso ironischer, dass ausgerechnet Sie ein besinnliches Weihnachtsalbum herausbringen.

Williams: Ha, aber Sie haben noch nicht das ganze Album gehört! Da sind Sachen drauf, die Leute aufregen werden. Einiges könnte sogar Ihnen gefallen. Es ist Pop, aber es hat auch Punk-Momente, eine Art Middle-of-the-Road-Punkrock.

SPIEGEL: Die Songs des Albums haben Sie zusammen mit einigen engen Freunden und Kollegen in der Nähe Ihres Heimatorts geschrieben. Wie wichtig war diese Rückbesinnung?

Williams: Das meiste ist tatsächlich in Burslem aufgenommen worden, einer der fünf Gemeinden von Stoke-on-Trent. Wir fanden es toll, einfach wir selbst sein zu können an diesem Ort, an dem wir aufgewachsen sind. Das können nur Leute verstehen, die selbst aus solchen kleinen Ortschaften kommen. Ich war immer schon sentimental, wenn es um meine Herkunft geht. Aber das Boot wurde dort gebaut, und es musste woanders hingesegelt werden. So ist das nun mal.

SPIEGEL: Sie haben Ihr Boot in einen sicheren Hafen gesteuert und sind glücklich mit Ihrer eigenen Familie?

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Williams: Ja, aber das war auf keiner Karte verzeichnet. Das war nicht absehbar, alles andere als das. Aber zum Glück ist es passiert. A: Ich bin noch am Leben. B: Ich bin Vater geworden. C: Ich bin ein liebevoller Ehemann.

SPIEGEL: Fühlen Sie sich jetzt also sicherer und geborgener als früher?

Williams: Ja, das tue ich. Ich habe viel an mir gearbeitet, um ein besserer Mensch zu werden. Dafür kann ich mir auch selbst auf die Schulter klopfen.

SPIEGEL: Irgendeine Sucht plagt Sie dennoch immer, heißt es. Mal war es Alkohol, dann Süßigkeiten. Mit dem Rauchen haben Sie gerade wieder aufgehört, was ist es jetzt?

Williams: Golf. Meine aktuelle Abhängigkeit ist Golf spielen. Das geht jetzt ein paar Monate, und dann wird es wieder etwas anderes sein.

SPIEGEL: Wie ist Ihr Handicap?

Williams: 13. Besser als der Durchschnitt, aber nicht so gut, wie es sein sollte…... so wie mein Penis!

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