Robbie-Williams-Offensive "Ich wollte einen weißen Porsche"

Bevor Robbie Williams mit der wiedervereinigten Old-Boy-Band Take That auf Welttournee geht, zieht er mit Neuauflagen seiner Alben und einem kurzweiligen Buch über seine Karriere eine Bilanz seiner Solo-Jahre. Die kann sich durchaus sehen lassen.

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Letztes Jahr bei den "Brit Awards" wurde Robbie Williams hinter der Bühne von einem Mann begrüßt, der ungefähr in seinem Alter war und an den er sich beim besten Willen nicht erinnern konnte. Kein Wunder, getroffen hatten sich die beiden nur einmal kurz vor zwanzig Jahren im Büro eines Musik-Managers in Manchester, wo sie antraten zum Vortanzen und -singen für einen Platz in einer geplanten Boy-Band namens Take That.

Wer den Job bekam, ist Geschichte. Für Robbie Williams allerdings wieder aktuell seit seiner Rückkehr zur Senioren-Gang von Take That, mit der er im Juli auf Konzert-Reise durch die Arenen und Mehrzweck-Hallen dieser Welt geht. Seine zeitweilig sagenhaft erfolgreiche Solo Karriere hat der 37-Jährige dafür erstmal auf Eis gelegt.

Absurdes Bilderbuch

An vergangene Triumphe erinnern nun Neuauflagen seiner Soloplatten, die jeweils um eine DVD aufgepimpt wurden, sowie das Buch "You Know Me", das Williams mit dem britischen Pop-Journalisten Chris Heath verfasste, der auch bei Robbies Bestseller-Biografie "Feel" Feder führte. Der Band, eine Art Bilderbuch mit begleitenden Kommentaren des Künstlers, ist ein durchaus kurzweiliges Vergnügen. Was einerseits daran liegt, dass Chris Heath ein Gespür für Pointen hat, und andererseits, dass Robbie Williams' Vita voll von absurden Momenten ist.

Als alles anfing, wollte der 16-jährige Schulabbrecher und gescheiterte Fensterverkäufer Robert Peter Williams aus Stoke-on-Trent vor allem berühmt werden: "Ich wollte einfach nur einen weißen Porsche. Um einen Kumpel mit diesem weißen Porsche abzuholen. Das war eigentlich alles. Warum sollte man das auch nicht wollen, wenn deine Berufsaussichten nicht gerade rosig sind? Der Berufsberater hatte mir vorgeschlagen, ich solle zur Armee gehen. Und das wollte ich nicht." Im charmanten hoch unterhaltsamen Plauderton jenseits des üblichen PR-Geschwätzes wird in diesem Buch noch mal eine Welt-Karriere (ohne die USA, wo es nie geklappt hat) in Episoden und Anekdoten nacherzählt: von den unangenehmen Jahren mit Take That bis zu seinem Rauswurf, von seiner Begeisterung für Hunde und unbekannte Flugobjekte, seinen jahrelang gepflegten Hass auf Gary Barlow, der märchenhaften Solo-Karriere und allem was da schiefging. Einem argentinischen Radiosender erklärte er das mal so: "Der typische Robbie-Williams-Kreislauf: Album rausbringen, total begeistert davon sein, gesund aussehen, gesund sein, das Album promoten, anfangen zu essen, mit dem Album auf Tour gehen, durchdrehen, Tour beenden, Nervenzusammenbruch kriegen, in der Entzugsklinik landen... Das kann auf Dauer einfach nicht gutgehen."

Desaster und Hausfrauen-Hits

Zuletzt hatte Robbie Williams viel zu kämpfen mit inneren Dämonen und durchwachsener Kritik an seiner Musik. Dabei waren seine von den meisten Journalisten ungnädig aufgenommenen Alben "Rudebox" und "Intensive Care" viel besser als ihr Ruf - und jedenfalls keine kommerziellen Desaster, wie oft behauptet wurde. Platten, die sich jeweils multimillionenfach verkauft haben ("Intensive Care" zum Beispiel knapp sieben Millionen Mal), lassen sich wohl kaum ernsthaft als Flops bezeichnen.

Auch musikalisch sind beide Werke unterschätzt: "Intensive Care", aufgenommen mit dem Lilac-Time-Barden Stephen Duffy, lohnt sich allein schon für die feine Ballade "Advertising Space". Und "Rudebox", immer noch Robbie Williams' liebste Platte, ist mit seinem von Mark Ronson, den Pet Shop Boys und anderen Könnern produziertem Elektro-Rumpel-Pop ein furioses Vergnügen. Dieses gibt es nun samt DVD mit angemessen bizarren Kunst-Kurzfilmen zum Album neu zu entdecken.

Das aktuelle Take-That-Reunion-Album "Progress" ist dagegen bieder und sterbenslangweilig: melodiearme und überproduzierten Hausfrauen-Hits. Sinn macht die Reunion trotzdem: Denn wie erwartet brach die Zweckgemeinschaft zuletzt allerlei Umsatzrekorde. Lange währen wird sie trotzdem nicht. Nach der Tour, wird schon vermeldet, will Robbie Williams seine Solo-Karriere fortsetzen. Länger wird es der unberechenbare Egozentriker bei den biederen Take-That-Kollegen kaum aushalten. Wie heißt das neue Buch so schön: "You Know Me"!



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